«Kommen Sie warm angezogen», sagt Ruth Fluck am Telefon. Im Wärchlädeli in Trimbach wird klar, warum sie das sagte: Der Laden wird nur durch einen kleinen Holzofen geheizt. Er steht hinter dem Tresen und das brennende Holz knistert leise. Die alte Türe zum Laden lässt vermuten, dass die Wärme des Ofens nicht lange im Laden bleibt. An den drei Wänden sind die Regale bis unter die Decke mit Wollknäuel gefüllt. Im grossen Schaufenster ist eine Herbstszene aus Wolle ausgestellt. Daneben hat es Strickwaren, bei der man sieht, was man mit der Wolle kreieren kann. Der Laden lädt zum Verweilen ein.

Die gebürtige Trimbacherin führt den Laden schon so lange, dass sie nicht mehr genau sagen kann, wann sie angefangen hat. Ihre Tochter Sibylle Steiner kann ihr dabei helfen: «Es muss Anfang der 1980er-Jahre gewesen sein. Ich mag mich noch gut daran erinnern, wie ich als kleines Kind auf dem Ladentisch sass.»

Angefangen hatte es mit dem Werkkreis, den Fluck mit Freundinnen gegründet hat. Dort gaben sie Kurse: Sie lehrten das Spinnen, das Weben, das Stricken und noch vieles mehr. «Wir hatten einfach zu viele Sachen produziert», sagt Fluck. So mieten sie den Laden, um die selber produzierte Ware zum Verkauf anzubieten. Über die Jahre haben die Freundinnen aufgehört. Aber Ruth Fluck blieb. Auch sie dachte schon ans Aufhören. «Mir macht es einfach
unglaublich Spass, diesen Laden zu führen», erklärt sie ihre Hartnäckigkeit.Für Fluck ist der Laden mehr als Verkaufsfläche: Sie bekommt Besuch von Freundinnen, mit denen sie strickt, häkelt oder Karten spielt. Dieser Laden ist ihr Hobby. Sie hat nicht den Anspruch, Geld
damit zu verdienen. «Mein Mann hat immer gesagt, dass jedes Hobby etwas kostet», meint die fünffache Mutter mit einem Lächeln im Gesicht.

Wissen und Wolle im Wärchlädeli

Ihre Hauptmotivation ist aber nicht das gesellige Zusammensein. Am Liebsten gibt sie ihr Wissen weiter. Die ehemalige Handarbeitslehrerin findet es wichtig, dass die Fingerfertigkeit gelernt und geübt wird. Gerne zeigt sie ihren Kundinnen Tricks und Kniffs. Von
denen hat sie viele auf Lager. Bevor sie das Lehrerseminar besuchte, hat sie eine Schneiderlehre absolviert. Ihre erste Anstellung als Lehrerin hatte sie in Wisen. «Damals bin ich noch zu Fuss nach Wisen gegangen», sagt sie selber erstaunt darüber, wie sich die Welt verändert hat.

Auch das Geschäft hat sich stark verändert. So ist der Einkauf von Schweizer Wolle heute schwieriger. «Oder bei den Sockenwollen gibt es heute keine ‹Fächtli› mehr», sagt sie. Um den Begriff zu erklären, zeigt sie ein Wollknäuel, das sie von langer Zeit gekauft hat. Aus den beiden Enden zieht sie jeweils eine kleine Garnspule, die in der gleichen Farbe wie die Wolle gehalten ist. Dieses Garn, oder eben Fächtli, braucht man um die Fersen und Zehen zu verstärken. Heute gäbe es die Verstärkung leider nicht mehr und so gingen die Socken schneller kaputt.

Seit sie einen Unfall vergangenen Frühling hatte, hat sie sich wieder überlegt, ob sie den Laden aufgeben soll. Ihre Tochter ermutigte sie jedoch, den Laden weiterzuführen. Sie ist Kindergärtnerin in Olten, am Dienstag ist sie aber mit ihrer Mutter im Wärchlädeli. «Wir befinden uns an einem Wendepunkt», meint sie. Denn die Kundinnen im Alter ihrer Mutter würden immer weniger in den Laden kommen. Doch beide sind überzeugt, dass die Handarbeit auch jüngere Generationen interessiert. Jetzt müssen sie ein Geschäftsmodell finden, das auch Jüngeren in den Laden lockt.

Fluck würde gerne wieder Kurse für kleinere Gruppen geben. Dies findet auch ihre Tochter eine gute Idee, wegen dem Thema der Nachhaltigkeit. So wünscht Steiner sich, dass es wieder ein Trend hin zur Handarbeit, weg von der Wegwerfkultur gibt. «Ich fände es schön, wenn wieder vermehrt Alltagsgegenstände selber gemacht werden.» Um mehr Menschen zu motivieren, fängt sie mit einfachen Sachen an. Steiner hat eine Einkaufstasche und Putzlappen gestrickt. Mit diesen Produkten will sie zeigen, dass man einfach nachhaltige Dinge herstellen kann. «Die Tasche ist einfach zu machen und ein guter Einstieg das Häkeln zu lernen», erklärt sie, ganz die Pädagogin. Für beide steckt Leidenschaft im Lädeli und sie hoffen, dass sie auch anderen mit der Freude am Handwerk anstecken können.