Wisen

Kurs unter freiem Himmel – «Alphornspielen ist etwas fürs Gemüt»

Während die Sonne untergeht, spielen die acht Kursteilnehmer auf der Hupp in Wisen ihre frisch gelernten Musikstücke. Der Alphornkurs findet jeweils an vier Abenden statt.

Auf der sonnenbeschienen Hupp am Waldrand oberhalb von Wisen ertönen Alphornklänge. Rundherum sind Grillen, Vögel und Kuhglocken zu hören. In dieser Idylle, die die Grenze zum Kitsch schon fast überschreitet, feilen sieben Alphornspieler an ihrer Technik. Der Alphornkurs wird von Udo Schäfer, Schreinermeister in der Werkstatt des WG Treffpunkts in Trimbach, sowie Alphornspieler und Lehrer Martin Roos durchgeführt. An vier Abenden über drei Monate verteilt üben die Teilnehmenden mehrstimmige Stücke.

Zu Beginn des Kurses gilt es, das Mundstück warm zu blasen. Ein Teilnehmer kommt zu spät wegen einer Polizeikontrolle auf dem Hauenstein. Dann stimmt Roos das Lied «Bruder Jakob» an, das die Teilnehmer im Kanon spielen. Anschliessend tragen sie die Stücke vor, die sie bereits an den vorhergehenden drei Kursabenden geübt hatten. «Diese Gruppe äusserte am Anfang den Wunsch, wenige Stücke zu spielen und dafür mehr in die Tiefe zu gehen», erzählt Roos. Er bringe zu Beginn jeweils Vorschläge mit und wähle zusammen mit der Gruppe aus. «Jetzt freuen sie sich, weil sie es können und es gut klingt.»

«Draussen spielen ist deutlich besser»

Die Kurse bieten Schäfer und Roos seit 2017 an. Die beiden kennen sich von der gemeinsamen Arbeit am «JurAlphorn» – dem Alphorn, das in der Schreinerei der Werkstatt des WG Treffpunkts gebaut wird. Bei der Zusammenarbeit kam die Idee auf, Kurse anzubieten.

Bei schönem Wetter spielen sie etwas oberhalb der Hupp Lodge in Wisen unter freiem Himmel. «Draussen spielen ist deutlich besser», sagt Schäfer, der selbst am Kurs teilnimmt. «Mit neun Alphörnern in einem geschlossenen Raum wird es schnell laut.»

Jeder soll profitieren können

Die meisten Kursteilnehmer sind irgendwo zwischen Basel und Aarau zu Hause, manche reisen aus dem Kanton Zürich an. Das Zusammenspiel sei nicht darauf ausgelegt, am Schluss fehlerfreie Stücke an einem öffentlichen Konzert zu vorzutragen. Vielmehr gehe es darum, persönlich zu profitieren. «Wir geben uns auch gegenseitig Feedback und Tipps», erklärt Schäfer.

Dies ist ein Faktor, den Teilnehmer Markus Allemann aus Welschenrohr schätzt. «Früher spielte ich Cornett in einer Brassband, bis es mir zu streng wurde», sagt er. «Hier ist es lockerer und die Gruppe ist kleiner.» Allzu gemütlich wird es aber auch während des Kurses nicht: «Keine Privatgespräche», ermahnt Roos die Teilnehmer zwischendurch. Die Stimmung ist überwiegend konzentriert.

Viele der Teilnehmer besuchten schon zuvor einen Kurs in Wisen. So zum Beispiel Adelheid Tuncer aus Sissach BL, die bereits zum zweiten Mal dabei ist. «Ich bin vor rund zehn Jahren durch meinen Vater zum Alphorn gekommen», erzählt Tuncer.

Ihm gehört das erste «JurAlphorn»

Von Anfang an bei den Kursen dabei ist Daniel Rutschmann, Vorstandspräsident des WG Treffpunkts. Er kaufte das erste Alphorn, das in der Werkstatt gebaut wurde. «Ich getraue mich noch nicht so richtig, draussen zu üben», sagt er lachend. Wenn er es trotzdem tue, gäbe es immer Reaktionen: «Die Leute kommen und stellen Fragen, etwa wie lang und wie schwer das Alphorn ist», erklärt er. «Mich hat mal jemand gefragt, wie viel Bier in ein Alphorn passen würde», fügt Schäfer an.

Nach einer harzigen Anfangszeit sind die Kurse mittlerweile gut besucht. Der Kurs am Donnerstagabend verlangt bereits ein gewisses Niveau, um mitzuspielen. Ein Schnupperkurs für Anfänger im Februar musste wegen zu wenigen Teilnehmern abgesagt werden. «Ich denke, es ist nicht überall angekommen», sagt Schäfer. «Ich habe aber seither von mehreren Personen gehört, dass sie gerne einen Kurs besuchen würden.» Ein nächster Schnupperkurs dürfte also wieder geplant werden. Allerdings erst nach der Sommerpause.

Im zweiten Kursteil spielen die Teilnehmer moderne Stücke. Unterdessen geht die Sonne unter und färbt den Himmel rötlich. Die Stimmung passt zu den ruhigen, tragenden Klängen der Alphörner. Daniel Rutschmann sagt: «Alphornspielen ist etwas fürs Gemüt.»

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