Sie sind zentrale Personen in jedem Dorf. Bei ihnen laufen die Fäden zusammen, sie gestalten eine Gemeinde wie kaum jemand anderes. Die Rede ist von Verwaltungsleitern, von Bau- oder Finanzverwaltern, von Schul- oder Werkhofleitern. Gleich in mehreren Gemeinden im Niederamt sind derzeit solche Stellen ausgeschrieben. Dulliken sucht einen Bauverwalter. In Trimbach ist ein Finanzverwalter gefragt. Ebenso in Gretzenbach. Zufall? Oder besteht ein grundsätzliches Problem?

Gretzenbach hat Mühe

Es gibt ein Problem. Findet man zumindest in Gretzenbach: «Für Gemeinden wird es immer schwieriger, die richtigen Leute zu finden», sagt Gemeindepräsident Daniel Cartier. Er ist auf der Suche nach einem neuen Finanzverwalter. Hans Vögeli, der das Amt seit Jahrzehnten ausübt, geht dieses Jahr in Pension. Die Nachfolgeregelung scheint sich nicht ganz einfach zu gestalten. Seit über einem halben Jahr sei man nun schon auf der Suche, erklärt Cartier. Zuerst intern, mittlerweile auch öffentlich. Bisher erfolglos. «Wir hatten zwar viele Bewerbungen, konnten aber noch niemand Passendes finden.»

Woran scheitert es? «Wer einen Führungsjob bei einer Gemeinde übernimmt, geht in eine Sackgasse», so Cartier. Möglichkeiten, beruflich weiter aufzusteigen, gebe es keine. Im Gegenteil zu Jobs in der Privatwirtschaft. Und auch mit den Löhnen dort könne man nicht mithalten. «Was wir bieten können», listet Cartier auf der Pro-Seite auf, «ist ein gesicherter Arbeitsplatz.» Doch dies sei bei den «Jungen heutzutage» offenbar nicht mehr so wichtig, meint er. Und auch die Zeiten, als eine Führungsposition in einer Gemeinde noch eine «ehrenvolle Aufgabe» gewesen sei, seien vorbei.

Trimbach verbucht Teilerfolg

Von Gretzenbach nach Trimbach. Die Gemeinde hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Schulleiter, Gemeindeschreiber, Finanzverwalter, Bauverwalter. All diese Posten mussten zuletzt neu besetzt werden. In drei Fällen ist dies gelungen. Gesucht wird nun noch ein neuer Finanzverwalter. Einer der Neuen ist Philipp Felber. Er ist Trimbachs neuer Gemeindeschreiber. Zu den Kaderposten auf den Gemeinden äussert er sich positiver als etwa Cartier: «Mich reizt die Vielseitigkeit der Aufgabe», sagt er. Ein grundsätzliches Problem sieht er nicht. Felber findet aber auch: «Sehr viele solche Fachkräften gibt es in der Nordwestschweiz nicht.»

Winznau lagert aus

Dass Trimbach trotzdem mehrere Posten wieder neu besetzen konnte, dürfte über die Dorfgrenze hinaus für Freude sorgen. Denn seit Anfang April betreut der Trimbacher Bauverwalter auch Winznau. Diese Aufgaben hatten dort zuvor Behördenmitglieder wahrgenommen. Doch das wurde je länger wie schwieriger, wie Gemeindepräsident Daniel Gubler erklärt: «Die Aufgaben sind immer anspruchsvoller geworden.» Und gleichzeitig sei die Erwartungshaltung in der Bevölkerung gestiegen. Der Trimbacher Bauverwalter prüft nun die Baugesuche aus Winznau. Der definitive Entscheid wird aber nach wie vor in der Gemeinde von der zuständigen Kommission gefällt.

Auch in der Finanzverwaltung kam es in Winznau zu einem Wechsel. Die Stelle des Finanzverwalters musste nämlich neu besetzt werden. Mit Dagobert Gübelin ist man fündig geworden. «Ein sehr guter Mann», wie Gubler betont. Gübelin ist allerdings kein Verwaltungsfachmann, sondern stammt auf der Privatwirtschaft. «Doch wenn wir nur Personen mit Erfahrung in der Verwaltung in Betracht gezogen hätten, wäre es sehr viel schwieriger geworden», meint Gubler. Ein Nachteil sei dieser Umstand bisher aber ganz und gar nicht.

Von Winznau schliesslich noch nach Dulliken. Vergangenes Jahr hat man dort einen neuen Bauverwalter gesucht und ihn in der Person von Dominik Roth gefunden. Doch nun muss sich Dulliken schon wieder auf die Suche begeben, wie ein Blick auf die Gemeinde-Website zeigt. Denn Roth hat seine Stelle noch in der Probezeit wieder gekündigt. Aus persönlichen Gründen, wie er sagt. Er ging zurück zu seinem alten Arbeitgeber, dem Bauunternehmen Implenia.

Bauverwalter: ein neues Phänomen

Während sich manche Gemeinden damit abmühen, einen Bauverwalter zu finden, gibt es diesen Posten in anderen Dörfern gar nicht. So etwa in Gretzenbach oder auch in Niedergösgen. In beiden Gemeinden übernehmen Behördenmitglieder diese Aufgaben. Diesen Job gebe es in den kleineren Gemeinden auch noch gar nicht so lange, weiss der Gretzenbacher Präsident Daniel Cartier. Erst seit die Gemeinden immer schneller wachsen und die Anforderungen komplexer werden, sind diese Stellen notwendig geworden. In Gretzenbach sei man aber noch nicht an diesem Punkt angelangt, so Cartier. Ähnlich tönt es aus Niedergösgen: «Geplant ist diese Stelle im Moment nicht. Ob es sie geben wird, hängt vor allem davon ab, wie sich die Gemeinde weiterentwickeln wird», erklärt Gemeindepräsident Roberto Aletti.

Kanton sieht kein Problem

Und was meint der Kanton zu all den offenen Stellen? André Grolimund, Leiter des Amts für Gemeinden: «Wir stellen keine grossen Probleme fest. Die Gemeinden sind finanziell gut aufgestellt und als Arbeitgeber attraktiv.» Es komme natürlich vor, so Grolimund weiter, dass gerade kleinere Gemeinden bei Verwaltungsaufgaben zusammenspannen oder gewisse Posten gleich auslagern. Ein grundsätzliches Problem gebe es aber nicht. Entsprechend sieht Grolimund auch keinen Handlungsbedarf. Die Prioritäten liegen anderswo: «Der Kanton engagiert sich stark im Bereich Aus- und Weiterbildung der Gemeindebehörden.»