Trimbach

«Meine Highlights waren Pakistan, Indien, Italien und Kenia»: Sie lernen kochend andere Länder kennen

Der Kochkurs «Colorbox» in Trimbach bringt aus aller Welt auf den Teller. Dieses Mal standen Gerichte aus Rumänien auf der Speisekarte.

In der Küche in der reformierten Kirche Trimbach riecht es gut: In zwei grossen Töpfen köcheln eine rumänische Suppe sowie ein Hähncheneintopf. Vorher haben die rund 20 Teilnehmer Gemüse geschnitten und geraffelt. Alle schauen zu, als die Trimbacherin Monalisa Moise zeigt, wie die Gerichte gekocht und gewürzt werden. Die Rumänin wohnt seit rund sechs Jahren in der Schweiz und leitet an diesem Sonntagabend den Kochkurs «Colorbox – kochen mal anders», der gemeinsam von der reformierten Kirche sowie der Netzgruppe Trimbach organisiert wird. Viermal jährlich bringt eine Person ihr Herkunftsland den Teilnehmern kochend näher. Alle Interessierten dürfen mitmachen.

Die Organisatorinnen Cordula Gysin von der Netzgruppe und Sozialdiakonin Sabine Woodtli sind zufrieden mit den letzten drei Jahren. Der Kurs sei jeweils gut besucht. Während es anfangs schwierig war, Leiter zu finden, melden sich mittlerweile Leute bei ihnen, die aus ihrem Land kochen möchten. «Was wenig passiert ist, ist die Durchmischung, die wir uns erhofft haben», sagt Woodtli. Meist kommen Migranten zum Kochen und Schweizer als Teilnehmer. Einzelne Ausnahmen gibt es, auch aus der Schweiz wurden schon zwei Mal Gerichte gekocht. Dennoch haben sie sich jedes Jahr bisher entschieden, das Angebot weiterzuführen. «Ich finde es gut, dass wir Leuten eine Plattform bieten können, ihr Land vorzustellen», findet Gysin. «Das kann Vorurteile abbauen.» Im Voraus wird jeweils nicht angekündigt, welches Land im Zentrum steht. Dies hat zum einen praktische Gründe, falls es kurzfristige Wechsel geben sollte. «Es ist aber auch die Idee, dass man vorbeikommt und schaut, was es gibt», sagt Gysin.

Persönlich ist sie der reformierten Kirche sehr dankbar, dass sie die Räume nutzen dürfen. «Die Infrastruktur ist super für einen Kochkurs.»

Internationale Küche in vielen Variationen

Nach dem Kochen dürfen die Teilnehmer die ausgedruckten Rezepte mit nach Hause nehmen. «Wir haben auch schon Rezepte zu Hause nachgekocht», sagt Sandra Bieri, die regelmässig mit ihrer Familie am Kurs teilnimmt. «Meine Highlights waren Pakistan, Indien, Italien und Kenia.» Aditi Dar hat selbst den Kochkurs zu Indien geleitet und kommt seither regelmässig an die Kochkurse. «Es macht Spass, neues Essen zu probieren», sagt die Oltnerin. Rund zwei Stunden nach Kursbeginn versammeln sich die Teilnehmer für die Suppe um den grossen Tisch. Die Suppe aus Gemüse, Hackfleischbällchen, Ei und Joghurt stösst auf grossen Anklang.

Der Hähncheneintopf mit Polenta ist ebenfalls beliebt. Zum Nachtisch gibt es Kuchen mit Käse, Rosinen und Orangen. «Ich habe das Essen ausgewählt, weil es typisch ist für Nordrumänien, wo ich aufgewachsen bin», erzählt Moise. «Ausserdem ist es einfach zuzubereiten.» Moise hat ihre achtjährige Tochter an den Kochkurs mitgenommen, die eine Tracht aus Nordrumänien trägt.

Zwei Ansichten prallen aufeinander

Neben dem kulinarischen Eindruck sollen die Teilnehmer aber auch neues Wissen über das vorgestellte Land mit nach Hause nehmen. Woodtli bereitet jeweils ein Inputreferat vor, die Leiter erzählen ebenfalls von ihrem Land. An diesem Sonntagabend erzählen Moise sowie Andreas und Priska Käser von Rumänien. Die Familie Käser unterstützt mit ihrem Verein Luminamal Roma, die als Minderheit in Rumänien leben. «Wir haben viele Traditionen, viele verschiedene Kulturen und viele Dialekte», erzählt Moise. Die Korruption sei leider immer noch ein Thema. Beim Thema Roma prallen dann zwei Ansichten aufeinander: Zum einen ist Moise überzeugt, die prekäre Situation vieler Roma mit hohen Arbeitslosenraten liege am mangelnden Willen, zu arbeiten.

Das Ehepaar Käser vertritt die Meinung, dass die Roma arbeiten würden, aber keine Stellen finden. Ganz einig werden die drei nicht, aber sie finden Gemeinsamkeiten in ihren Ansichten. So findet es Moise etwa sinnvoll, dass die Projekte der Familie Käser vor allem auf Kinder und Bildung fokussieren. Die Teilnehmer, die der Diskussion zugehört haben, bekamen so zwei verschiedene Ansichtsweisen mit. Zum Schluss helfen alle beim Aufräumen.

Die Reste des Abends werden verpackt und verteilt, sodass am folgenden Tag noch in der einen oder anderen Küche rumänisches Essen aufgetischt wird.

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