Trimbach

Nach Wechsel der Schulleitung: Acht Lehrpersonen haben Kündigung eingereicht

Das Mühlemattschulhaus in Trimbach: Acht Lehrkräfte verliessen das Kollegium – wegen eines Zwists mit einem der Schulleiter.

Das Mühlemattschulhaus in Trimbach: Acht Lehrkräfte verliessen das Kollegium – wegen eines Zwists mit einem der Schulleiter.

Unbeantwortete Fragen, acht Kündigungen und ein krankgeschriebener Schulleiter: An der Primarschule in Trimbach schwelt ein Konflikt.

Kinder gehen in die Schule, um von Erwachsenen zu lernen. In verschiedenen Fächern sollen sie Werkzeuge für ihr späteres Leben erhalten. Ein ausgestalteter Lehrplan legt fest, welcher Stoff, wann an der Reihe ist. Neben diesen Lernfeldern bietet die Schule den Kindern einen Rahmen, um sich in Sozialkompetenz und Konfliktlösung zu üben. Doch was ist, wenn Schulleitung, Behörden und Lehrpersonen selbst Mühe dabei haben, Konflikte einvernehmlich zu lösen? Wie gelingt die Verhinderung einer Eskalation und wer setzt sich wie dafür ein?

Im Leitbild der Schule Trimbach sind unter dem Begriff Zusammenarbeit die Worte festgehalten: «Die Kooperation zwischen Erziehungsberechtigten, Lehrpersonen, Schulleitung und Behörden ist für die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zentral.» Soziales Lernen und das Entwickeln von Beziehungen seien wichtige Bestandteile an der Schule. Im Vordergrund stünden «wertschätzender und respektvoller Umgang». Es ist aber alles andere als wertschätzender oder respektvoller Umgang, der am Ende des Schuljahres 2019/20 zum Abgang von acht Lehrpersonen – darunter jahrelange Angestellte – geführt hat. Vielmehr sind Beschuldigungen, intransparente Vorgänge und Misstrauen seitens Schulleitung und Gemeinderat dafür verantwortlich. Und die fehlende Bereitschaft der zuständigen Behörde, sich für die Beteiligten einzusetzen.

Schulleiter werden mangelnde Kompetenzen vorgeworfen

Verschiedene voneinander unabhängige Quellen aus dem Umfeld der Schule sind sich einig: Es seien unschöne Sachen passiert. Und: Es seien Personen aus der Lehrerschaft mit schweren Vorwürfen belastet worden. Als sich diese Vorwürfe als falsch erwiesen hätten, sei auf die Betroffenen dennoch Druck ausgeübt worden, statt die Angelegenheit zu bereinigen. Von einem Redeverbot wird gesprochen. Die betroffenen Lehrpersonen wollten öffentlich nicht dazu Stellung nehmen aus Angst vor mög­lichen Konsequenzen. Und aus einem Rest an Loyalität gegenüber dem Ex-Arbeitgeber.

Aber was brachte sie dazu, ihre Stelle zu künden? Als Nachfolger von Philippe Fehr, trat ein neuer Schulleiter im September 2019 die Co-Schulleitung für die Schulkreise Gassacker, Leinfeld und Mühlematt an. Sein Vorgänger arbeitete ihn während einiger Wochen am neuen Arbeitsplatz ein. «Ich habe mich der Gemeinde dafür zur Verfügung gestellt.» Diese habe die entstandenen Mehrkosten dafür genehmigt, sagt Fehr auf Anfrage. Und: «So eine Stelle zu übergeben ist eine komplexe Angelegenheit.» Das Lehrer-Team war zu diesem Zeitpunkt gut eingespielt und hat seiner Ansicht nach sehr gut funktioniert. Über seinen Nachfolger will Fehr sich nicht äussern.

Mit dem neuen Schulleiter wird die etablierte Lehrerschaft mit einem ungewohnten Führungsstil konfrontiert. Eine mit den Abläufen vertraute Person sagt: «Nicht alle Lehrpersonen konnten sich damit arrangieren.» Neben einem befremdlichen Umgang mit Mitarbeitenden werden dem Schulleiter mangelnde Kompetenzen nachgesagt, welche eine Stelle als Schulleiter voraus­setze. Er habe auch nicht über den Abschluss einer entsprechenden Ausbildung verfügt, was aber in der Praxis nicht ungewöhnlich ist.

Zum Eklat kommt es im Januar 2020, als der neue Schulleiter zwei Lehrpersonen beschuldigt, sie hätten Geld aus einer Lagerkasse zweckentfremdet. Der Vorwurf lastet schwer auf den Betroffenen. Die Umstände sind unklar und lassen sich kaum mehr rekonstruieren. Um einen Irrtum habe es sich gehandelt, heisst es. Der Knall überträgt sich auf die gesamte Lehrerschaft, die Verunsicherung ist gross. Von der Schulleitung sei versucht worden, betreffende Lehrkräfte fristlos zu entlassen.

Hier tritt die Gemeinde in Erscheinung. Gemeindepräsident Martin Bühler, Gemeindeschreiber Philipp Felber und der neue Schulleiter organisieren im Februar ein Plenum mit der Lehrerschaft. Doch es geschieht keine konstruktive Aufarbeitung der Vorfälle. Stattdessen werden die betreffenden Lehrpersonen vor allen Anwesenden zusammengestaucht. Das Lehrerkollegium erhält keine Gelegenheit, Fragen zu stellen. Und es wird den Anwesenden verboten, über die Causa nach aussen zu informieren. Der Gemeinderat sollte hier eigentlich versuchen zu schlichten und den langjährigen Lehrkräften auf Augenhöhe begegnen.

Roland Misteli ist in der Geschäftsleitung des Verbandes Solothurner Lehrerinnen und Lehrer. Er hat Kenntnis von den geschilderten Vorgängen in Trimbach und sagt auf Anfrage: «Es wurden zwei Lehrpersonen über unseren Rechtsschutz juristisch unterstützt.» Weiter habe der Verband mit acht Lehrpersonen eine Aussprache zur Situation geführt. Dabei seien massive Vorwürfe gegen die Schulleitung bezüglich ihres Führungsverhaltens erhoben worden. Der Verband habe den Lehrpersonen eine Kontaktaufnahme mit dem Gemeindepräsidenten angeboten. Gemäss den Lehrpersonen seien aber mehrere Gesprächsversuche sowohl mit der Schulleitung als auch mit Behördenvertretern zuvor gescheitert und Aussprachen verweigert worden. Darum hätten die Betroffenen auf eine weitere Intervention verzichtet. «Einige zogen dann offensichtlich individuell die Konsequenzen», sagt Misteli.

Persönlichkeitsschutz statt Aufarbeitung

Auf eine erste Anfrage dieser Zeitung will Martin Bühler keine Stellung nehmen. Auch die Protokolle der betreffenden Gemeinderatssitzungen bleibt die Gemeinde dieser Zeitung trotz Öffentlichkeitsprinzip schuldig. «Wir waschen nicht die Wäsche anderer in der Öffentlichkeit», heisst es. Bühler bezieht sich auf die Persönlichkeitsrechte des umstrittenen Schulleiters. Dieser wird kurz nach dem Vorfall krankgeschrieben. Die zwei verbleibenden Personen der Schulleitung übernehmen von da an über Monate seine Aufgaben. Bis der Gemeinderat im August einen Interimsschul­leiter beauftragt. Dieser ist mit einer Consultingfirma spezialisiert auf solche Fälle und übernimmt das Mandat. Doch die Krankschreibung des Schulleiters ist gar nicht zentral. Es geht darum aufzuklären, was davor geschah. Warum griff der Gemeinderat bei einem Zerwürfnis zwischen Lehrerschaft und Schulleitung – und den im Raum stehenden massiven Vorwürfen – nicht konstruktiv ein?

Die Angelegenheit soll anscheinend ausgeschwiegen werden. Eigentlich wäre Transparenz angezeigt: Warum verlassen acht Lehrpersonen die Schule? Kann es so viele Einzelfälle geben, wie Bühler auf Anfrage behauptet? Was ist genau vorgefallen? Soll der Schulleiter nach krankheitsbedingter Abwesenheit zurückkommen? Hält der Gemeinderat an ihm fest oder war die Stelle mit diesem Schulleiter fehlbesetzt? Wie viel bezahlt die Gemeinde für das externe Mandat der Schulleitung? Wie werden die zu Unrecht beschuldigten Lehrkräfte rehabilitiert? Was hätten alle Seiten besser machen können? Sollen künftige Probleme auf gleichem Weg gelöst werden? Auf diese Fragen bleibt die Gemeinde eine Antwort schuldig.

Auf die zweite Anfrage reagiert Bühler mit einer Stellungnahme der Gemeinde Trimbach (siehe Kontext). Wie bereits bei der ersten Anfrage argumentiert der Gemeindepräsident darin mit Persönlichkeitsrechten der Beteiligten. Auf Fragen zur Rolle des Gemeinderats zwischen Lehrerschaft und Schulleitung, die Art der Konfliktlösung und ob in einem ähnlichen Fall in der Zukunft gleich gehandelt würde, geht Bühler nicht ein. Es wird weiterhin auf die Strategie Ausschweigen gesetzt. Auch der krankgeschriebene Schulleiter lässt via Bühler ausrichten, er sei zu keiner Stellungnahme bereit.

Vielleicht kann das Leitbild der Schule Trimbach Hand bieten: Was würde die Lehrkraft der Schulklasse raten, sollten die Kinder sich auf diese Weise verhalten?

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