«Wenn ich jemandem in die Augen schaue, erfahre ich so viel», sagt die Kunstmalerin Jeannette Lerch. In ihrer Galerie Darkoum in Lostorf hängen rund zwei Dutzend Bilder, die sie neu gemalt hat. Spatzen, Paradiesvögel, Möwen, Hühner, Gorillas, Hunde und ein Stier blicken den Besucher direkt an.

Die Tiere auf den Bildern verfolgen einen mit ihrem Blick, auch wenn man weiter zum nächsten Gemälde läuft. Lerch: «Ich fange beim Malen immer bei den Augen an.» Darum heisst ihre neue Ausstellung, die heute Freitag eröffnet wird, auch «Augen-Blicke». Die Lostorferin erklärt: «Augenblicke können bedeuten, einem Lebewesen in die Augen zu sehen und etwas über dessen Innerstes zu erfahren.»

Die Galerie Darkoum oberhalb von Lostorf ist seit 2014 nur noch unregelmässig geöffnet. Mit der neuen Kunstausstellung öffnet Jeannette Lerch ihre Räumlichkeiten im marokkanischen Stil wieder einem breiteren Publikum. Bis zum 18. November können die Werke der Künstlerin jeweils an den Wochenenden von 14 bis 17 Uhr bestaunt werden.

Mix aus Realismus und Humor

Jedes Bild habe eine eigene Geschichte und wolle diese auch erzählen, sagt Lerch, während sie den Besuch mitnimmt zur nächsten Ecke im Ausstellungsraum. Das sei die «mystische Ecke». Auf einer Leinwand blickt ein strubbeliger Hund auf die Weite des Meers und den riesigen Vollmond, der gerade darüber aufgeht. Ein anderes Gemälde erzählt die traurige Geschichte eines Gorillas: Er lebt in Gefangenschaft, ist niedergeschlagen. Zur Aufmunterung erhielt er einen kleinen Plüschteddybär. Lerch sagt: «Mich beschäftigt die Tatsache, dass wir die Verletzlichkeit etwa eines solchen Gorillas unterschätzen. Das berührt mich immer wieder, wenn ich das Bild anschaue.»

Neben den Bildern im Realismus-Stil stellt Jeannette Lerch auch mehrere Bronzeskulpturen aus, die sie zusammen mit ihrem Mann René anfertigt: Sie erstellt die Skulptur aus Ton, er übernimmt das Bronzegiessen. «Ich bin der Handwerker, sie ist die Künstlerin», sagt René Lerch. Seit seiner Pensionierung würden sie nun zusammenarbeiten. «Das ist eine glückliche Fügung und ideal für mich.»

Während sich die Gemälde an der ernsten Realität orientierten, hätten die Bronzefiguren etwas scherzhaftes: «Die Szenen, die ich darstellen will, sind immer witzig und etwas skurril», sagt Lerch und deutet auf eine Skulptur einer Frau in der Badewanne, die sich offensichtlich erschreckt hatte über den Kormoran, der sich daneben hingesetzt hatte.