«Darf ich noch ein Stück Kuchen haben?» Erst nach der dritten Runde Nachschub, also nach einem halben Blech Marmorkuchen, sind die Bäuche der erschöpften Kinder voll. Sie haben sich dieses «Znüni» verdient. «Jeder, der was macht, darf so viel essen, wie er will. Das ist das Prinzip auf unserem Bauernhof», meint Susann Winkler, die Leiterin der Herbstferienkurse auf dem Berghof Rohr.

11 Kinder zwischen 5 und 12 Jahren aus den Nachbardörfern haben sich am Mittwochmorgen in ihren Herbstferien um 9.30 Uhr auf dem Hof von Winkler versammelt, um am Kurs «Bauernhofkrimi» teilzunehmen. Die 40-jährige Landwirtin veranstaltet seit 15 Jahren regelmässig Kurse und Geburtstagsfeten für Kinder: «Ich möchte ihnen zeigen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden.» Denn ein Bauernhof sei alles andere als ein Streichelzoo und das soll den Kindern durch die Kurse verständlich gemacht werden.

Putzen, füttern, mosten

Als Erstes geht es ab in den Stall, wo die hungrigen Kälber bereits auf ihr Futter warten. Die Bäuerin teilt die Truppe auf: Die eine Hälfte muss die Futtertröge der Kälber säubern, die andere frisches Stroh bringen. Ohne zu zögern, legen die Kleinen los. Selbst die Jüngste unter ihnen hilft tatkräftig mit.

Mal wird konzentriert gearbeitet, mal schweift die Aufmerksamkeit zu den niedlichen Kälbern, die ihre Köpfe durch die Gitter strecken, um gestreichelt zu werden. Mit gegenseitiger Unterstützung werden dann die Tröge wieder mit Futter gefüllt. «Sie machen bei uns nicht irgendwas Sinnloses, sondern kriegen eine Aufgabe, die man wirklich jeden Tag im Stall machen muss, sei dies etwa das Putzen oder Füttern», erklärt Winkler.

Eine Stunde später geniessen alle frischen Süssmost: selber gepresst natürlich, wie es sich auf einem Hof gehört. Nach einer Verstärkungs- und WC-Pause geht es nämlich vom Stall direkt weiter zu den Apfelbäumen. Die Äpfel sind im Nu gesammelt und mit vereinten Kräften zurück zum Hof transportiert, wo sie zuerst sortiert und gewaschen werden müssen, bevor sie in der manuellen Presse bis zum letzten Tropfen ausgepresst werden können. Jeder packt mit an.

«Sie sind festgenommen!»

«Es ist eine sehr schöne Aufgabe. Die Kinder sind sehr dankbar und zeigen sofort, dass ihnen die Arbeit gefällt.» Susann Winkler merkt man in jedem Augenblick an: Sie geniesst den Umgang mit den Kindern. Regelmässig erhalte sie Post von begeisterten Kindern, erzählt sie beim Zuschneiden der Cervelats für das «Z’Mittag».

Die Postkarten, Briefe und Zeichnungen ehemaliger Kursteilnehmer hängen an der Wand des Gemeinschaftsraumes, wohin auch die Kinder nach dem Mosten wieder zurückkehren. Es ist nämlich Zeit für die Detektivarbeit, der heutige Kurs heisst ja schliesslich nicht umsonst «Bauernhofkrimi».

Gemeinsam basteln die Kinder ihren Detektivausweis und schon bald hört man die ersten ausrufen: «Sie sind festgenommen!» Los geht es allerdings erst am Nachmittag mit dem Verschwinden eines Milchtopfes. 11 kleine Detektive machen sich auf eine abenteuerliche Schnitzeljagd über den ganzen Hof und lösen knifflige Rätsel, um auf die Spur der verschwundenen Milch zu kommen. Wohin diese führt? Das bleibt ein Hofgeheimnis. Eines sei hier jedoch verraten: Es gibt zum Schluss was für die Schleckmäuler.