Integration
«Menschen sollen miteinander in eine Beziehung treten» – so wird in Dulliken Deutsch gelernt

Im kürzlich gegründeten Sprachtraining in Dulliken wird von Ehrenamtlichen Deutsch für Fremdsprachige vermittelt.

Lorenz Degen
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Eine Sprachtraniningsgruppe in der Gemeindebibliothek Dulliken (Aufnahme noch vor der Maskenpflicht).

Eine Sprachtraniningsgruppe in der Gemeindebibliothek Dulliken (Aufnahme noch vor der Maskenpflicht).

zvg/Sascha Thiel

Im März 2020 hätte das Sprachtraining Dulliken starten wollen. «Doch dann kam der Lockdown und wir mussten bis zum Sommer warten», erklärt Sascha Thiel. Der reformierte Pfarrer gehört zum Kernteam, zusammen mit Dullikens Integrationsbeauftragter Esther Bischof und Mirjam Strassburger, der Leiterin der Gemeindebibliothek. «Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der evangelisch-reformierten Kirche, der Integrationsförderung mit dem Sprachcafé Dulliken und der Gemeindebibliothek», umreisst Thiel den institutionellen Rahmen.

Rund dreissig ehrenamtliche Sprachtrainerinnen und Sprachtrainer haben sich gemeldet, um Kleinstgruppen zu unterrichten. Manche von ihnen sind aktive oder pensionierte Lehrpersonen, die pädagogische Leitung liegt bei einer Primarlehrerin. Die Muttersprachen der Teilnehmer sind sehr unterschiedlich, erklärt Thiel: «Es kommen Leute aus der ganzen Welt. Allein in Dulliken leben heute ja Ausländerinnen und Ausländer aus 76 verschiedene Nationen.» Auch die vorhandenen Deutsch-Kenntnisse sind völlig verschieden: «Manche können sich bereits recht gut ausdrücken, andere fangen bei Null an.»

Von Präsenzunterricht auf Zoom gewechselt

Der Start im Sommer erfolgte im Präsenzunterricht in grossen Räumen. Mittlerweile werden Zoom-Konferenzen durchgeführt. Waren zu Beginn rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeschrieben, sind es nun noch 11. Thiel sieht die Umstellung auf Online-Schulung als Grund für den Knick. «Es gibt Interessenten, die können nicht mit einem Computer umgehen, da ihnen die Kenntnisse fehlen.» Thiel sieht aber Online klar im Vorteil gegenüber dem Präsenzunterricht mit Masken: «Man versteht sich viel besser, wenn man die Mimik sieht. Beim Sprechen hinter der Maske hat das Wortverständnis gelitten.»

Thiel beobachtet, dass das Sprachtraining auch neue Bekanntschaften ermöglicht. «Manche begegnen sich im Voi und beginnen ein Gespräch. Genau so funktioniert Integration. Menschen sollen miteinander in eine Beziehung treten.»

Sprachtraining will kein Sprachkurs sein

Das Sprachtraining ist kostenlos und findet jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat von 19 bis 20 Uhr statt. «Es kommen natürlich nur Menschen zu uns, die für ein solches Sprachtraining offen sind», sagt Thiel. Ein Diplom oder einen Abschluss für die Teilnehmenden gibt es nicht. «Wir bieten hier keinen Sprachkurs an», betont Thiel, «das machen genügend andere Anbieter. Bei uns geht es darum, seine Sprachkompetenz im Alltag zu verbessern. Aus diesem Grund wird auch kein Lehrbuch durchgearbeitet, sondern Leiter stimmen das Thema und das Tempo mit seiner Gruppe ab.»

Hinweis

Anmeldung zum Sprachtraining zwei Tage im Voraus bei der Integrationsbeauftragten von Dulliken, für das Homeschooling bei sascha.thiel@ref-olten.ch