Trimbach

Japanisch für Anfänger – hier spielt Tradition eine grosse Rolle

Predrag Petrovic lehrt den Jugendlichen in Trimbach Karate – das Training geht aber über das Sportliche hinaus.

Itsch! Ni! San! Schi! Go! Roku! Schitsch! Hatsch! Kju! Dju! Predrag Petrovics Karatekas können problemlos japanisch auf zehn zählen. Alleine in der ersten Viertelstunde an diesem Dienstagabend tun sie es andauernd. Jede Bewegung einer Aufwärmübung wird zehnmal wiederholt. Und dabei wird gezählt, immer auf japanisch, denn in Japan wurde Karate zu dem, was es heute ist.

Beim Karatetraining in der Trimbacher Mühlemattturnhalle spielt die Tradition eine wichtige Rolle: Am Anfang reihen sich die Schülerinnen geordnet nach Gürtelfarben respektive Grösse und Alter ein. Der Meister stellt sich einige Meter entfernt ihnen gegenüber und leitet die Begrüssungszeremonie. Dazu knien alle hin, selbstverständlich nicht einfach so, sondern geordnet und der Reihe nach und in einer bestimmten Position.

Die Hände auf die Oberschenkel gelegt, werden die Augen geschlossen. In dieser Phase der Meditation sollen der Kopf geleert und der Alltag vergessen werden. Von jetzt an gibt es nur Karate. Bei Übungen, die zu zweit ausgeführt werden, verneigen sich die Schülerinnen davor und danach. Immer wieder ist auch «Oss» zu hören, ein Wort mit vielen Bedeutungen: So heisst es «Hallo», «Ja» oder «Danke». Bittet der Meister eine Schülerin aus der Reihe zu sich, darf sie nicht einfach vortreten, sondern muss hinter der Reihe auf eine Seite gehen und dann erst nach vorne schreiten. All das passiert aus Tradition und Respekt.

Geist und Körper im Einklang

Petrovic zeigt die Übungen vor, und gemeinsam werden sie ausgeführt. Oft ist das gezielte Ausatmen zu hören und als Abschluss der Kiai, der Kampfschrei, durch den die Schlag- oder Trittbewegung das Maximum an Wucht erhalten. Noch öfter tönt es so: «Itsch! Ni! Itsch! Ni!» Eins! Zwei! Eins! Zwei!

Das passiert nicht aus Lust am Kommandieren, sondern aus Sicherheitsgründen, damit die Schülerinnen abwechseln und sich nicht in die Quere kommen.
Die Bewegungen und Schläge geschmeidig und präzise auszuführen, ist das Ziel. Die Herausforderung ist gross, denn Arme und Beine bewegen sich gleichzeitig und scheinbar unabhängig voneinander. Wer das kann, darf das Wort Sport durch Kunst ersetzen: Nichts anderes kann es sein, wenn der Geist und der Körper, das Hirn und die Motorik derart im Einklang funktionieren.

Dem Meister sind kleine Entwicklungsschritte ganz recht. Qualität komme vor Quantität. Petrovics Augenmerk gilt dem kontinuierlichen Fortschritt in der Grundschule, damit seine Schülerinnen bald an Wettkämpfen teilnehmen können. Dazu müssen sie die technischen Elemente kennenlernen und verinnerlichen, um sie später in Kombinationen zusammenfügen zu können. Erst widmen sie sich also der Kata, dem Duell mit einer imaginären Gegnerin. Dann dem Kumite, dem Kampf gegen eine richtige Kontrahentin. Der Knockout ist nicht das Ziel, sondern Hand- oder Fusstreffer, für die es Punkte gibt. Etwas Körperkontakt ist erlaubt, aber es soll niemand auf die Matte geworfen werden.

Drei Trainings pro Woche in verschiedenen Hallen

Predrag Petrovic bittet dreimal wöchentlich zum Training. Montags in die Leinfeldturnhalle, dienstags in die Mühlemattturnhalle und mittwochs in den Gymnastikraum des Kindergartens an der Brückenstrasse. Er hat den Karate-Do Sportverein Trimbach vor zwei Jahren gegründet. Aktuell lassen sich neun Kinder und Jugendliche in der Kampfkunst ausbilden. Gerne würde
Petrovic aber mehr Leute trainieren.

Deswegen will er in den kommenden Monaten Werbung machen. Die Leute in der Gegend müssen erst wissen, dass es seinen Verein überhaupt gibt. Das Alter spiele keine Rolle, angesprochen sind Kinder und Erwachsene gleichermassen. Auch Personen jenseits der 50 oder 60 könnten Karate lernen, meint der Trainer. Er verspricht eine Steigerung in Koordination, Konzentration, Körperbeherrschung, Ausdauer und Beweglichkeit. Und nicht zuletzt die Fähigkeit, sich in brenzligen Situationen verteidigen zu können.

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