Nur wenige hundert Meter liegen zwischen den beiden Pfadis Gösgen und Schönenwerd. Doch während die Gösgener im Hoch sind, musste in Schönenwerd der Pfadibetrieb eingestellt werden. Und dabei ist es nicht einmal zu einer grossen Abwanderung in Richtung Niedergösgen gekommen. Wieso also die gewaltigen Unterschiede? Eine Spurensuche.

Gösgen: Eine Erfolgsgeschichte

Die Pfadi Gösgen floriert. Die Anzahl Mitglieder hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. 2016 zählte man noch deren 50, 2019 bereits 103. Und auch ein neues Pfadiheim wird es geben. Dieses ist momentan noch im Bau, Ende März findet das Aufrichtefest statt. Rundum eine Erfolgsgeschichte also.

«Wir sind sehr froh darüber, wie es im Moment läuft», findet denn auch Melina Aletti, Abteilungsleiterin der Pfadi. Sie betont aber auch: «Wir haben viel dafür getan.» So habe man beispielsweise in Werbung investiert. «Wir besuchen Schulen und sind auch an Dorffesten jeweils präsent.» Dadurch würde man die Pfadi mittlerweile gut kennen.

Und auch von einem weiteren Umstand profitiert die Pfadi Gösgen: Seit 2015 gibt es einen national organisierten Pfadi-Schnuppertag. Kinder können an diesem unverbindlich Pfadiluft schnuppern und werden so «gluschtig» gemacht. «Manchmal haben wir an diesem Tag mehr Schnupperkinder als Mitglieder», schwärmt Aletti.

Schliesslich kann sie noch einen weiteren Grund für den Erfolg nennen. Nämlich die Einführung der «Biberstufe». In dieser werden bereits die Kleinsten an die Pfadi herangeführt. Zwar habe man in dieser Stufe noch nicht allzu viele Mitglieder, doch spätestens bei der nächsthöheren Stufe würde man den Effekt spüren.

Wenn in so kurzer Zeit so viele Mitglieder dazugewonnen werden, verändert das eine Pfadi nicht auch? Tatsächlich habe es gar keine so grossen Veränderungen gegeben, findet Aletti. So habe man zwar zusätzliche Zelte für die Lager kaufen oder auch das Programm leicht anpassen müssen. Damit hat es sich aber auch schon. Die positiven Effekte des Wachstums würden klar überwiegen.

Schönenwerd: Im Niedergang

In Niedergösgen herrscht also rundum Zufriedenheit. Umso erstaunlicher ist deshalb, dass nur wenige hundert Meter weiter, jenseits der Aare in Schönenwerd, der Pfadibetrieb eingestellt werden musste. «Seit ungefähr zehn Jahren gingen unsere Mitgliederzahlen kontinuierlich zurück», erklärt Jan Braun, Präsident der Pfadi Schönenwerd. Vor rund drei Jahren habe man deshalb den Aktivbetrieb einstellen müssen. «Das Interesse ist einfach immer weiter gesunken.» Über die Ursachen kann Braun nur spekulieren: «Hört ein Kind auf, dann hat vielleicht auch sein ‹Gschpänli› keine Lust mehr, zu kommen.» Eine regelrechte Kettenreaktion also. «Und dann dem Ganzen wieder neues Leben einzuhauchen, ist nicht einfach.»

Braun übt sich aber auch in Selbstkritik: «Der Erfolg einer Pfadi steht und fällt mit den Leitern.» Mal habe man einen guten Jahrgang mit Leuten, die die Kinder motivieren könnten. Und dann wiederum gebe es Jahre, in denen es schwierig sei, die richtigen Leute zu finden. «Vielleicht haben wir es hier etwas verpasst, frühzeitig Gegensteuer zu geben», so Braun. Gleichzeitig relativiert er jedoch: «Wenn man die richtigen Leute nicht hat, kann man diese auch nicht aus dem Hut zaubern.»

Nun ist eine Fusion mit der Pfadi Gösgen angedacht, die Verhandlungen dazu laufen. Denn die Pfadi Schönenwerd hat nach wie vor zahlreiche Unterstützer, hauptsächlich ehemalige Pfadis. Die finanziellen Mittel und auch das Pfadiheim wolle man nun gewinnbringend einsetzen.