Niedergösgen

Neuer Laden verkauft umstrittene Produkte von Robert Franz

Am Wochenende hat in Niedergösgen der erste Robert-Franz-Shop im Kanton Solothurn seine Türen geöffnet. Die Ladeninhaberin und einige Kundinnen erzählen, was sie von den Produkten des selbst ernannten Gesundheitsgurus halten.

Die violetten Ballone beim Eingang verraten: Hier wird gefeiert. Und zwar die Eröffnung des ersten Robert-Franz-Shops im Kanton Solothurn. Die Parkplätze vor dem Lokal waren am Samstagvormittag allesamt besetzt.

Der Laden im Wohnquartier von Niedergösgen gehört Claudia Galliker. Die Stüsslingerin verkauft die gesamte Produktpalette von Robert Franz und bietet sogenannte Bio-Scan-Messungen an.

Youtube-Videos werden 150'000 Mal angeklickt

Doch wer ist eigentlich dieser Robert Franz? Der 58-Jährige stammt aus Rumänien, kam als junger Mann nach Deutschland, lebt nun in Österreich, ist gelernter Automechaniker und selbst ernannter Gesundheitsguru.

Franz vertreibt seit Jahren Nahrungsergänzungsmittel und hat sich damit ein millionenschweres Unternehmen aufgebaut. Regelmässig füllt er mit seinen Vorträgen grosse Säle und auf Youtube werden seine Videos teilweise mehr als 150'000 Mal angeklickt.

Alles in Violett

Trotz der sozialen Medien und des Online-Shops, Robert Franz will ein Naturbursche sein. Immer ist er barfuss unterwegs, seine langen Haare färbt er manchmal violett. Diese Farbe zieht sich denn auch durch die ganze Marke «Robert Franz». Website, Produkte und seine Kleider sind in Violett-Tönen gehalten.

Franz ist sich sicher: Mit seinen Mitteln können viele Leiden der Menschen geheilt werden. Um weniger Angriffsfläche zu bieten, formuliert der Gesundheitsguru seine Empfehlungen durchweg im Konjunktiv. «Hätte» er Krebs, Alzheimer oder Rückenschmerzen, «würde» er zuerst Vitamin-D3-Tabletten einnehmen.

Bei Krebsleiden «könnte» ausserdem OPC helfen — das Allerheilmittel von Robert Franz. OPC steht für «oligomere Proanthocyanidine», einfacher gesagt: Traubenkernextrakt. Das Mittel erhält man bei Franz in Kapselform. In seinem Buch über OPC schreibt er: «Würde die Einnahme von OPC überhaupt den Ausbruch von Krebs verhindern und das Ende dieser so tödlichen Krankheit besiegeln? Ich sage dazu: Ja.»

Sie will «Hilfe zur Selbsthilfe bieten»

Der neu eröffnete Laden an der Neufeldstrasse in Niedergösgen ist der zweite in der Schweiz, nach demjenigen in Schöftland AG. Ladenbetreiberin Galliker verfolgt die Lehren von Robert Franz seit Jahren. «Ich habe mehrere Seminare bei ihm persönlich absolviert», so die zweifache Mutter. Auch besuche sie immer wieder Vorträge von ihm — der letzte fand am vergangenen Freitagabend in Aarburg statt.

In ihrem Shop möchte Galliker die Kunden kompetent beraten: . «Ich sage ihnen jeweils, was ich in ihrer Situation machen würde», sagt die Stüsslingerin. Das Ziel sei, «Hilfe zur Selbsthilfe bieten». Und ergänzt sofort: «Ich ersetze aber natürlich keinen ärztlichen Rat.»

Schwerwiegende Vorwürfe gegen Franz

Für seine Thesen und Empfehlungen wurde Robert Franz in der Vergangenheit bereits oft kritisiert. Und angezeigt: Im Januar 2018 warf die österreichische Ärztekammer dem 58-Jährigen «Kurpfuscherei» vor, wie die österreichische «Kleine Zeitung» berichtet. Das heisst: Franz soll ohne die nötige Ausbildung für den ärztlichen Beruf die Tätigkeit bei einer grösseren Anzahl Menschen ausführen.

Wenige Tage später veröffentlichte die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit eine Warnung: Einige Nahrungsergänzungsmittel würden überhöhte Vitamin B- und Zinkgehalte aufweisen. Das sei gesundheitsschädlich, wie die Zeitung berichtet. Franz antwortete auf die Vorwürfe: «Wo Robert Franz draufsteht, ist kein Gift drin.»

Auch die österreichische Apothekenkammer hat ein Verfahren gegen Franz eingeleitet. Und die neuste Anzeige stammt von Mitte April, sie wurde von der Verwaltungsbehörde des Bezirks Bregenz eingereicht. Die Vorwürfe wiegen schwer: Verstösse gegen das Lebensmittelsicherheit- und Konsumentenschutzgesetz, Kurpfuscherei sowie Betrug.

«Es gibt natürlich immer Neider»

Robert Franz äussert sich kaum gegenüber den Medien. Auch die Anfrage dieser Zeitung blieb unbeantwortet. Dafür bezieht er in Youtube-Videos Stellung: «Ich will nur aufklären, keine Angst schüren. Ich bin kein Wunderheiler. Nur ein Automechaniker, der alle Heilpflanzen kennt.»

Angesprochen auf die laufenden Verfahren und Anzeigen gegen Robert Franz sagt Claudia Galliker: «Es gibt natürlich immer Neider.» Die würden aber nicht sehen, dass es Franz gut meine mit den Menschen. «Er will den Leuten ja nur zeigen, wie sie sich jeden Tag selbst helfen können.»

«Es gibt immer zwei Seiten der Geschichte»

Im Vorfeld sprach sich die Neuheit im Niederamt bereits auf Facebook herum. Das Interesse schien gross. Robert Franz war allerdings nicht anwesend – obwohl er am Freitag und Samstag Vorträge in der Schweiz hielt. Meist drängten sich etwa 15 Personen – vornehmlich Frauen – in den kleinen Verkaufsraum. Zur Feier des Tages wurde Prosecco und Traubensaft ausgeschenkt.

Eine Kundin aus Kölliken AG hält gleich mehrere Fläschchen in der Hand: «Seit einiger Zeit nehme ich Vitamin-D3-Tröpfchen. Denn ich habe Hashimoto.» Die Schulmedizin habe die chronische Entzündung ihrer Schilddrüse nicht lindern können. Die Produkte von Robert Franz jedoch schon. Ihre Werte seien nun viel besser, erzählt sie.

Eine Stüsslingerin setzt auf die Vitamin-C-Präparate: «Immer wenn ich das Gefühl habe, krank zu werden, nehme ich ein paar Tabletten. Seither wurde ich nie mehr krank.» Die Schwester der Kundin bestätigt dies. Sie selbst kenne die Produkte zwar noch nicht, «aber ich habe nur Gutes gehört». Von den Vorwürfen gegen Robert Franz weiss sie. Abschrecken lässt sie sich davon aber nicht: «Es gibt immer zwei Seiten der Geschichte.» Und: Sie würde sowieso nur das einnehmen, das ihr guttun würde.

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