Obergösgen

Ist die Gemeinde bereit für 300 Zuzüger?

Die Bauarbeiten an der Steinengasse sind fast abgeschlossen und einige Wohnungen wurden schon bezogen. Nächster April wird die Überbauung offiziell eröffnet.

Die Bauarbeiten an der Steinengasse sind fast abgeschlossen und einige Wohnungen wurden schon bezogen. Nächster April wird die Überbauung offiziell eröffnet.

In Obergösgen entstand ein neues Quartier. Wir haben beim Gemeindepräsidenten nachgefragt, was das für die Gemeinde bedeutet.

Seit August 2018 wurde an der Steinengasse gebaut. Entstanden ist eine «generationendurchmischte Überbauung», wie es auf der Website der Oase Holding AG heisst. Heute sind die Baukräne abgebaut und in einige Häuser sind die ersten Mieter eingezogen.

In der Überbauung sollen Senioren, Familien und jüngere Mieter ein Zuhause finden. Die Gemeinde Obergösgen erwartet bis zu 300 neue Einwohner. «Ja wir sind bereit», erklärt Gemeindepräsident Peter Frei. Es sei allerdings schwierig, abzuschätzen, wer in die Überbauung einziehen wird. «Sie können vier Experte fragen, da haben sie dann vier verschiedene Antworten», so Frei. Doch wie kann eine Gemeinde planen, wenn sie nicht weiss, wer dazu ziehen wird? «Wir haben schon Erfahrung mit der Weiermatt- und Untere-Hardmatt-Überbauung», so Frei. Dort seien schlussendlich weniger Familien mit kleinen Kindern eingezogen, als erwartet wurde.

Kein zusätzlicher Schulraum wegen Neuzuzügler

Es sei immer schwierig, vorauszusehen, wie die Schule ausgelastet sein wird. Doch der Gemeindepräsident sieht aktuell keinen Handlungsbedarf bei der Schulraumplanung: «Es gibt immer gewisse Schwankungen in der Klassengrösse, darauf sind wir vorbereitet.» Im Budget 2020 ist eine Schulraumanalyse vorgesehen, die aber nicht wegen der Steinengasse gemacht wird.

Ausserdem würde der Verwaltungsaufwand, der durch die Zuzügler entstehen würde, die Gemeindeverwaltung nicht massiv belasten.

Frei ist sehr zufrieden, dass mit der Überbauung Oase Senioren- und Pflegewohnungen entstehen: «Heute finden die Obergösger keine Alterswohnungen in ihrem Dorf.» So seien viele entweder nach Schönenwerd, Niedergösgen, Dulliken oder Olten, wo die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, umgezogen.

Die Gemeinde sei zwar um jeden Zuzügler froh, aber das Leitbild sieht eine Obergrenze vor: «Wir haben in unserem Leitbild seit vielen Jahren vorgesehen, dass Obergösgen nicht grösser als 2500 Einwohner werden soll.» Heute zählt die Gemeinde etwas mehr als 2200 Köpfe. Wenn also alle neuen Bewohner von ausserhalb kommen würden, wäre die Obergrenze erreicht. Frei vermutet aber, dass es auch Verschiebungen innerhalb des Dorfes geben wird. Einige ältere Bewohner würden ihre Einfamilienhäuser verkaufen und in eine der Wohnungen ziehen.

Ein Glücksfall für die Gemeinde

«Dieses Bauprojekt entspricht der modernen verdichteten Wohnart», sagt Frei. Durchmischung ist das Schlüsselwort. So sollen Senioren, junge Familien, Alleinstehende und sogar Wohngemeinschaften an der Steinengasse ein neues Zuhause finden. «Durch diese Überbauung wird neuer Wohnraum geschaffen und es entstehen ungefähr 25 neue Arbeitsplätze in unserem Dorf», sagt Frei. Das sei für den Standort Obergösgen von grossem Vorteil.

Für die Gemeinde sei dieses Projekt ein Glücksfall, meint der Gemeindepräsident. Er weiss aber, dass nicht alle seine Begeisterung teilen: «Die Bewohner, die in der Nähe der Überbauung wohnen, sind durch die Bauarbeiten lärmbelastet.» Ausserdem seien im Vorfeld einige Einsprachen der umliegenden Häuser bis zum Verwaltungsgericht gezogen worden. Andere seien dem Projekt skeptisch gegenübergestanden, da die Häuser als zu gross empfunden wurden. Der Gemeinderat begleitet das Projekt seit Jahren. Frei findet nicht, dass drei Stockwerke zu hoch sind. Er sei jedoch froh, dass die Bauarbeiten bald vorbei sind: «Bei so grossen Überbauungen entstehen immer Unbequemlichkeiten wie dreckige Strassen und Lärm.»

Der Gemeindepräsident und Investoren erwarten, dass es bis 2021 dauern wird, bis alle Wohnungen besetzt sind.

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