Die Baselbieter Gemeinde Anwil hat Land gekauft. Und zwar auf Solothurner Boden. In der Nachbargemeinde Kienberg beim Egghof des Landwirts Beat Nyffenegger soll auf 1111 Quadratmetern das neue Ammeler Reservoir zu liegen kommen. Das derzeitige Reservoir ist mit Baujahr 1912 in die Jahre gekommen.

«Das Reservoir ist schon über hundert Jahre alt. Die Betonqualität und die Armierungen waren damals nicht dieselben wie heute», wie der Anwiler Gemeinderat Peter Brügger erklärt. Die Kantonsbehörde war daher der Meinung, dass dieses nicht mehr instand gesetzt werden solle.

Stattdessen solle ein neues gebaut werden, das zugleich auch höher zu liegen kommt, um im Versorgungsnetz bessere Druckverhältnisse zu erreichen. «Aus diesem Grund waren wir gezwungen, in den Kanton Solothurn auszuweichen», sagt Brügger. «An den Hydranten braucht es einen bestimmten Minimaldruck, den wir in Anwil nicht haben.»

Altes Reservoir ungenügend

Das neue Anwiler Reservoir soll 640 Meter vom Kienberger Reservoir Kilchtal und 300 Meter vom bestehenden Anwiler Reservoir entfernt zu liegen kommen. Die Submission für die Unternehmer laufe bereits. «Wir werden in den nächsten Wochen anfangen zu bauen», so Brügger. Ausstehend seien noch die Werkverträge. Geplant sei, das Reservoir zwischen Februar und März des kommenden Jahres in Betrieb zu nehmen. Es soll über zwei Kammern mit einem Fassungsvermögen von je 250 m3 verfügen. Diese werden wie schon das bestehende Anwiler Reservoir mit Quellwasser der Fohrenbergquelle aus Kienberg und Oltingen gespeist.

Wie Brügger sagt, sei man mit dem bestehenden Reservoir zwar nie in Bedrängnis gekommen. «Aber das Problem ist, dass die Reservoirkammer relativ schnell leer ist. Ein Leck im Dorf muss innerhalb von fünf Stunden repariert sein.» Dieses Reservoir, das mit 150 m3 gemäss Vorgaben des Kantons eine ungenügende Kapazität hat, werde über kurz oder lang zurückgebaut. Da es sich in der Landwirtschaftszone von Anwil befindet, werde das Land wohl an einen Landwirt verkauft.

Gemeinsamer Wasserverbund

Vom neuen Anwiler Reservoir wird auch Kienberg profitieren. Zwischen Anwil und Kienberg entsteht mittels Leitungsverbindung zum Kienberger Reservoir ein kantonsübergreifender Wasserverbund. Die Verbindung werde parallel zum Bau des neuen Anwiler Reservoirs vonstattengehen, wie es vonseiten der Gemeinde Kienberg heisst. Diese werde die Versorgungssicherheit für Kienberg bereitstellen, die der Kanton Solothurn von allen Gemeinden verlangt.

Ausserdem verfügt Kienberg aktuell über 100 m3 zu wenig Löschwasserreserve. Innerhalb der generellen Wasserversorgungsplanung der Gemeinden wird rund alle zehn bis fünfzehn Jahre eine Gesamtrevision durchgeführt, wie Theo Schöni vom Solothurner Amt für Umwelt erklärt. In Kienberg wurde diese 2016 durchgeführt.

Das Kienberger Reservoir hat ein Fassungsvermögen von 400 m3, wovon 200 m3 Löschwasserreserve sind. In der Gesamtrevision der Wasserversorgungsplanung der Gemeinde Kienberg wurde festgestellt, dass die Löschwasserreserven um 100 m3 zu gering sind. Die Kontrolle des Löschwassers untersteht der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV).

Gesamtkosten 2 Millionen Franken

Da Anwil ein neues Reservoir erstellen will, wurde geprüft, ob hier Synergien für die gemeinsame Nutzung der Löschreserven bestehen. Anwil baut sein Reservoir nun 100 m3 grösser, Kienberg zahlt daran 100'000 Franken. Hierzu gibt es Beiträge des Kantons Solothurn. An den Unterhalt des Reservoirs muss Kienberg nichts beitragen. Laut Peter Brügger werden die Gesamtkosten für das neue Reservoir bei rund 2 Millionen Franken liegen; Kienberg leistet 160'000 Franken für den Leitungsbau des Wasserverbunds. Die SGV und der Kanton Solothurn zahlen daran noch erhebliche Beiträge.

Das Land, worauf das neue Reservoir zu stehen kommen soll, hat die Gemeinde Anwil dem Landwirt Beat Nyffenegger abgekauft. Wie Nyffenegger sagt, wurde er von der Gemeinde Anwil informiert, dass 640 Meter der Reservoir-Leitungen zudem über sein eigenes Land verlaufen würden. Die Rohre werden mit dem Traktor in den Boden eingepflügt. In seinen Augen ein geringfügiges Problem, wird diese Arbeit doch lediglich zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit kann er das fragliche Weideland nicht bewirtschaften. Er wird von den Gemeinden Anwil und Kienberg entschädigt.