Für alle, die kein Halbtax oder GA besitzen, ist sie Gold wert: die Gemeinde-Tageskarte der SBB. Zum Preis von 40 bis 45 Franken kann man einen ganzen Tag lang mit dem öffentlichen Verkehr in der Schweiz umherfahren. Für eine Reise in die Romandie oder ins Tessin lohnt sich diese Ausgabe bereits auf dem Hinweg.

Die Hacken: Die Tageskarten müssen im Voraus reserviert werden, sind an einem bestimmten Tag gültig und die Gemeinde verfügt über ein begrenztes Kontingent.

Der Preis ist für jede Gemeinde derselbe

Jede Gemeinde kann, wenn sie es denn will, einen Jahresvorrat an solchen Karten bei den SBB erwerben. Je mehr Einwohner eine Ortschaft hat, desto mehr Tageskarten stehen ihr zur Verfügung. Der Preis ist für jede Gemeinde derselbe. Diese Zeitung hat im Niederamt nachgefragt, wie gut das Tageskarten-Angebot genutzt wird.

Die Umfrage zeigt: Es sind vor allem die bevölkerungsreicheren Ortschaften, die die Tageskarten anbieten. Lostorf verfügt über deren zwei. «Die Bezugskosten betragen 28'000 Franken pro Jahr, dazu kommen Website- und Personalkosten», berichtet Gemeindeschreiber Markus von Däniken.

Lostorfer schätzen die Tageskarten

Die Auslastung liegt bei 90 Prozent und das Angebot wird bei den Einwohnern sehr geschätzt. «Nur etwa eineinhalb Prozent der verkauften Karten werden von Auswärtigen bezogen.» Lostorf ist eine Gemeinde, bei der auch auswärtige Personen Tageskarten beziehen können.

Das Gleiche gilt für Ober-, Niedergösgen und Winznau. Obergösgens Karten waren in den vergangenen Jahren zu 93 Prozent verkauft. In Niedergösgen liegt die Auslastung bei durchschnittlich 95 Prozent, Winznau verkauft laut Gemeindeschreiberin Anja Näf zwischen 75 und 100 Prozent der Karten.

Gemeinde nimmt Mehrkosten in Kauf

Däniken und Erlinsbach SO bieten das Angebot nur für Einheimische an. In Erlinsbach betrug die Auslastung 2018 80 Prozent und ist damit knapp defizitär. «Trotzdem unterstützt der Gemeinderat dieses Angebot», lässt der Erlinsbacher Verwaltungsleiter Beat Baumann verlauten.

Däniken kann die Karten zu 81 Prozent verkaufen. Das reicht nicht, um die Kosten zu decken, schreibt Gemeindeschreiberin Andrea Widmer. Weil das Feedback der Einwohner durchweg positiv ist, hält die Gemeinde trotz der Mehrkosten am Angebot fest.

Gretzenbach will Tageskarten noch attraktiver machen

Dasselbe gilt für Gretzenbach: «Aus finanziellen Gründen lohnt sich das Angebot nicht. Die Gemeinde macht dies, um eine Dienstleistung anzubieten», so Gemeindeschreiberin Andrea Walder. Die Karten sind im Durchschnitt zu 85 Prozent verkauft.

Jetzt will die Gemeinde das Angebot noch attraktiver gestalten: Im Mitteilungsblatt von Gretzenbach wird das sogenannte «Last-Minute-Angebot» erklärt. Bei einer Reservation am Tag vor dem Gültigkeitsdatum kostet die Tageskarte nur 30 Franken; bei Abholung am Tag der Gültigkeit sogar nur 20 Franken.

Für kleine Gemeinden ist das Angebot zu teuer

Keine Tageskarten bieten vor allem die kleineren Niederämter Gemeinden an: Stüsslingen, Rohr, Eppenberg-Wöschnau, Kienberg und Wisen gehören dazu. Die geringe Grösse der Gemeinde ist ausschlaggebend, heisst es auf Anfrage bei den Gemeindeverwaltungen. «Es ist für unsere kleine Gemeinde zu teuer. Die Auslastung wäre nicht gegeben oder wir müssten die Karten überteuert anbieten», erklärt etwa Daniela Frauchiger von der Einwohnerkontrolle Stüsslingen.

Bei Kienberg kommt noch ein weiterer Aspekt dazu: Das Dorf ist nur vom Postauto erschlossen und verfügt daher über keine Tageskarten der SBB, wie Gemeindeschreiberin Daniela Hunziker erläutert.

Dulliken hat das grösste Kontingent

Walterswil und Starrkirch-Wil hatten die Tageskarten einst im Angebot, es allerdings wieder gestrichen. Per 31. März 2016 hat die Gemeinde Starrkirch-Wil beschlossen, die Karten einzustellen, «da sie nicht mehr kostendeckend waren», wie einem Informationsschreiben auf der Gemeinde-Website entnommen werden kann.

Seit dem 1. Januar 2017 können die Starrkirch-Wiler Tageskarten bei der Gemeinde Dulliken zu den gleichen Konditionen wie die Dulliker beziehen. Dulliken verfügt über das grösste Kontingent im Niederamt: Die angebotenen sechs Karten sind zu 93 Prozent verkauft und, ohne Personalkosten, knapp kostendeckend.

Sind Sparbillette eine Konkurrenz für die Tageskarten?

In Walterswil sieht die Lage ähnlich aus: Das Stimmvolk hat sich an der Gemeindeversammlung im November 2016 gegen die Tageskarten ausgesprochen. Grund dafür war die erneute Verteuerung und der Umstand, dass sie hauptsächlich von Nicht-Walterswilern genutzt wurden.

Ein möglicher Grund, dass die Tageskarten in den wenigsten Gemeinden kostendeckend sind, ist die Einführung von Sparbilletten. Mit diesen kann auf einer bestimmten Strecke zu einem festgelegten Zeitpunkt vergünstigt gefahren werden. Ausserdem sind sie wohnortsunabhängig.

Niedergösgen will kein Geld damit verdienen

Die SBB selbst äussert sich nur spärlich zu diesem Thema. Über die Auslastung könne sie nichts sagen, da die SBB die Zahlen nicht kenne, erklärt SBB-Sprecherin Katharina Balande. Ob die Sparbillette tatsächlich eine Konkurrenz zu den Gemeinde-Tageskarten darstellen, lässt Balande offen: «Das ist ein anderes Angebot.»

Fazit: Für die kleinen Gemeinden lohnt sich der Aufwand nicht. Die grossen Ortschaften halten am Angebot fest. Dazu Niedergösgens Gemeindeschreiberin Antonietta Liloia: «Unsere Philosophie ist nicht, damit Geld zu verdienen, sondern unseren Einwohnern diesen Service zu bieten.»