Die Augen brauchen eine Weile, bis sie sich an die Dunkelheit in der Scheune gewöhnt haben. Die Sonnenstrahlen kämpfen an diesem Tag vergeblich gegen die grauen Wolken am Himmel. Der Wind bläst einem dafür um die Ohren — und durch die Spalten in den Wänden der alten Scheune. Sie ist seit Mitte Februar das neue Zuhause von neun Katzen. In einer Ecke steht ein Kratzbaum, im anderen sind die Futterschälchen aufgestellt.

Die Büsis sind auf dem Winznauer Wilmatthof aufgewachsen. Der 350 Jahre alte Bauernhof gehört der Bürgergemeinde Winznau und liegt inmitten von Feldern und Wäldern. Der ehemalige Pächter verstarb vor einigen Jahren. Seither wurde nach einem neuen Besitzer für den Hof gesucht.

Seit Februar ist klar: Das Ehepaar Marion und Maurice Bastings aus Gretzenbach möchte die historische Liegenschaft übernehmen und umbauen (wir berichteten). Darum müssen die dort lebenden Vierbeiner umgesiedelt werden.

«Ich mag Tiere so gerne»

Mehr als vier Jahre lang kümmerte sich Denise Guldimann um die Katzen auf dem Wilmatthofs. Jeden Tag fuhr sie vorbei, stellte Futter bereit, versorgte die Büsis mit Streicheleinheiten. «Ich mag Tiere so gerne», sagt Guldimann. Auf sie warten zu Hause ebenfalls zwei Büsis. Die Wilmatthof-Katzen hat sie aber in ihr Herz geschlossen. Elf von zwölf Katzen konnte sie im Februar einfangen. Eine versteckt sich noch immer auf dem Hof.

Allesamt haben sie einen Namen bekommen: Da ist Tiggi, der zutrauliche Tiger. Oder die anhängliche Seli. Dann gibt es den ängstlichen Finny und Mitch, der nicht mehr gut hört, den schüchternen Mikki, den zahmen Stitch, die schwierige Tata, die weiss-schwarz gefleckte Pirata und Whity, der sein eigenes Schlafplätzchen hat. Diese neun Katzen haben ein neues Zuhause in der Scheune oberhalb von Lostorf gefunden.

Tierdörfli hilft mit Pflege und Futter

Zwei weitere Büsis — die rot-weisse Nana und der anhängliche Bamba — leben bei Jeannine Hürzeler in Mahren. Hürzeler kennt die Vierbeiner seit 2008: «Das hat sich so ergeben, da ich gesehen habe, dass sie nicht so häufig gefüttert wurden.»

Sie habe damals das Tierdörfli in Wangen bei Olten kontaktiert. Hürzeler: «Sie haben dafür gesorgt, dass alle Katzen sterilisiert und kastriert wurden.» Sonst hätte es nun vermutlich noch mehr Büsis gehabt, die hätten gerettet werden müssen.

«Wir wollen den Katzen einen schönen Lebensabend ermöglichen»

Guldimann und Hürzeler suchten in den vergangenen Jahren intensiv nach einer geeigneten Unterkunft für die zwölf Büsis. Da sie jahrelang praktisch in der Wildnis gelebt hätten, könne man sie nicht in einer Wohnung unterbringen.

Mit dem unbewohnten Bauernhof oberhalb von Lostorf sei ein idealer Ort gefunden worden: Das Grundstück gehört den Geschwistern Elisabeth und Stefan Schenk aus Lostorf. Von Guldimann hätten sie vom Problem erfahren. «Da der Hof seit 16 Jahren leer steht und wir ihn nicht brauchen, stellen wir ihn kostenlos zu Verfügung», sagt Stefan Schenk.

Seine Schwester ergänzt: «Wir wollen diesen Katzen hier einen schönen Lebensabend ermöglichen.» Für die Schenks entstehen kaum Mehrkosten. Das Geschwisterpaar, Guldimann und Hürzeler stellen aber ihre Freizeit zu Verfügung. Das Katzenfutter und Tierarztbesuche werden vom Tierdörfli in Wangen bei Olten finanziert.

Nach drei Monaten dürfen sie raus

Den Katzen scheint es in der Scheune zu gefallen. Jedes Büsi hat seine Schlupfwinkel und Schlafplätze. Guldimann und Hürzeler werden sich weiterhin um die Vierbeiner kümmern: «Ich komme zwei Mal pro Tag für eine halbe Stunde. So gewöhnen sie sich vielleicht irgendwann an uns.» Noch drei Monate lang müssen sie drinnen bleiben. Danach steht ihnen die gesamte Umgebung offen.