Favre Betonwaren AG

In Däniken gibt es einen unscheinbaren Mikrokosmos aus Beton

Die Favre Betonwaren AG hat ihren Sitz seit fast 60 Jahren in Däniken. Dort werden Elemente produziert, die man jeden Tag sieht, die aber trotzdem unsichtbar bleiben.

Zwei Minuten Ruhe, zwei Minuten ohrenbetäubender Lärm. Dieser Rhythmus wiederholt sich stetig. Die rund 70 Mitarbeitenden der Favre Betonwaren AG in Däniken arbeiten konzentriert, den Lärm scheinen sie kaum wahrzunehmen. Einer kurvt mit einem Gabelstapler durch das Werk 1; einer wartet, bis die Mischmaschine den frischen Beton ausspuckt.

Betonrohre, Elemente für Kreiselbau, Fassadenstücke 

Die Firma gehört zur Müller-Steinag-Gruppe. Diese beschäftigt rund 800 Mitarbeitende an 13 Standorten. An der Schachenstrasse 32 in Däniken werden Betonrohre für Kanalisationen, Elemente für den Kreiselbau, Fassadenstücke für Neubauten und Lärmschutzwände hergestellt.

Geschäftsführer Urs Gehriger weiss etliche Beispiele: «Wir produzieren hier etwa vorfabrizierte Bushaltestellen, die wir oftmals im Raum Zürich innert weniger Stunden einbauen können.» Die Firma lieferte aber auch Betontreppen und Sitzbankelemente an die Kantonsschule in Olten. Und gerade läuft ein Grossprojekt: «Wir produzieren die Lärmschutzwände bei der Ein- und Ausfahrt des Eppenberg-Tunnels», erklärt Gehriger.

Seit 22 Jahren leitet Urs Gehriger den Standort Däniken

In den Produktionshallen der Favre Betonwaren AG wird von frühmorgens bis abends gegossen, gemischt, transportiert, geschreinert, repariert und konstruiert. «Wir haben einen eigenen Mikrokosmos auf unserem Gelände», sagt Gehriger vielsagend. Er arbeitet seit 30 Jahren für die Unternehmensgruppe – 22 Jahre davon in Däniken. «Bei uns arbeiten Schreiner, Maurer, Mechaniker, Stahlbauer, Büroangestellte, Zeichner, Ingenieure, Armierungseisenbieger, Logistiker und Verkäufer. Wir machen alles ‹in House›.» Der Stolz in Gehrigers Stimme ist deutlich zu hören.

Die Favre Betonwaren AG investiert laut Geschäftsführer bis zu zwei Millionen Franken pro Jahr in den Standort im Niederamt. Die neuste Errungenschaft ist die neue Betonmischanlage im Werk 1: «Unter erschwerten Bedingungen mussten wir die Aufzugsgrube erweitern. Damit haben wir im November 2018 angefangen», so Gehriger. Seit Januar 2019 laufe die neue Maschine, die das Unternehmen 1,5 Millionen Franken kostete. Darin wird selbstverdichtender Beton angemischt. Und die nächste Investition ist bereits in Planung: Die Werkhalle 1 soll vergrössert werden. Das älteste Gebäude und der dazugehörige Schopf werden mit einer neuen Halle ersetzt.

Faverit-Lärmschutzelemente aus Lavabeton

Während in den Werken 1 und 2 vor allem Standardprodukte für das Creabeton-Sortiment hergestellt werden, ist das dritte Werk für die Elementproduktion ausgerüstet. Genauer gesagt: Für die Produktion von Lärmschutzwänden. Wer Zug fährt, kennt die gerippten, meist dunkelgrauen Wände entlang der Geleise. «In diesem Bereich sind wir führend», sagt Gehriger. Nicht umsonst tragen die Elemente einen eigenen Namen: Faverit-Lärmschutzelemente. Der gerippte Teil ist aus porösem Lavabeton, dessen Rohmaterial aus Deutschland angeliefert wird.

Im hinteren Teil sind die Armierungseisen für die Statik einbetoniert. Jedes Element wird auf Bestellung produziert. Gehriger: «Wenn wir 1000 Stück herstellen, gleicht oftmals keines dem anderen.» Einzeln werden sie am Computer entworfen, auf den hydraulischen Tischen gegossen und schliesslich detailliert beschriftet. «Eppenberg-Tunnel» steht da etwa. Dank des direkten Gleisanschlusses können die tonnenschweren Wände zuletzt zum Bestimmungsort transportiert werden.

Auch nach 30 Jahren noch nicht langweilig

Während Gehriger durch die Hallen und über den Lagerplatz führt, bestätigt er: «Mir ist auch nach 30 Jahren noch nicht langweilig geworden.» Dennoch sei es eine schwierige Branche. Viel Geld könne nicht verdient werden. «Wir müssen einfach besser, schneller, genauer sein – trotz höheren Kosten und Löhnen als im Ausland. Denn wir wollen weiterhin hier produzieren.»

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