Lostorf

Stilles, nächtliches Schaffen im Hintergrund

Kurt Schüle (l.) bei der Beratung am letztjährigen Setzlingsmarkt.

Bis die robusten Jungpflanzen vom Buechehof auf dem Setzlingsmarkt feilgeboten werden, braucht es hin und wieder eine Sonderschicht.

Der Bio-Setzlingsmarkt auf dem Buechehof ist mittlerweile ein Fixpunkt im Kalender vieler Hobbygärtner und Pflanzenliebhaber – nicht nur aus dem Niederamt. Im vergangenen Jahr wurden rund 15'000 Pflanzen an zirka 400 Besucher verkauft. Doch bis die Gemüse-, Kräuter und Blumen reif für den Verkauf sind, braucht es viel Hege und Pflege von den Mitarbeitern und Bewohnern des Buechehofs. Die Planung erfolgt jeweils im Januar, wie Kurt Schüle berichtet. Schüle leitet den Arbeitsbereich Garten in der sozialtherapeutischen Einrichtung zwischen Lostorf und Mahren. Nach der Samenbestellung werden im Februar die ersten Pflanzen angesät. «Nach der Aussaat kontrollieren wir die Aussaaten und Jungpflanzen drei Mal täglich, also auch am Wochenende. Giessen, Lüften und Schattieren inklusive, da keine vollklimatisierten Gewächshäuser vorhanden sind.», erklärt Schüle. Bis Ende April wird jede Woche ausgesät, alles in allem rund 130 Gemüsesorten, 160 Blumensorten und etwa 35 verschiedene Kräuter.

Ein Gemeinschaftswerk

Kompost und Erde mischen, Pikieren, Topfen, Fangfallen für Läuse anbringen – die Aufzucht der zarten Pflänzchen bedeutet viel Handarbeit. Diese wird zum grossen Teil von den Betreuten des Buechehofs verrichtet. Mit viel Sorgfalt und Hingabe, wie Schüle verrät. «Sie sind die grossen helfenden Hände – und manchmal auch Köpfe.» Mit der Zeit werden einige zu echten Profis. Unterstützt werden sie von Zivildienstleistenden und Freiwilligen. Die Setzlingsproduktion sei jedoch ein Gemeinschaftswerk, betont Schüle, eine Arbeit, bei der jeder seine Begabung einbringen könne – zum Gelingen des Ganzen. Dadurch erreichen die biologisch-dynamisch gezogenen Setzlinge eine ausgezeichnete Qualität und sind bestens ad die Bedürfnisse hiesiger Hausgärten angepasst.

Nächtliche Kontrollgänge

Die Jungpflanzen müssen täglich umplatziert werden vom grossen Glashaus mit Idealtemperatur von 16 bis 22 Grad in die Folienhäuser, wo die Temperatur nur bedingt regulierbar ist. Für Warmkulturen wie Tomaten, Peperoni und Blumen wird mit einer Gasheizung leicht geheizt. «Diese Pflanzen dürfen auch nachts keinesfalls unter 12 Grad bekommen», erklärt der Bereichsleiter.

Letztes Jahr erforderte der heftige Frühlingsfrost besondere Vorkehrungen: «Wir hatten bis zwei Wochen vor dem Verkauf noch Frostnächte. Das bedeutete, dass wir fast keine Pflanzen im Freiland platzieren konnten.» Ein Teil der Aussaat musste jeden Morgen aus dem Folienhaus ins Freie und am Abend wieder hinein gebracht werden, damit sie weder Hitze noch Kälte zum Opfer vielen. Die Heizung sei teilweise überlastet gewesen, so dass jede Nacht Kontrollgänge nötig waren. Für Kurt Schüle bedeutete das: Wecker stellen, aufs Velo schwingen und dabei die Taschenlampe nicht vergessen. «Aber auch Staunen über die Stille der Nacht und den unendlichen Sternenhimmel, sich über das Glück der Sternschnuppen freuen und dann schnell wieder ins warme Bett kriechen.» Der Aufwand hatte sich gelohnt. Ausser bei den Gurken und beim Basilikum, gab es kaum Schäden. «Am heikelsten sind immer die Melonen, Gurken, Basilikum, Auberginen und Peperoni, sowie einige Blumensorten.»

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