Mitte des letzten Jahrhunderts hat Paul Hubschmid aus Schönenwerd unter dem amerikanischen Pseudonym Paul Christian in Hollywood gefilmt. Heute pochen die Geschwister Baldenweg mit Heimatort Schönenwerd mit ihrer Musik an die Pforten Hollywoods.

Ihre Musik zum neuen Schweizerfilm von Rolf Lyssy «Die letzte Pointe», welcher ab 9. November in den Kinos zu sehen ist, dürfte sie hierzulande noch bekannter machen. Diego, Nora und Lionel Baldenweg haben es vermieden, sich in ihrer Arbeit als Filmmusikkomponisten auf einen einzigen Musikstil festzulegen.

Hier haben sie sich erstmals eingehender mit Swing und Jazz auseinandergesetzt. «Wir mögen es, ins kalte Wasser zu springen. Dabei kommt immer etwas Gutes heraus», meint Lionel. Interpretiert wird ihre Musik für «Die letzte Pointe» übrigens von bekannten Schweizer Jazz-Musikern wie unter anderen Pepe Lienhard.

Begonnen haben die zum grossen Teil in Australien aufgewachsenen Geschwister als Band. Aber die vielen Bühnenauftritte waren mit der Zeit nicht mehr ganz ihr Ding, weshalb sie sich aufs Komponieren und Produzieren verlegten.

Künstlerisch sind sie vorbelastet, denn ihr Vater Eugen «Pfuri» Baldenweg (Pfuri, Gorps & Kniri /Grand Cannon) ist ebenfalls Musiker und ihre Mutter, die Solothurnerin Marie-Claire Baldenweg eine international bekannte Malerin.

Trailer zu «Die letzte Pointe»

Trailer «Die letzte Pointe»

«Die letzte Pointe» ist der neuste Film des Schweizer Regisseur Rolf Lyssy. Die Filmmusik dazu stammt von den Geschwistern Baldenweg.

Wie ein Chamäleon

2004 gründeten die Geschwister ihre Firma Great Garbo. Mit welcher sie seither nebst der Filmmusik auch Musik für über 250 nationale und internationale Werbekampagnen von 500 Top-Marken wie Mastercard, Nivea, Sony komponierten. Auch der Erfolgsfilm «Mein Name ist Eugen» konnte von ihren Kompositionen profitieren.

Ihre Filmmusik zu «180°» von Cihan Inan brachte ihnen am Festival von Locarno den Preis für die beste Filmmusik ein. «Filmmusik ist sehr vielfältig und wir können uns ähnlich wie ein Chamäleon für jedes Projekt neu einfärben,» so ihr Statement zur Filmmusik. Dieser Festivalpreis wurde inzwischen übertreffen mit dem oscarnominierten Kurzfilm «La Femme et le TGV» von Timo von Gunten. Damit wurden die Mitglieder der amerikanischen Filmakademie mit ihrer Musik konfrontiert.

Diego, Nora und Lionel Baldenweg weilen derzeit in Los Angeles und lassen auf Anfrage durchblicken, dass sie dort ein volles Programm haben. Über ungelegte Eier sprechen Künstler bekanntlich nicht. Sicher ist nur, dass ihre Musik Ende Januar wieder in den Kinosälen zu hören sein wird, wenn die Filmadaption des Kinderbuch-Weltbestsellers «Die kleine Hexe» von Mike Schaerer startet. Die Antwort auf die Frage, warum Filmmusik lautet: «Wir lieben gute Geschichten, Emotionen, Action, Liebe und alles, was das Medium Film zu bieten hat.»

Vor ungefähr acht Jahren machten die Baldenwegs die Bekanntschaft von Rolf Lyssy. Weil ihm ihre Musik zu «180 Grad» sehr gut gefallen hat und sie sich auf Anhieb gut verstanden, war für ihn klar, dass sie für seinen nächsten Film die Musik schreiben würden. Das Ergebnis kann sich hören lassen.

Die Geschwister Baldenweg wohnen zwar in Zürich. Aber den halbstädtische Flair von Schönenwerd, welcher an die grosse Zeit der Bally Schuhfabriken erinnert, mögen sie. Bezugspunkt zu Schönenwerd ist jetzt vor allem ihr dort wohnender Freund, dessen Backline Firma in bester Erinnerung ist. Der Familienfreund kennt und kannte viele Grössen in der Musikbranche und war mit den Rolling Stones und Miles Davis auf Tournee. Vielleicht wird Diego, Nora und Lionel Baldenweg bald auch Zürich zu klein.

Baldenweg Film 2016 REEL

Baldenweg Film 2016 REEL