«Multibag, das schlaue Recycling Abo», so heisst der Slogan der Firma. Bis vor kurzem hiess die Firma noch Pink Bag und wurde von Zürich aus geführt. Seit Juni heisst sie Multibag und hat ihren Sitz in Zofingen. Die Firma bietet einen Abholservice für Recycelbares an. Für diese Dienstleistung wird Fr. 17.50 pro Monat verlangt. Der Kunde kann so, ohne den Abfall zu trennen, Verschiedenes gleichzeitig entsorgen: Glas, PET, Alu, Karton, Druckerpatronen, Energiesparlampen und Kleider. Die Liste ist nicht abschliessend. Alles kann in einem Sack vor die Haustüre gestellt werden und die Zofinger Firma sammelt diesen ein. Dieser Service passt in die heutige Zeit. Viele Leute wollen umweltbewusst leben, gleichzeitig aber fehlt die Zeit, den Abfall an der richtigen Stelle zu entsorgen. Hier will der Anbieter Multibag einspringen und seine Kunden in dieser Arbeit entlasten (wir berichteten).

Dieses Angebot stösst nun auf Widerstand. So kann man im Protokoll des Gemeinderates von Starrkirch-Wil lesen: «Tendenziell neigt der Gemeinderat dazu, das Angebot von ‹Pink Bag› auf dem Gemeindegebiet von Starrkirch-Wil zu verbieten.» Laut Gemeindepräsident Christian Bachofner kam es zu dieser Diskussion, da der Abfallentsorger mit Flyern diesen Sommer in der Gemeinde sein Angebot bewarb. Die Umweltkommission habe daraufhin das Traktandum in die Sitzung getragen: «Das Einsammeln des Abfalls ist eine hoheitliche Aufgabe», erklärt Bachofner. Ihm gehe es dabei aber weniger ums Prinzip, als darum, dass die Abfallrechnungen die Gemeinden bezahlen. «Wenn ein Privater den rentablen Abfall einsammelt und selber entsorgt, bleibt für die öffentliche Hand nur noch der wertlose Abfall.» Das würde für den einzelnen Steuerzahler bedeuten, dass er für die Einbussen aufkommen müsste. «Wenn im grossen Still einzelne Wertstoffe abgeführt werden, dann belastet das die Abfallrechnung.»

Schon heute gibt es lokale Anbieter, die den gleichen Service wie Multibag liefern. Diese Unternehmen arbeiten aber mit dem Werkhof in Olten zusammen. Der Gemeindepräsident will aber noch nicht aktiv werden und ein Verbot aussprechen. Denn Starrkirch-Wil wird vom Werkhof Olten bedient. Die Gemeinde will nun abwarten, wie dieser mit dem neuen Anbieter umgehen will.

Der Werkhof ergreift deutliche Massnahme

Der Werkhof Olten hat schon eine Strategie entwickelt. «Wir werden bald einen Brief im Namen der Stadt Olten und Starrkirch-Wil an Multibag schreiben und ihnen die Geschäftstätigkeit auf unserem Gebiet untersagen», erklärt René Wernli, Leiter Werkhof Olten auf Anfrage. Wernli findet es störend, dass Multibag mit seinem Angebot die gewinnbringenden Wertstoffe abholt und die Gemeinden dann auf den weniger rentablen Abfällen sitzen bleiben. Doch bis jetzt hat der Werkhof noch keine Einbusse bemerkt.

Denn Multibag sei in der Region Olten noch nicht etabliert. Er fügt an, dass es schon viele Angebote dieser Art in der Region gäbe. Der Werkhof Olten arbeitet mit dem Velolieferdienst Collectors und mit Umweltfreunde der Bildungswerkstätte Oltech zusammen. Diese Anbieter würden den Abfall im Werkhof in Olten entsorgen und somit kommt er nicht in fremde Hände. «Auch der ökologische Nutzen bei Multibag ist sehr fraglich, denn sie sammelt den Abfall in der Region ein und entsorgt ihn schliesslich in Zofingen», meint der Werkhofleiter. «Wir wollen jetzt die Geschäftstätigkeit von Multibag auf unserem Gebiet unterbinden, bevor diese Firma richtig Fuss fassen kann.»

Geschäftsführer David Gloor von Multibag versteht die Gemeinden und ihre Bedenken. «Wir sind offen, das Gespräch mit den Gemeinden zu führen», sagt er zuerst. Doch weist er von der Hand, dass Multibag nur profitabeln Abfall einsammelt: «Wir sammeln auch Materialen ein, bei denen wir nichts daran verdienen.» Damit meint er beispielsweise Karton und Kunststoffe. «Wir verdienen nichts am Verkauf des Abfalls. Das ist für uns ein Minusgeschäft.» Das Geschäft mache die Firma mit der Dienstleistung. «Wir verdienen unser Geld mit dem Verkauf der Abonnements.» Dass Starrkirch-Wil seine Dienstleistung verbieten will, trifft ihn aber nicht, da er noch keine Kunden in dieser Gemeinde hat.

Nicht nur Starrkirch-Wil ist auf den Abholservice aufmerksam geworden. Auch im unteren Fricktal hat man der Firma untersagt, den Abfall einzusammeln, wie das SRF Regionaljournal Aargau Solothurn vergangene Woche berichtete.