Kraftwerk Aarau

Entfernung des Aare-Mitteldamms: «Das ist ein Attraktivitätsverlust»

Die Eniwa hat vergangene Woche ihr neues Konzept für das Kraftwerk Aare vorgestellt. Das Türmchen und der Mitteldamm des Aarekanals sollen entfernt werden. Vor allem Letzterer gibt im Niederamt zu reden.

Seitdem der Aargauer Energiedienstleister Eniwa vergangene Woche seine neuen Pläne für das Wasserkraftwerk Aarau vorgestellt hat, schlägt das Thema hohe Wellen: Befürworter und Gegner des Projekts melden sich zu Wort, der Heimatschutz des Kantons Aargau hat sich eingeschaltet, eine Petition wurde lanciert (siehe Box). Konkret umfassen die Pläne zwei einschneidende Änderungen: Erstens soll das markante Türmchen, das von manchen zum Stadtbild Aaraus gezählt wird, abgerissen werden. Zweitens soll der Mitteldamm zwischen Schönenwerd und Aarau entfernt werden.

Als «ein Projekt über die Kantonsgrenzen hinweg» beschreibt die Eniwa die geplanten Änderungen. Tatsächlich: 82 Prozent des Aarekanals liegen auf Solothurner Gebiet, deren 18 Prozent gehören zum Kanton Aargau. Das neue Projekt, das bis 2024 umgesetzt werden soll, bringt eine Leistungssteigerung des Kraftwerks von 20 Prozent. Derzeit läuft die öffentliche Mitwirkung. Die Unterlagen liegen auch in Niedergösgen, Erlinsbach, Schönenwerd und Eppenberg-Wöschnau auf. Aus Sicht dieser Gemeinden ist vor allem die geplante Entfernung des Mitteldamms relevant.

Petition mit 1900 Unterschriften

Von dieser Entfernung ist hauptsächlich Erlinsbach SO betroffen. Die Aare bildet die südliche Gemeindegrenze. Der Mitteldamm liegt fast nur auf Erlinsbacher Gebiet. «Die Entfernung ist vor allem aus einem gesellschaftlichen Aspekt heraus zu betrachten», sagt Erlinsbachs Gemeindepräsidentin Madeleine Neumann. Damit spricht sie das Naherholungsgebiet an, wo sich oft Fussgänger, Hundebesitzer und Jogger aufhalten. Sie kann sich vorstellen, dass sich einige Leute an der Mitwirkung beteiligen werden. Ob dazu auch die Gemeinde Erlinsbach gehört, ist noch nicht klar: Der Gemeinderat werde an der nächsten Sitzung entscheiden, ob und wie er Stellung bezieht. «Einerseits», so Neumann, «ist der Damm ein Bewegungsgebiet, an dem man emotional hängt.» Andererseits brauche man sauberen Strom und Wasserkraft sei eine Möglichkeit, ihn zu bekommen. Sie ist aber davon überzeugt, «dass die Entfernung des Damms zu einem Attraktivitätsverlust für ihre Gemeinde führen wird».

Dieser Meinung ist auch der Aarauer Elia Meierhofer. Er hat eine Online-Petition für den Erhalt des Damms eingerichtet. «Dieser Kanal wird im Sommer von vielen Aarauern sowie Auswärtigen zum Baden und Schwimmen genutzt, der Mitteldamm selbst ist bei Spaziergängern und Joggern beliebt», schreibt er. Am Freitagabend hatte die Petition mehr als 1900 Unterschriften.

Nur am Rande betroffen ist die Gemeinde Eppenberg-Wöschnau, die ihren Strom von der Eniwa bezieht. «Soweit mir bekannt ist, gibt es nur geringfügige Änderungen an den Stauanlagen im Grenzgebiet von Schönenwerd, Erlinsbach und Eppenberg-Wöschnau», sagt Gemeindepräsident Stefan Bolliger. Er erachtet die optimale Nutzung von erneuerbaren Energiequellen als sinnvollste Lösung.

Auch Niedergösgen ist vom Vorhaben nicht stark tangiert, wie Gemeindepräsident Roberto Aletti bestätigt: «Ich sehe keine grossen Berührungspunkte. Vorstellen könnte ich mir nur, dass sich der Wasserrückstau im Zuge der Pläne verändern wird. Dies könnte unsere Gemeinde dann betreffen.» Der Gemeindepräsident wird das Vorhaben demnächst mit den Mitgliedern der Kommissionen besprechen.

Für Schönenwerd ändert sich ebenfalls nichts. Die baulichen Massnahmen, die das Schönenwerder Wehr betreffen, sind laut Gemeindepräsident Peter Hodel dieselben wie schon 2013. Er ist der Meinung, dass etwas fehlen würde, sollte der Damm entfernt werden. Doch er sagt auch: «Es ist ein Abwägen zwischen Ökologie und Ökonomie.»

Noch keine Stellungnahmen

Am Projekt beteiligt sich auch das Amt für Raumplanung des Kantons Solothurn: Es ist involviert, weil sich 82 Prozent der Konzessionsstrecke auf solothurnischem Boden befindet und es sich beim Vorhaben um ein Nutzungsplan- und damit um ein Raumplanungsverfahren handelt, wie Brigitte Schelble vom Amt für Raumplanung erklärt. Sie geht davon aus, dass es im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung Rückmeldungen von Organisationen, Verbänden oder Privatpersonen geben wird. Bislang seien aber noch keine Rückmeldungen eingegangen. Das Amt wird nun die Stellungnahmen sammeln und mit den kantonsinternen Fachstellen sowie mit der Eniwa besprechen. Im Anschluss kann es laut Schelble zu Projektänderungen kommen.

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Autor

Rahel Bühler

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