Gretzenbach
Turboantrieb für den eigenen Drahtesel: Auch Aarios macht mit

Der ehemalige Eigentümer der Aarios AG in Gretzenbach, Arnold Ramel, beobachtete den «Velo-Boom» in der Pandemie anders.

Cyrill Pürro Jetzt kommentieren
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Der ehemalige Eigentümer Arnold Ramel ist seit 1976 in der Branche tätig. Auch mit E-Bikes hat er Erfahrung.

Der ehemalige Eigentümer Arnold Ramel ist seit 1976 in der Branche tätig. Auch mit E-Bikes hat er Erfahrung.

Bruno Kissling

Hier ertönt ein Hämmern, da ein Schleifen oder ein Bohren, irgendwo poltert es – wahrscheinlich fiel gerade ein Werkzeug zu Boden. Mitarbeitende rufen einander zu und wuseln von einem Ort zum anderen, Lieferwägen suchen auf dem Parkplatz eine geeignete Stelle, um ihre Ware abzuladen.

Hektisches Treiben, welches Besuchende bereits auf dem Vorplatz der Aarios AG in Gretzenbach zu spüren bekommen, lassen erahnen, dass auch innerhalb der Werkstatt einiges los sein muss. Setzen die Besuchenden ihren Weg dann in die Räumlichkeiten der Firma fort, sind sie mittendrin im Geschehen – mittendrin im Eigenleben des kleinen, aber feinen Universums von Arnold Ramel und dessen Familie.

In der Fabrik der Familie Ramel ist alles Swiss made:

Begrüsst wird man in diesem «Velouniversum» vom Geruch frisch gepumpter Fahrradpneus. Und einer bunten Auswahl an frisch gefertigten Fahrrädern: Kobaltblau, militärgrün, hochglänzend oder doch lieber matt? Kein Problem für die Angestellten der Fabrik: Denn Suchende nach einem Drahtesel können in der Farbkarte der Fabrik zwischen rund 60 Farben auswählen.

Doch mittlerweile sind die Farben nicht mehr der einzige Unterschied: Seit gut sechs Jahren können Besuchende auch zwischen «normalen» und elektrisch betrieben Fahrrädern wählen.

Zwischen 60 Farben kann die Kundschaft für ihr Fahrrad auswählen.

Zwischen 60 Farben kann die Kundschaft für ihr Fahrrad auswählen.

Bruno Kissling

«Veloboom» kam anders als erwartet

Mittendrin in der Auswahl an Zweirädern steht der 76-jährige Ramel. Er verhandelt gerade mit einem Kunden. Eigentlich ist er pensioniert, einer seiner Söhne und seine Tochter betreiben mittlerweile die Firma. Doch Ramel könne die «Finger nicht vom Geschäft lassen», wie er sagt. Verständlich, denn gearbeitet habe er früher 14 Stunden am Tag.

Nach einem festen Händedruck und kurzem Smalltalk führt Ramel in den Pausenraum der Werkstatt. Kaum am Tisch Platz genommen, beginnt er schon zu erzählen. «Ich glaube nicht, dass während der Pandemie viel mehr Fahrräder verkauft wurden», sagt er. Dafür stand die Kundschaft der anderen Fahrradhändler, die entweder Kurzarbeit oder wegen des Lockdowns einen Materialengpass hatten, vor der Tür der Aarios AG. Ramel erklärt weiter: «Auch wir hatten Kurzarbeit, aber nur für etwa sechs Wochen.»

Die Fahrräder der Fahrradfabrik Aarios AG gehen auf Weltreise:

Und auch während der Kurzarbeit werkten und löteten die Mitarbeitenden täglich vom Morgen bis zum Mittag.

Auch die Motoren sind Swiss made

Nach diesen sechs Wochen musste es gemäss Ramel also wieder weitergehen. «Wir brauchten einfach Fahrräder. Alle Menschen, die ein Fahrrad oder eine Dienstleistung von uns benötigten, konnten wir zufriedenstellen», so Ramel.

Eine Sache sei ihm aber aufgefallen:

«Die Leute kauften zwar nicht plötzlich in Massen neue Fahrräder – aber sie kauften teurere.»
In der Fabrik werden ausschliesslich Rahmen aus Stahl hergestellt.

In der Fabrik werden ausschliesslich Rahmen aus Stahl hergestellt.

Bruno Kissling

Denn während des Lockdowns hätten die Leute im Allgemeinen mehr Geld zur Verfügung gehabt. Also habe die Firma zwar mehr Einnahmen gemacht und klar auch von der Pandemie profitiert. Hingegen nicht unbedingt mehr Fahrräder als üblich verkauft.

Ein erhöhtes Interesse an Elektrofahrrädern seit der Pandemie nimmt Ramel nicht wahr. Die Leute würden immer noch vermehrt normale Fahrräder kaufen. Nicht zuletzt, weil die elektrisch betriebenen teurer sind. Solche verkauft die Firma bereits seit gut sechs Jahren.

Gross verändert habe die Einführung von motorbetrieben Fahrrädern das Geschäft im unteren Schachen 2 nicht. Abgesehen davon, dass die E-Bikes «mehr Einnahmen generieren», so Ramel. In das Geschäft der Elektrobikes eingestiegen sei die Firma aufgrund der erhöhten Nachfrage. Ramel führt aus.

«Immer mehr Kundinnen und Kunden haben uns gefragt, ob wir denn auch E-Bikes verkaufen.»

Also musste die Firma auf die Nachfrage reagieren.

Generell setzt die Fabrik auf «Swiss made» und stellt ausschliesslich Rahmen aus Stahl her. Nicht nur, weil diese in der Werkstatt selbst gelötet werden, sondern weil ein Rahmen aus Stahl auch stabiler und langlebiger sei. Ob denn auch die Motoren für die E-Bikes Schweizer Qualität aufweisen würden? Ramel bejaht und kommentiert: «Wir benutzen Motoren von der Maxon International AG mit Sitz in Sachseln in Obwalden.»

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