Doch, man könnte meinen, dass es sich bei den Feldern und Wiesen um eine Art Deponie handelt. Wenn überall Aludosen, Eisteebeutel und Zigarettenstummel herumliegen, macht dies einen schlechten Eindruck. Aber es kommt noch schlimmer: Nutztiere können aufgrund des Abfalls innerlich verbluten, doch dazu später.

Die beschauliche Solothurner Gemeinde Walterswil oberhalb von Safenwil AG kennt das Problem: «Vor allem am Strassenrand, seien es Hauptstrassen oder Autobahn, finden wir viel Abfall», erklärt Carmela Bühler, Ersatzgemeinderätin (für Diego Gygax) und Mitglied der Umweltschutzkommission.

Eine gute Gelegenheit, sich am Samstag, am nationalen Clean-Up-Day («Aufputztag»), nützlich zu machen und Abfall sammeln zu gehen. Bevor es losgehen konnte, wurde zunächst das Material für den offiziellen Clean-up-Day ausgehändigt: Rote Handschuhe, eine Leuchtweste, Greifzange und natürlich die durchsichtigen Clean-up-Day-Abfallsäcke.

«Vor Gebühren drücken?»

Zwar fanden sich bei der Sammelstelle beim Werkhof nur wenige Helferinnen und Helfer ein, doch umso grösser war der Elan, gemeinsam etwas gegen Umweltsünden zu tun. Früher sei es nicht so schlimm gewesen, findet Franziska von Aesch. «Die Mentalität hat sich bei manchen Leuten geändert. Früher gab es zudem noch nicht so viele Aludosen, vielleicht wollen sich die Leute aber auch vor den Entsorgungsgebühren drücken», vermutet sie.

clean up day

Ausgerüstet mit Greifzange, Handschuhen und Leuchtweste sammelte es sich leichter.

clean up day

Und tatsächlich: Am Rande eines Maisfeldes finden die Helfer zwei schon fast kunstvoll verschnürte Plastiksäcke, voller Abfall. Es macht fast den Anschein, als habe hier jemand Windeln im Feld entsorgt.

Abfallsplitter schaden dem Vieh

Auf den grünen Feldern, wo die Rinder jeweils grasen, liegt ebenfalls Abfall herum. Urs Hagmann von der Umweltschutzkommission in Walterswil ist Landwirt, und er weiss, wie schlimm dies für die Tiere enden kann. Diese verzehren natürlich nicht ganze Aludosen oder PET-Flaschen. Viel mehr ist es so, dass die Abfälle während des Prozesses der Futterherstellung geshreddert werden und in kleinsten Teilchen im Futter bestehen.

Die Tiere nehmen später die von den Mähdreschern zerkleinerten Alu- und Plastiksplitter zu sich und können sich dadurch schwere innere Verletzungen zufügen. «In der Region gibt es ein paar schlimme Fälle», fasst Hagmann zusammen. Er weiss von einem Rind, das zwei Stunden lang leiden musste, weil es innerlich verblutete.

Hagmann erklärt: «Da Rinder Wiederkäuer sind, schlingen sie einfach erst mal das Futter in sich hinein. Die Abfallsplitter geraten mittels Verdauungsprozess über den Darm bis in die Nieren», so Hagmann. Die Lösung wäre in seinen Augen die Wiedereinführung des Flaschen- und Dosenpfandes, «wie in Deutschland», schlägt er vor.

Enttäuschte Organisatoren

Nach der Aktion gegen Mittag wurden fünf volle Abfallsäcke auf dem Gemeindefahrzeug im Werkhof gestapelt. Nebst dem üblichen Unrat wurden diesmal auch Schuhe, alte DVDs und ein Autorad mit Felgen gefunden.

Nach vollbrachter Arbeit assen die Helferinnen und Helfer zu Mittag. Geselligkeit ist sehr wichtig. Leider fällt die Bilanz nicht erfreulich aus: Für Carmela Bühler und ihr Team ist es nicht nur enttäuschend, dass die Leute achtlos die Umwelt verschmutzen, sondern auch, dass am Samstag nur wenige Leute zum Clean-up-Day erschienen sind: «Wir waren nur gerade 12 Personen, davon vier Leute von der Umweltschutzkommission.» Das geht sogar so weit, dass sich das Team nun überlegt, ob es überhaupt jemals wieder am nationalen Clean-up-Day teilnehmen soll.