Trimbach

Sie «sjoelen» lieber anstatt ins Altersturnen zu gehen

Holländisches Brettspiel Sjoelsport Trimbach

Holländisches Brettspiel Sjoelsport Trimbach

In Trimbach hat sich eine Gruppe von rund einem Dutzend Mitglieder im Sjoelsport gefunden, einem Brettspiel aus den Niederlanden.

Als erster in der Schweiz spezialisierte sich Verein Sjoelsport Trimbach auf das niederländische Spiel «Sjoel». Ein Vereinsmitglied nimmt nun sogar an den nächsten Weltmeisterschaften teil.

In den Niederlanden kennt es fast jeder, in der Schweiz ist das Gesellschaftsspiel aber noch weitgehend unbekannt: Beim Sjoelen (ausgesprochen: «schuulen») müssen auf einem rund zwei Meter langen Spielbrett runde Holzsteine zielsicher in vier Feldern platziert werden, die unterschiedlich viele Punkte geben. Gespielt wird allein, das Ziel ist es, in drei Durchgängen die Maximalpunktzahl von 152 zu erreichen.

Wie der Selbstversuch an einem Donnerstagabend beim Training des Trimbacher Vereins im Brunnensaal unterhalb des Mühlemattsaals zeigt, klingt das einfacher, als es ist. So geht es auch dem Trimbacher Reto Bär, der seit der Vereinsgründung vor rund acht Jahren dabei ist.

Der Spass am Spiel ist wichtiger

«Manchmal gefällt mir das Spiel gar nicht», sagt er lachend, «aber trotzdem, es packt einen». Man wolle die eigene Punktzahl verbessern und vorwärtskommen. Der Spass am Spiel und die soziale Komponente im Verein ist ihm aber wichtiger. Seine Frau Gaby ist ebenfalls Mitglied.

Der Trimbacher Verein war der erste in der Schweiz, gegründet von Henny Beyeler, die heute noch Präsidentin ist. Die schweizerisch-niederländische Doppelbürgerin brachte das Spiel erstmals im Rahmen einer Sammelaktion für den Trimbacher Mittagstisch im Jahr 2009 in die Schweiz. Sie machte es der Trimbacher Bevölkerung aktiv bekannt, beispielsweise am Dorfmäret oder bei der Veranstaltung von Plauschturnieren. Damals ging ein Teil des Erlöses aus den Verkäufen an den Mittagstisch.

Noch heute verkauft sie pro Jahr etwa 30 Sjoelbak, wie die Spielbretter genannt werden, für 220 Franken. Sechs Tische können bei ihr für Anlässe ausgeliehen werden. Dort legt sie einen Einzahlungsschein bei für den Mittagstisch, wobei jeder selbst bestimmen kann, wie viel Geld gespendet wird.

Eine Mischung aus Präzision und Glück

«Das Spiel ist für alle geeignet, egal ob für Kinder oder Erwachsene», so Beyeler. Für Kinder biete es eine gute Mischung aus Präzision und Glück. Besonders hebt sie hervor, dass auch Leute den Spielsport ausüben können, die nicht gut stehen könnten, da im Sitzen gespielt werden könne. Der Brunnensaal, wo der Verein etwa alle zwei Wochen trainiert, ist denn auch rollstuhlgängig.

Derzeit zählt der Verein Sjoelsport Trimbach zwölf Mitglieder im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Jedes Jahr sind sie am Trimbacher Dorfmäret anzutreffen. Und auch bei der Projektwoche im Oltner Hübelischulhaus machen sie mit.

Bald steht die Weltmeisterschaft an

Wer die Herausforderung und den Wettbewerb sucht, kann an den zahlreichen lokalen Turnieren sowie an der Weltmeisterschaft mitmachen, die alle zwei Jahre in einem anderen europäischen Land stattfindet.

Im Mai ist es wieder soweit: Henry Bade vertritt den Trimbacher Verein und bildet zusammen mit vier Spielern aus dem Liestaler Verein das Schweizer Nationalteam. Aktuell treffen sie sich einmal wöchentlich zum Training. Die Ranglisten führen meist die Niederlande und Deutschland an. «Gegen sie haben wir keine Chance, da sie viel öfter spielen», so Beyeler. Lieber gehen sie an kleinere Turniere, beispielsweise im Elsass, wo es mehrere aktive Vereine gibt.

«Das Schöne ist, dass das Spiel sehr gesellig ist»

Während des Trainings am Donnerstagabend hat es aber auch Zeit für Gespräche und Kaffee. Und im Sommer treffen sich die Mitglieder mal in Beyelers Garten auf eine Spielrunde. «Das Schöne ist, dass das Spiel sehr gesellig ist, obwohl eigentlich jeder für sich spielt», so die Trimbacherin.

Das bestätigen Gaby und Reto Bär. Wenn sie das Spielbrett mal hervornehmen würden, spiele auch der mittlerweile 20-jährige Sohn mit, der vor fast zehn Jahren am Dorfmäret ein Spielbrett gewonnen und damit die Begeisterung der Familie geweckt habe. «Andere gehen ins Altersturnen, wir sjoelen», so Gaby Bär lachend.

«Ich mag die Herausforderung»

Auch Christina Corso spielt gelegentlich mit der Familie. «Ich mag die Herausforderung», so die Trimbacherin, die aber aufgrund anderer Verpflichtungen nicht regelmässig trainieren kann.

«Wir haben schon den Anspruch, besser zu werden, aber wir trainieren nicht fanatisch», bringt es Vereinspräsidentin Beyeler auf den Punkt. Wer ein interessantes Spiel ohne Druck ausprobieren möchte, dürfe denn auch jederzeit beim Trimbacher Verein vorbeischauen.

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