Naturschutz

«Irgendwann braucht es einen Sheriff»: Schönenwerder hat ein Buch über die Natur entlang der Aare veröffentlicht

Werner Geissmann pflegt seinen Naturgarten und engagiert sich für den Naturschutz.

Werner Geissmann pflegt seinen Naturgarten und engagiert sich für den Naturschutz.

Werner Geissmann aus Schönenwerd gibt in seinem neuen Buch einen Einblick in das Leben von Tieren und Pflanzen entlang der Aare.

Herr Geissmann, wie sind Sie thematisch vorgegangen?

Werner Geissmann: Ich habe ein Jahr lang die Natur im Niederamt beobachtet, fotografierte die Tiere und Pflanzen entlang der Aare, die mir auf vielen Spaziergängen begegnet sind, und schrieb meine Beo­bachtungen auf. Wir leben in einer grossartigen Natur!

Haben die Ausgleichsmassnahmen, die im Zuge grosser Bauten wie dem Eppenbergtunnel erstellt wurden, auch einen realen Nutzen?

Ja, diese Massnahmen bringen der Natur etwas. Als Vizeprä­sident des Finanzausschusses der Gemeinde weiss ich, für was alles Geld ausgegeben wird. Deshalb habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn bei Grossprojekten auch Steuergelder für den Naturschutz ausgegeben werden müssen. Ohne diese Grossbauten, welche die Ausgleichsmassnahmen auslösen, würde beim Naturschutz gar nichts gehen.

Das scheint merkwürdig ...

Eine gewisse Ironie besteht: Erst wenn man in der Natur etwas zerstört, kann man etwas für sie machen. Vorher ist es sehr schwierig. «Wir machen Naturschutz» ist schnell gesagt, es braucht aber Mitstreiter. Auch in meiner Partei, der SVP, gibt es Mitglieder, die finden, das Geld für den Naturschutz sei zum Fenster hinausgeworfen. Aber wenn das Kraftwerk baut, dann geht es, weil die Ausgaben für den Naturschutz vorgeschrieben sind.

Wie geht es unserer Natur?

Der Mensch rückt immer mehr vor. Wir beanspruchen immer mehr Fläche. Die Natur wird immer bedrängter. Man sieht es ja hier im «Grien»: Die Badeinsel wurde gestürmt, zum Grillieren und Baden. Dabei sollte das ein Rückzugsgebiet der Natur sein. Es braucht ein Miteinander. Eine Aufklärung und ein guter Wille sind nötig. Gewisse Leute begreifen das aber nicht. Ich sage daher: Irgendwann braucht es einen Sheriff. Wie am Hallwilersee und an der Reuss, wo Ranger patrouillieren. Die Natur darf nicht ein Freizeitpark werden, um mit Elektrotöfflis darin herumzufahren! Dann wäre das Geld für die Ausgleichsmassnamen wirklich zum Fenster hinausgeworfen!

Wie denken Sie über die Zukunft?

Seit ich lebe, hat sich die Bevölkerung verdoppelt. Und jeder braucht ein Auto, und das Auto braucht eine Garage und eine Tankstelle. Das erzeugt einen ungeheuren Druck. Und dann entfernen sich die Leute von der Natur. Das fängt bei den Gärten an. Schöne Bewuchse werden in Steingärten verwandelt. Wo soll denn der Schmetterling hin? Dann fahren Robotermäher herum. Der Heugümper wird dabei verhäckselt. Dann hat auch der Vogel nichts mehr zu fressen und so weiter.

Gibt es auch Hoffnungsschimmer?

Der Silberreiher und der Biber sind wieder da. Beide sind fast ausgerottet gewesen. Das ist erfreulich. Dass es andere Konflikte gibt, liegt auf der Hand. Da wird gejammert: «Der Biber tut Bäume um!» Aber schauen Sie sich im Wald um, was da alles gefällt wird. Die paar Bäume, die der Biber umtut, fallen dabei nicht ins Gewicht.

Was soll das Buch beim Leser auslösen?

Das Buch ist eine Anregung zum selbst schauen. Man kann erkennen, dass es etwas gibt, was Schutz braucht. Man soll der Natur und den Tieren Platz geben. Eine Warnung ist es nicht, auch glaube ich nicht an das Aufrütteln einer Masse. Eine politische Botschaft habe ich nicht. Der Naturschutz hat nichts mit einer Partei zu tun. Ich kenne links und rechts Leute, die sich hier engagieren. Vielleicht wird der eine oder andere sensibel, andere werden in ihren Ansichten bestätigt. Wenn ein paar Leute diese Ideen aufnehmen, ist das schön. Aber wer immer mit dem Handy vor der Nase in der Landschaft herumläuft, sieht keine Natur.

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