Gesamterneuerung
Nach «rundem Tisch»: Positive Signale für das Schönenwerder Bahnhofsprojekt

Am Dienstag fand ein Aussprache betreffend des Bahnhofprojekts Schönenwerd statt. Zuletzt sah es so aus, dass die SBB ihren gesamten Projektteil auf das Jahr 2027 verschieben würden. Nach der Sitzung vom Dienstag soll es nun doch schneller vorwärtsgehen.

Noël Binetti
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Soll in zwei Etappen erfolgen: Angestrebt wird ein Start des Umbaus des mittleren Perrons und die Umgebung des Bahnhofs per Anfang 2022.

Soll in zwei Etappen erfolgen: Angestrebt wird ein Start des Umbaus des mittleren Perrons und die Umgebung des Bahnhofs per Anfang 2022.

Bruno Kissling, Mai 2019

Der runde Tisch fand virtuell in Form einer Videokonferenz statt. Platz genommen zur Aussprache hatten der Kanton Solothurn, das Bundesamt für Verkehr (BAV), die SBB sowie der Bus Betrieb Olten Gösgen Gäu (BOGG) als Vertreter für die Busnetzbetreiber. Und schliesslich die Gemeinde Schönenwerd. Sie gilt als Betroffene der Angelegenheit rund um die Gesamterneuerung des Bahnhofs. Und der Erstellung einer Verkehrsdrehscheibe mit überregionaler Ausstrahlung. Die Aussprache fand am Dienstag statt und sei «konstruktiv und zielführend» verlaufen, gibt Peter Hodel am Telefon Auskunft.

Der Gemeindepräsident von Schönenwerd scheint erleichtert: «Es wurde etwas erreicht und wir als Gemeinde konnten unsere Anliegen im Rahmen der Sitzung deponieren. Auch an den Vorbereitungen konnten wir mitwirken.» Was sind die Anliegen der Gemeinde Schönenwerd? «Auf Basis der bekannten Vorgeschichte wollten wir aufzeigen, welche Folgen allfällige Verzögerungen und bauliche Provisorien für die Gemeinde haben.» Hodel nennt als solche in erster Linie Mehrkosten.

Projekt schien plötzlich gefährdet

Seit 2012 wird rund um das Projekt geplant. Ziel ist es, dass einerseits die SBB den Bahnhof Schönenwerd gesamterneuert und ihn – entsprechend dem Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) – hindernisfrei nutzbar macht. Auch wollen die SBB die Perron-Anlagen erneuern und ein zusätzliches Wendegleis erstellen; ein zentrales Element der angestrebten ÖV-Verkehrsdrehscheibe.

Gleichzeitig wollte Schönenwerd das Areal rund um den Bahnhof erneuern. Drei Buslinien sollten künftig bis zum Bahnhof geführt werden, neue Parkmöglichkeiten für zwei- und vierrädrige Fahrzeuge entstehen und eine neue öffentliche Toilette gebaut werden. Kurz: Es geht um die Aufwertung des gesamten Bahnhofsgeländes.

Die Gemeinde sprach an einer Gemeindeversammlung 2019 den dafür benötigten Brutto-Kredit von rund 4,5 Millionen Franken. Die Planung schien Form anzunehmen, der Baustart war für 2021 vorgesehen. Dann schaltete sich das BAV ein und pfiff die SBB zurück. Das BAV – für die SBB bewilligungsgebende Instanz – erkannte Mängel in der Planung. Konkret entdeckte das BAV Fehlinvestitionen im Projektteil der SBB (wir berichteten). Schönenwerd wurde, nach einer langen Planungszeit, mit einer grossen Unsicherheit konfrontiert.

Aufschieben bis 2027: Da sagt Schönenwerd Nein

Zuletzt sah es so aus, dass die SBB ihren gesamten Projektteil auf das Jahr 2027 verschieben würden. Nach der Sitzung vom Dienstag sieht es aber danach aus, als ob es nun doch schneller vorwärtsgehe. Hodel sagt: «Wir haben unseren Standpunkt klar geäussert. Mit einer Aufschiebung um sechs Jahre wären wir nicht einverstanden gewesen.»

Die SBB überdachten ihre Pläne und splitten sie in zwei Teilprojekte. Das Wendegleis wird verschoben auf 2027. Der andere Teil, der Bau für die Anlagen am Bahnhof und das Perron 2, soll Anfangs 2022 begonnen werden. Auch die Aufrüstung des Perron 1 gemäss BehiG soll zu diesem Zeitpunkt - und somit innerhalb der gesetzlichen Frist - ausgeführt werden. Gleichzeitig will die Gemeinde mit dem Bau ihres Vorhabens rund um den Bahnhof beginnen. «Die Konsequenz des Gesprächs für unser Projekt ist ein Jahr Verspätung», fasst Hodel zusammen.

«Jahrelange Provisorien und horrende Mehrkosten für die Gemeinde können nun vermieden werden.» Die SBB werden das Wendegleis und abschliessende Arbeiten am Perron 1 in einer späteren Etappe realisieren. Für alle anderen Vorhaben laufen nun die Planungen. Hodel: «Ab sofort, also schon in der laufenden Woche, setzen sich die verschiedenen Fachleute und Ingenieure zusammen.» Ziel sei, dass mit den Bauarbeiten Anfangs 2022 begonnen werden könne. Die Schnittpunkte der Baustelle müssen noch genau eruiert werden. Wo nötig würden noch Anpassungen vorgenommen. Und alle Pläne müssen noch öffentlich aufgelegt werden.

Pläne müssen noch öffentlich aufgelegt werden

Zum neuen Zeithorizont sagt Hodel: «Wenn alles normal läuft, können wir das noch im ersten Quartal des laufenden Jahres tun.» Erfolge der Baustart in einem Jahr, könne mit einer Fertigstellung der Arbeiten in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 gerechnet werden.

Die nächsten Schritte starten noch diese Woche. Ingenieure der SBB und der Gemeinde klären ab, wo bestehen Schnittpunkte liegen. Dort wo Anpassungen nötig sind, werden diese vorgenommen. Die SBB schauen mit dem BAV, ihren Teil zu leisten, sagt Hodel. «Es kann sein, dass wir als Gemeinde vor den SBB beginnen und dann zusammen weitermachen.»

«Es ist gut, wo wir jetzt stehen», zeigt sich Hodel zufrieden, der das Projekt seit Beginn begleitet. Man habe lange genug geplant. Jetzt müsse etwas geschehen. «Es freut mich für Schönenwerd und die umliegenden Gemeinden, dass nun Vorarbeiten stattfinden und dass dieses für den ÖV in der Region wichtige Projekt Formen annimmt.»