Niedergösgen

Effizienter, sicherer – und achtmal kleiner

Von aussen: Das kompakte Betriebsgebäude mit der neuen Schaltanlage beansprucht achtmal weniger Fläche als die alte Freiluft-Schaltanlage.

Von aussen: Das kompakte Betriebsgebäude mit der neuen Schaltanlage beansprucht achtmal weniger Fläche als die alte Freiluft-Schaltanlage.

Die Freiluftanlage von 1958 ist einer modernen gasisolierten 220-Kilovolt-Schaltanlage gewichen

«Hier stehen wir an einem Knotenpunkt der schweizerischen Energiewirtschaft und des schweizerischen Übertragungsnetzes», sagte «Bauherr» Philippe Meuli den rund 50 Gästen an der Einweihungsfeier vom Freitag. Der Leiter des Bereichs Spezialprojekte und Bewilligungsverfahren bei Swissgrid, der Eigentümerin und Betreiberin des Schweizer Höchstspannungsnetzes, sprach vom Unterwerk Gösgen und seiner neuen 220-Kilovolt-Schaltanlage.

Zufriedene Projektleiter: Willi Wirz (links) von der Bauherrin Swissgrid AG (Laufenburg), Sascha Wyss von der Gesamtplanerin Alpiq EnerTrans AG (Niedergösgen).

Zufriedene Projektleiter: Willi Wirz (links) von der Bauherrin Swissgrid AG (Laufenburg), Sascha Wyss von der Gesamtplanerin Alpiq EnerTrans AG (Niedergösgen).

Ein Strom-Knotenpunkt ist das Unterwerk Gösgen fürwahr. Es bindet die Stromverbraucher der Region Olten–Aarau an die Nord-Süd-Achse des Schweizer Übertragungsnetzes an. Es ist seinerseits verbunden mit den Schaltanlagen in Laufenburg, Ormalingen, Sursee, Mettlen und Flumenthal. Hier übernimmt die Aare Versorgungs AG (Avag) den Strom zur Verteilung an die Verbraucher in den Gemeinden der Region. Die Schaltanlage des Unterwerks Gösgen dient zusätzlich als Einspeisepunkt für die Stromproduktion des Wasserkraftwerks Gösgen, und sie übernimmt die Eigenbedarfsanspeisung des Kernkraftwerks Gösgen während dessen Revisionen.

58-jährige Freiluftanlage ersetzt

Bisher gehörte zum Unterwerk Gösgen eine eingezäunte Freiluft-Schaltanlage auf der Insel zwischen der Cartaseta-Brücke über die Aare und dem Wasserkraftwerk Niedergösgen am Aarekanal. Fast 60 Jahre lang hatte diese 1958 erbaute 220-Kilovolt-Schaltanlage ihren Dienst getan. «Ihr Ersatz war überfällig», bestätigte an der Feier Rudolf Meier, der Geschäftsführer der Alpiq EnerTrans AG. Die im Gebäude des Wasserkraftwerks Niedergösgen untergebrachte Alpiq-Tochterfirma für Hoch- und Mittelspannung hat im Auftrag der Swissgrid den Bau der neuen Schaltanlage als Gesamtplanerin übernommen.

In Swissgrid-Rot: Die gasisolierten 220-Kilovolt-Schaltungen im Innern des Gebäudes.

In Swissgrid-Rot: Die gasisolierten 220-Kilovolt-Schaltungen im Innern des Gebäudes.

Die Druckluft-Technik der alten Schaltanlage sei veraltet, der Support der Hersteller bei Störungen nicht mehr gewährleistet gewesen, erklärte Meier. Schon seit 2003 habe darum die Absicht zum Ersatz der Anlage bestanden. Das Vorhaben verzögerte sich einerseits wegen der erheblichen finanziellen Dimension, andererseits wegen der mehrjährigen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der vom Stromversorgungsgesetz verlangten Überführung der Übertragungsnetze von den Stromkonzernen an die neue nationale Netzgesellschaft Swissgrid.

Seit August 2015 in Betrieb

Vor dreieinhalb Jahren ging es dann los: Am 21. Mai 2013 fand der Spatenstich zur neuen 220-kV-Schaltanlage statt. Nach rund zwei Jahren Bauzeit konnte die neue gasisolierte Schaltanlage (GIS) mit 12 Schaltfeldern im August 2015 in Betrieb genommen werden. Danach wurde bis Ende Oktober 2016 die alte Freiluftanlage zurückgebaut. Bis Ende Jahr werden noch die letzten Umgebungsarbeiten (Umzäunung, Humusierung) abgeschlossen. Das etwa 80 mal 80 Meter grosse Feld, auf dem in den letzten sechs Jahrzehnten die Freiluft-Schaltanlage stand, wird bis auf weiteres wieder zur grünen Wiese.

Die neue Schaltanlage beansprucht rund achtmal weniger Fläche als die alte. Beim Gas, das die Hochspannungsleitungen effizient und platzsparend isoliert, handelt es sich nach Auskunft von Alpiq-Projektleiter Sascha Wyss um ungiftiges Schwefel-Hexafluorid (SF6).

«Ohne Fehlschaltungen, ohne Unfälle und im Budget» habe das ganze Projekt durchgezogen werden können, stellte Rudolf Meier fest. Swissgrid-Sprecher Jan Schenk bezifferte die Gesamtkosten auf rund 25 Mio. Franken. Zu den Lieferanten der verschiedenen Komponenten gehören renommierte Firmen wie ABB Schweiz, Kabel Brugg oder Siemens Schweiz. Für die Bauarbeiten kamen mehrere Bauunternehmen der Region zum Zug. Lob spendeten Bauherrin und Generalplanerin der Standortgemeinde Niedergösgen für die unkomplizierte Zusammenarbeit.

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