Neu im Kantonsrat

Ratsküken Mara Moser: «Ich freue mich sehr, habe aber ein bisschen Bammel»

Mara Moser ist die Jüngste im neu formierten Kantonsrat.

Mara Moser ist die Jüngste im neu formierten Kantonsrat.

Nachgerückt für Regierungsrätin Susanne Schaffner wird die Niedergösgerin Mara Moser (SP) neu im Kantonsrat Einsitz nehmen. Mit der Arbeit in der Interparlamentarischen Kommission der Fachhochschule Nordwestschweiz begibt sie sich auf ungewohntes Parkett.

Mara Moser geht voraus auf den Balkon, der eine exklusive Sicht auf die Niedergösger Schlosskirche bietet. Den Aussensitzplatz und den Tisch aus Fichtenholz hat Moser selbst gezimmert. «Ich bin der Do-it-yourself-Typ», sagt die 24-Jährige mit charmanter Stimme, der man eine Menge Zigaretten anhört. Ihren einen Arm ziert ein Schmetterlingstattoo – «Freiheit» –, den anderen der verschnörkelte Schriftzug «Mi vida loca» – «weil das Leben macht, was es will». Ein Glitzerstein funkelt in ihrem Mund.

Sie habe die Dinge gerne «nicht ganz normal», erzählt Moser. Ihren Töff etwa, eine Kawasaki Z650, habe sie matt olivgrün lackieren lassen. Damit braust sie bei gutem Wetter durch die Region. Sie habe, sagt sie, die Erfahrung gemacht, dass sie ein bisschen aus der Masse hervorsteche. Daher werde sie oft angesprochen. Dass sie viele Leute kenne, liege aber auch an ihrem Hund Marley. «Er ist mein grosses Hobby.» Bob Marley, ist das ihre Musik? Ja, Reggae höre sie natürlich. Aber sie habe gerade zu Classic Rock zurückgefunden. AC/DC stehe derzeit hoch im Kurs.

Sie trat aus dem Gemeinderat aus

Dass Moser viele Leute kennt, ist vielleicht der Grund, warum sie für Regierungsrätin Susanne Schaffner in den Kantonsrat nachrutschen konnte. «Ich habe mich auch gefragt, wie ich so viele Stimmen holen konnte», meint sie verwundert. Denn sie habe keine Werbung gemacht, genau einen Beitrag habe sie auf Facebook gepostet. Da sie im März die Fachabschlussprüfung machte, musste sie Prioritäten und auf Mund-Propaganda setzen. «Ich freue mich sehr, aber ich habe ein bisschen Bammel», sagt sie zum Mandat. Als Jüngste im Kantonsrat habe sie noch nicht so viel Lebenserfahrung. Aber sie werde ihr Bestes geben.

Politisch aktiv ist Moser seit 2009, als sie zur neu entstandenen Jungen SP Region Olten stiess. Bald sass sie in der Geschäftsleitung, war dann Vize-Präsidentin und Co-Präsidentin. Seit vier Jahren gehört sie der SP Niedergösgen an, für die sie auch drei Jahre im Gemeinderat sass. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Gemeindepräsidenten habe sie die Legislatur jedoch nicht beendet (wir berichteten). «Als ich vor einem Jahr aus dem Gemeinderat austrat, wollte ich mit Politik eigentlich nichts mehr am Hut haben», erzählt sie. Ein Bekannter habe sie jedoch überzeugt, für den Kantonsrat zu kandidieren. «Ich frage mich immer: Warum eigentlich nicht?», sagt sie. Sie sei spontan und probiere gerne Neues.

Schon ihr Vater war SP-Gemeinderat in Niedergösgen. Sie selbst denke ebenfalls sozial. «Ich möchte zu allen schauen und überall helfen». Sie habe wohl ein Helfersyndrom, gibt sie zu. Manchmal vergesse sie sich dabei selbst. Aber ihr Schatz Michael, mit dem sie seit zwei Jahren zusammenwohnt, hole sie wieder «obenabe». Und vergebe ihr auch ihr mangelhaftes Zeitmanagement.

Bauplanerin und designierte Firmeninhaberin

Im Kantonsrat wird sie in der Interparlamentarischen Kommission Fachhochschule Nordwestschweiz (IPK FHNW) Einsitz nehmen. «Ich habe keine Ahnung, was kommt», gibt sie unumwunden zu. Sie wolle sich erst einarbeiten, konkrete Anliegen habe sie noch keine. Es sei denn im Bereich Bauwesen: «Ich setze mich tagtäglich mit dem Baugesetz auseinander. Da sehe ich Sachen, die absoluter Schwachsinn oder schwierig umzusetzen sind», sagt sie.

Moser, die eine Lehre als Hochbauzeichnerin absolvierte, steckt gerade mitten in der Weiterbildung zur Technikerin Bauplanung Architektur. 80 Prozent arbeitet sie bei Heer Architektur in Lostorf in der Bauleitung und Planung. «Meine Chefin unterstützt mich voll», weiss sie. Chefin Anja Heer habe eine «Schissfreud» gehabt, dass Moser es in den Kantonsrat schaffte. Bei Heer Architektur ist Moser seit 2009 tätig. Und, das sei so gut wie sicher: Sie werde das Geschäft von ihrer 72-jährigen Chefin übernehmen. Moser, die an Glück und Zufall glaubt, ist sich sicher: «Das Leben hat noch viel vor mit mir.» Sie strahlt.

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