Lostorf

Discomania auf dem Buechehof – die Open-Air-Disco der etwas anderen Art

Auf dem Buechehof in Lostorf steigt jeden Sommer eine Discomania: eine Party für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

Laute Musik ertönt aus den Boxen. Einige Gäste zeigen ihr Können auf der Tanzfläche. Andere stehen lässig an die Wand gelehnt. Die Barkeeper schenken Getränke aus. Szenen, wie sie sich auf jeder Party abspielen. Jene auf dem Buechehof ist wie jede andere. Und trotzdem anders: Die Discomania ist eine Party für Menschen mit und ohne Behinderungen. Hier können alle tanzen und Spass haben, ohne schräg angeschaut zu werden.

Organisator des Fests ist die Organisation Insieme Aarau-Lenzburg. Der Buechehof stellt die Infrastruktur zur Verfügung. Normalerweise findet die Party in Aarau statt. Für jeweils einen Abend im Sommer zügelt der Event nach Lostorf. Auch heuer haben die Veranstalter Wetterglück: Die Regenwolken haben sich verzogen, die Temperaturen am vergangenen Freitagabend sind angenehm. Die Party startet um 18 Uhr. Um 19.30 Uhr herrscht Hochbetrieb.

Es gibt spontane Breakdance-Einlage

Das Festgelände auf dem Buechehof ist in zwei Teile eingeteilt: Auf einem Vorplatz sind Festbänke, Kasse und Bar. Nebst Cola, Schorle und Mineral wird Bier ausgeschenkt. «Wir sind eine normale Party», sagt Buechehof-Leiter Andreas Schmid. Die üblichen Grenzen gelten: Wer zu jung ist oder Medikamente nimmt, erhält keinen Alkohol.

Weiter hinten, unter einem Dach, wird getanzt. Der DJ spielt Rock ’n’ Roll. Auf dem Weg dorthin treffe ich auf Sabrina Wohlfahrt. «Bist du zum ersten Mal hier?», fragt sie. Ich bejahe. Sie nicht: Die 24-Jährige wohnt und arbeitet auf dem Buechehof. An der Discomania ist sie bestimmt schon das sechste Mal. «Ich mag es, mit Kollegen zusammen zu sein. Die Musik gefällt mir auch.»

Für diese sind vier DJs zuständig. Einer davon ist Marcello Zufferli. Der 40-Jährige findet es einfach, DJ zu sein: «Man muss wissen, was die Leute hören wollen: Tanzmusik.» Schlagersongs wie «Atemlos» oder «Hulapalu» seien hoch im Kurs. Oder «YMCA» und «Macarena».

Der Himmel über dem Buechehof verdunkelt sich allmählich. Die Lichterketten kommen stärker zur Geltung. Es weht ein angenehmes Lüftchen. Auf der Tanzfläche geht es hoch zu und her: Latino-Klänge folgen auf Rock-’n’-Roll-Klassiker. Die DJs haben auch Abba oder die Backstreet Boys auf Lager. Viele Gäste tanzen. Alleine, zu zweit, im Kreis. Bei einem Rap-Song lässt sich ein Gast mit Down-Syndrom zu einer spontanen Breakdance-Einlage hinreissen. Und erntet dafür lautstarken Applaus.

Das Partyvolk ist bunt durchmischt: vom Jugendlichen mit Cap bis zum Senior mit Rollator. Leute von verschiedenen Institutionen aus den Kantonen Aargau und Solothurn sind da. Meist reisen sie mit den institutionseigenen Bussen an. Auch Leiter, Eltern und Bewohner sind anwesend. Einer der Gäste ist Sebastian Jackson. «Mir gefällt die Musik», sagt der 25-Jährige. Sei Anfahrtsweg war kurz: Er wohnt auf dem Buechehof. Von etwas weiter her kommt Cinzia Perri. Die 37-Jährige wohnt in Fislisbach AG und arbeitet bei der Stiftung Arwo in Wettingen. Tanzen war sie bisher nicht: An diesem Abend steht sie hinter der Kasse. Bei der letztjährigen Auflage der Discomania auf dem Buechehof hatte sie einen Auftritt: Zusammen mit dem Insieme Chor gab sie ein Konzert.

Während es dunkel wird, tanzen die Gäste auf dem Buechehof munter weiter. Bis um 23 Uhr. Dann, wenn andere Clubs ihre Türen öffnen, ist hier Schluss.

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Autor

Rahel Bühler

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