«Eine perfekte Kuh»

Liana-P ist die Beste: Mutterkuh des Jahres kommt aus dem Kanton Solothurn

Werner Berger mit der Mutterkuh des Jahres 2015, Liana-P. Das «P» steht für genetisch hornlose Tiere.

Werner Berger mit der Mutterkuh des Jahres 2015, Liana-P. Das «P» steht für genetisch hornlose Tiere.

Der Gunzger Landwirt Werner Berger ist mächtig stolz auf seinen Zuchterfolg. Seine Liana-P ist zur Mutterkuh des Jahres 2015 gewählt worden.

Wer mit Werner Berger aus Gunzgen über seinen jüngsten Zuchterfolg redet, erfährt, dass Landwirte nicht zwingend wortkarg sein müssen. Der 60-Jährige jedenfalls gerät in Fahrt, wenn er über Liana-P redet. «Eine perfekte Kuh, ohne Wenn und Aber» hatte der «Schweizer Bauer», die Fachzeitung für die einheimische Landwirtschaft, im Februar schon getitelt. Liana-P nämlich ist die Mutterkuh des Jahres 2015 aus dem Stall Berger, ausgewählt von den Leserinnen und Lesern des «Schweizer Bauer».

Berger verweist auf die lineare Beschreibung und Einstufung (LBE) der noch nicht mal 5-jährigen Mutterkuh. 97/97/93: so die Punktezahl für Format (das Äussere), Bemuskelung (Fleischigkeit) und Fundament (Beine), um es in Fachjargon auszudrücken. «Das sind Höchstwerte», sagt Berger. «Besser geht fast nicht.» Und natürlich sei er stolz auf die LBE, aber ob er einen solchen Titel ein zweites Mal einheimsen könne, sei doch sehr fraglich. Obwohl: «Das Tier ist noch sehr jung, im Vergleich zu jenen, die mit Liana-P in der Ausscheidung standen», schiebt er nach. Die Mutterkuh des Jahres 2015 hätte also durchaus das Zeug, den Titel, der alle zwei Jahre vergeben wird, noch einmal zu erreichen.

Zuchtziele klar formuliert

Hornlose, fleischbetonte und langlebige Kühe mit gutem Euter: Das ist, wonach Züchter Werner Berger bei seinen Simmentalern trachtet. Hornlosigkeit verhindert in der Herde die Verletzungsgefahr, wie der Hobbyzüchter sagt. Und das gute Euter, die eigentliche Ernährungsstation von Jungtieren, soll nicht so erschlaffen, dass die Kälber «am Boden liegend ab dem Euter saufen müssen, um es überspitzt zu formulieren», wie er meint. Auch die Zitze dürfe nicht zu dick sein, sonst könnten die Jungtiere diesen ja gar nicht ins Maul nehmen. Und bezüglich Langlebigkeit findet er, Liana-P könne durchaus bis zu ihrem 12. Lebensjahr eine gute Mutterkuh sein.

Züchter Berger hat das im Griff. «Im Gegensatz zu Milchkühen steht bei einer Mutterkuh nicht die Milchleistung im Zentrum. «Sie muss ja bloss ihr Kalb aufziehen können damit», erklärt er aus der Schatztruhe an Züchterweisheiten. Weibliche Jungtiere der Mutter Liana-P behält der Gunzger mit Aargauer Wurzeln für seine weitere Zuchtarbeit im eigenen Stall, männliche Nachkommen gehen als künftige Zuchtstiere an andere Züchter in der ganzen Schweiz.

Mit Wiedererkennungswert

Ob er seine Liana-P unter 100 andern Simmentaler Kühen wiedererkennen würde? Berger staunt über die Frage. «Ja klar, unter 1000 würde ich sie wiedererkennen», meint er. Das sei doch ganz normal. «Wissen Sie, das ist nicht viel anders als beim Menschen.» Er lacht.

Wer hinter dem grandiosen Zuchterfolg irgendwelche chemischen Tricks vermutet, liegt bei Berger falsch. Er füttert fast ausschliesslich Grassilage und Ökoheu aus eigenem Hause. Denn zu seinem gut 20 Hektaren umfassenden Betrieb gehören auch 8 Hektaren Ökofläche. Von dort stammt das Ökoheu.

Im Sommer aber ist die Herde Bergers, ein gutes Dutzend Kühe mit deren Jungtieren, rund um die Uhr auf der Weide. Das ändert nichts daran, dass die Rinder bereits zweijährig erstmals kalben, und trotz der Frühreife bei ihrer ersten LBE bereits zwischen 700 und 800 Kilogramm wiegen. Kälber legen pro Tag gut 1500 Gramm zu.

Der gute Name

Mit Zuchterfolgen steigt das Renommee. Und dieses schlägt sich auch in der Namensgebung nieder. Seit einem Jahr bekommen alle Jungtiere auf dem Scheimatthof den Namen «Berger» vorangestellt. Der jüngste Muni auf dem Betrieb nennt sich heute «Bergers Leon». Tönt gut.

Aber bei allem Zuchterfolg. Werner Berger vermutet, dass Liana-P der Titel nicht bloss wegen der LBE zugesprochen erhielt. Ein weiterer Grund für das erfolgreiche Abschneiden liegt auch in der Fotografie, welche das Tier mit Kalb harmonisch auf der Wiese stehend zeigt und im «Schweizer Bauer» publiziert wurde. Das Bild stammt von Bergers Ehefrau Sandra. Am Erfolg also ist die ganze Familie beteiligt.

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