Umsetzung Schwierig
Fasnacht Lostorf abgesagt: Zertifikatspflicht vermiest die Fasnachtslaune

Das Fasnachtskomitee Lostorf fällt als erstes der Region einen Entschluss – Die Umsetzung wäre kompliziert und die Unsicherheit zu gross. Es gibt aber auch andere Töne.

Noël Binetti Jetzt kommentieren
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Solche Figuren wie hier an der Lostorfer Fasnacht 2018 spazieren in der kommenden Saison nicht durch die Strassen.

Solche Figuren wie hier an der Lostorfer Fasnacht 2018 spazieren in der kommenden Saison nicht durch die Strassen.

Markus Müller

«ABGESAGT» prangt in blauer Schrift auf dem neusten Websitebeitrag des Lostorfer Fasnachtsvereins. «Aufgrund der ausserordentlichen Corona-Situation ist es uns nicht möglich, die Fasnacht Lostorf durchzuführen. Wir müssen schweren Herzens die Absage von allen Anlässen bekannt geben». Zwar ist dieser Beitrag vom letzten Jahr und für die vergangene Saison verfasst, doch die Hiobsbotschaft – welche sie für Fasnacht-Begeisterte darstellt – bleibt heuer dieselbe.

Vertröstete der Verein damals auf 2022, fällt diese Aussicht nun ins Wasser. Lediglich die Jahreszahlen müssen im Beitrag angepasst werden. Auch keine «Lightversion» wird es geben; das ganze Programm wurde gestrichen, der Entschluss ist gefasst.

Ohne Sicherheit ist Planung unmöglich

Das Lostorfer OK, bestehend aus 12 Personen, wird von Martin Lehmann präsidiert. Am Telefon erklärt er auf Anfrage die Beweggründe des Komitees: «Für eine Durchführung in unserer Grösse wäre es aus baulicher, personeller und finanzieller Perspektive ganz schwierig geworden.» Was meint Lehmann mit der Grösse? «Wir sind nicht ganz klein – aber eben auch nicht ganz gross», antwortet er darauf.

Martin Lehmann, Präsident des Lostorfer Fasnachtskomitees.

Martin Lehmann, Präsident des Lostorfer Fasnachtskomitees.

zvg

Die paar letzten Fasnächte, die in Lostorf zelebriert wurden, seien sehr gut gewesen. «An diesen Erfolg möchten wir auf jeden Fall anknüpfen. Doch bei der aktuellen Ausgangslage, die von einer grossen Planungsunsicherheit geprägt ist, wäre das schlicht nicht möglich.» Wenn man etwas Richtiges auf die Beine stellen wolle, sei spätestens jetzt der Zeitpunkt, sich zu entscheiden, ist Lehmann überzeugt. Und: «Es sieht nicht danach aus, als ob sich die Perspektive bald verbessern würde.»

Eine der grössten Hürde wäre gewesen, bei einem solchen Anlass alle zu kontrollieren.

«Da den Überblick zu behalten, ist schwierig. Wir können schliesslich nicht das halbe Dorf absperren.»

Und Lehmann ergänzt: «Es wäre auch unklar, wie viele Menschen überhaupt kommen.»

Hat das OK auch mit einer kleineren Ausgabe geliebäugelt? «Nein», sagt der Präsident, «die verschiedenen Anlässe der ganzen Fasnacht greifen zu stark ineinander, als dass man einzelne davon hätte auslassen können.» So werde am 11.11. der Obernarr verkündet, dort habe dieser seinen ersten Auftritt. Es bedeutet den Aufhänger für die kommenden Tage. Am Hilari Anfang Januar hätte der Obernarr seinen ersten öffentlichen Auftritt, anlässlich der Zepterübergabe. Schliesslich folgt die Fasnacht mit Schmudo, Umzug und Zelt.

«Wenn eines dieser Dinge rausfliegt, ist der Ablauf unterbrochen.»

Eine halbe Fasnacht sei für einen Obernarren eben nur eine halbe und ziemlich unbefriedigende fünfte Jahreszeit.

Klarer Entschluss statt vager Hoffnung

Hilari am Samstag, 5. Januar, in Lostorf. Proklamation der Fasnacht

Hilari am Samstag, 5. Januar, in Lostorf. Proklamation der Fasnacht

Remo Fröhlicher, 2018

Gefragt, ob mit anderen Gemeinden im Niederamt ein Austausch stattgefunden habe, sagt Lehmann: «Nein, aber die Tendenz ist für alle schwierig, wie ich von mehreren Seiten höre.»

Zusammen mit Obergösgen habe man jeweils die Beizenfasnacht organisiert; «doch wie sie sich nun entscheiden, weiss ich nicht». Lehmann erklärt: «Wir haben uns schwergetan mit dem Entschluss, dafür haben wir jetzt klare Verhältnisse.» Es bringe nichts, bis zuletzt sich an einem Fünkchen Hoffnung festzuhalten. «In nur zwei Wochen etwas Solides zu organisieren, geht nicht. Damit müsste nun begonnen werden.»

Auch für die Sponsoren sei es nicht einfach. «Wir sind froh, dass wir auf sie zählen dürfen.» Gewisse Vorbereitungen rund um ein Motto, musikalischer Unterhaltung oder Zeltbauten hätten zwar bereits stattgefunden. «Nun geht es für uns darum, den Schaden möglichst gering zu halten.»

Lehmann versteht das Zögern anderer Organisierenden. Doch mit einer solchen Unsicherheit werde es auch für die einzelnen Gruppen schwierig. «Wir können ja nirgends hin», würden die sich ab einem gewissen Zeitpunkt sagen. «Das ist schade.» Dennoch bleibt es dabei: «Von unserer Seite wird es nichts geben», bekräftigt Lehmann, gefragt, ob Lostorf mit unangekündigtem Narrentreiben oder einer Überraschung rechnen muss.

Von einem «neuen Konzept» spricht hingegen Stephanie Bernet, Präsidentin der Speuzer Fasnacht in Erlinsbach. Sie sagt auf Anfrage: «Wir werden am 11.11. informieren, wie unser Plan ist.»

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