Grosses Interesse

Stüsslinger wollten das Wasserreservoir der Zukunft von innen sehen

Die Stüsslinger konnten am Samstag das neue Wasserreservoir von innen erleben. Dabei lernten sie Erstaunliches.

«Es haben sich 140 Leute angemeldet», sagt Vize-Gemeindepräsident Dominik Frauchiger bei der Begrüssung. Es ist Samstagnachmittag und auf dem Parkplatz hinter dem Restaurant Kreuz in Stüsslingen stehen der Gemeinderat und die Wasserkommission. Alle tragen ein blaues T-Shirt mit den drei gelben Stüsslinger Sternen über der linken Brust. Zwei Autos stehen schon bereit. Sie sollen die Interessierten zum neuen Wasserreservoir Aengi fahren. Denn heute ist Tag der offenen Tür des Reservoirs. Die Fahrt ist kurz und schon von Weitem sieht man das Wasserreservoir in der grünen Wiese stehen. Sonnenblumen und Fahnen geben dem funktionalen Gebäude einen feierlichen Anstrich. Frauchiger zeigt auf eine Fläche links neben dem Gebäude: «Dort stand das alte Wasserreservoir Aengi.»

Projekt mit langer Anlaufzeit

Das alte Reservoir wurde 1898 erbaut und in den Jahren 1930 sowie 1985 renoviert. Die lange Mängelliste hat 2010 dann eine Sanierung ausgeschlossen. Die Gemeindeversammlung sprach im selben Jahr den Planungskredit von 55 000 Franken. Darauf folgte eine Planungsphase von fünf Jahren. «Wir haben die Planung sehr sorgfältig gemacht und haben uns dafür auch die nötige Zeit genommen», erklärt Frauchiger. «Das hat sich auch ausgezahlt: Der Zeitplan wurde eingehalten und die Kosten blieben im vorgegebenen Rahmen.»

Der Gemeindepolitiker ist seit 2009 im Gemeinderat und im «Ressort Wasserwerke». So hat er das Projekt von Anfang an begleitet. «So ein Projekt ist kein Pappenstiel für eine Gemeinde mit rund 1070 Einwohnern.» Er sei jetzt ein wenig erleichtert, dass es abgeschlossen ist. Vor allem aber ist er stolz. «Das Reservoir soll für die nächsten Generationen frisches Wasser liefern», meint er. Die Kapazität des Wasserspeichers erlaubt Stüsslingen, um 300 Menschen zu wachsen.

Damit das Reservoir fit für die Zukunft ist, hat man auch eine moderne Art der Filtertechnik installiert. «Wir haben hier Karstquellwasser», erklärt Kurt Bieber, Präsident der Wasserkommission. Das bedeutet, dass Quellwasser, welches das Reservoir speist, ist sehr kalk- und mineralienhaltig. Dazu hat es auch feinen Sand im Wasser. «Dadurch ist das Wasser oft trübe», erklärt Bieber. Damit das Wasser bei den Stüsslingern klar aus dem Hahn kommt, muss es gefiltert werden. «Früher hatten wir einen sogenannten Ozonfilter. Dabei hat das Gas die Partikel gebunden», erklärt der Experte weiter. Diese Filtermethode funktionierte nicht immer und so musste das Wasser regelmässig in den Bach abgeleitet werden. Im neuen Reservoir steht deswegen ein Membranfilter. «Dieser Filter garantiert einen höheren Nutzungsgrad», sagt Bieber. Auch der Brunnenmeister Daniel Bieber ist zufrieden: «Jetzt ist alles vollautomatisch. Ich muss nur noch im Notfall eingreifen.» Er arbeitet schon 30 Jahre als Brunnenmeister in Stüsslingen und trauert dem alten Reservoir kein bisschen nach: «Es war höchste Zeit, dass es ersetzt wurde. Ich finde es interessant, in diesem neuen Reservoir zu arbeiten.» Und schon wieder, stellt ein interessierter Stüsslinger dem Brunnmeister eine technische Frage. «Jetzt werde wir die Fläche, wo das alte Reservoir stand, aufforsten und dann ist dieses Projekt endgültig abgeschlossen», meint Frauchiger zum Abschluss.

Immer mehr Neugierige kommen, um sich das Reservoir anzuschauen, während die ersten ins Restaurant Kreuz zurückkehren. Dort wartet der Imbiss auf sie. Auch Gemeindepräsident Georges Gehriger ist dort und schüttelt Hände. «Es ist schön, zu sehen, dass das Interesse so gross ist», sagt er zufrieden.

Das Interesse bestätigen auch zwei Männer, die sich das Reservoir angeschaut haben. «Uns interessiert die technische Seite», sagt der eine. Der andere meint, dass er einiges gelernt hat: zum Beispiel, dass Anfang Juni dieses Jahres die Stüsslinger 500 Liter Wasser pro Kopf an einem Tag verbraucht haben.

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Autorin

Judith Frei

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