Amtsgericht
Gutachter sieht beim Denner-Räuber keinerlei Motivation für eine Therapie

Der damals 21-jährige vorbestrafte Räuber, der am 24. September 2019 die Denner-Filiale in Lostorf zu überfallen versuchte, sitzt seither im Gefängnis. Am Donnerstag fand vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen der Prozess statt.

Philipp Kissling
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Diese Denner-Filiale in Lostorf überfiel der Täter, der jetzt vor Gericht steht. Bild: Bruno Kissling (25. 9. 2019)

Diese Denner-Filiale in Lostorf überfiel der Täter, der jetzt vor Gericht steht. Bild: Bruno Kissling (25. 9. 2019)

Kissling Bruno

Eric T.* bedrohte unter Drogeneinfluss am 24. September 2019 in der Lostorfer Denner-Filiale einen Verkäufer mit einem Messer, um an das Geld in der Kasse zu kommen. Der Raub scheiterte. T. ergriff ohne Beute die Flucht, wurde von couragierten Passanten aber gestellt. Der damals 21-jährige vorbestrafte Räuber, der aus dem Aargau stammt, sitzt seither im Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft will nun einen Schuldspruch, unter anderem für versuchten qualifizierten Raub, qualifizierte einfache Körperverletzung und die Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Als Strafmass fordert sie sechs Jahre Freiheitsstrafe und eine stationäre Massnahme. Die Verteidigung erachtet eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten als angemessen.

Der Beschuldigte ist geständig. Vor dem Amtsgericht Olten- Gösgen am Donnerstag zeigt er sich reuig und einsichtig. Er habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu verletzen. Den Vorwurf, einem seiner Verfolger eine Schnittwunde am Arm zugefügt zu haben, streitet er ab. Er sei «als verwirrter Drogenabhängiger» verhaftet worden und im Gefängnis zur Einsicht gelangt, dass er endlich Verantwortung für sein Leben übernehmen müsse. Von den Drogen sei er los, nun wolle er eine langfristige Strategie entwickeln, dazu brauche er Unterstützung.

Wie diese Unterstützung aussehen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Verteidiger Reto Gasser glaubt, sein Mandant hätte mit einer «Massnahme für junge Erwachsene» die besten Aussichten. Vielleicht die einst abgebrochene Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt wieder aufnehmen und so in die Spur zurückfinden. Der Staatsanwalt Ronny Rickli seinerseits stützt sich auf die Empfehlung des Gutachtens und fordert die «Stationäre Massnahme nach Artikel 59», die in einer entsprechend geeigneten Einrichtung erfolgen soll. Die Verteidigung beurteilt den «59er» als zu harte Massnahme.

Gutachter sieht für eine Therapie keine Motivation

Hier der Räuber, der «Lostorf» in Angst und Schrecken versetzte. Da aber auch der junge Mann, der einsichtig scheint und sich bemerkenswert wortreich auszudrücken vermag. Es ist der Gutachter Lutz-Peter Hiersemenzel, der die im neu tralen Beobachter aufkeimende Hoffnung auf eine neue Chance für ein junges Leben erschüttert. Die vor Gericht geäusserte Einsicht ändere nichts an Diagnose und Prognose. Hiersemenzel diagnostizierte für Eric T. eine schwere Persönlichkeitsstörung, die «so tiefgreifend» sei, dass es eine sehr intensive Therapie brauche.

Dass er seit Juni 2020 weg von den Drogen sei, sieht er skeptisch, eine Sucht diagnose könne man nicht so rasch fallenlassen. Hiersemenzel unterstellt dem Beschuldigten, heute das zu sagen und morgen dies, je nach dem, was eben günstiger für ihn erscheine. Die Motivation für eine Therapie spricht der Gutachter dem jungen Mann ab. Seine Probleme gingen bis in die frühe Kindheit zurück.

Verteidiger Reto Gasser forderte Hiersemenzel auf, konkrete Beispiele von Verfehlungen zu nennen. Eric T., so der Gutachter, sei schon früh verhaltensauffällig gewesen, ein «Schreibaby» sei er gewesen, schon im Kindergarten habe er «konstant gelogen» und andere Kinder geplagt, sich nie an Regeln halten können. Einmal habe er eine Schreckschusspistole gestohlen und der Mutter gedroht, sie zu erschiessen. Die Aargauer Psychiatrie habe zudem vor Jahren schon eine «schwere Störung des sozialen Verhaltens» festgestellt.

Haben die Eltern, zu denen T. keinen Kontakt mehr hat, möglicherweise ihre Pflichten vernachlässigt? Hiersemenzel: «Eher haben sie sehr viel versucht.» Und: «Man kann vielen anderen die Schuld zuschieben, aber das ändert nichts am Endzustand, den wir heute sehen.»

Eine Gerichtsverhandlung gleicht oft einem Wellental der Vorwürfe, Paragrafen und Gefühle. Sich darin zurechtfinden und ein objektives Urteil fällen ist die grosse Herausforderung. Wer am Donnerstag nach dem Ende der Verhandlung an die frische Luft und ins dichte Schneetreiben trat, war froh, diese Aufgabe dem Amtsgericht um Claude Schibli überlassen zu können. – Die mündliche Urteilseröffnung ist für 21. Januar terminiert.

Name geändert