«Da und dort regte sich in den Köpfen turnfreundlicher Männer und Jünglinge der Gedanke, sich turnsportlich zu betätigen», steht in der Chronik des Turnverein Dulliken (TVD). Gegründet wurde er schliesslich am 29. März 1909.

Einer, der damals zwar noch nicht dabei war, aber seit 55 Jahren im Verein tätig ist, ist Ernst Pfaff. Er ist mit 87 Jahren das älteste turnende Mitglied des Dulliker Vereins. Der ehemalige Lokführer ist seit 1964 im TVD tätig und amtete in den 1970er Jahren gar als Präsident. «Unser Verein hatte in der Vergangenheit immer wieder Hochs und Tiefs», blickt er zurück. Als Hoch bezeichnet der Pensionär die Jahre 1968 bis 1985. «Damals waren wir mit unserer Kunstturn-Riege im ganzen Kanton bekannt», blickt Pfaff nicht ohne Stolz zurück. In dieser Zeit gewann Dulliken zehn Mal die Vereinsmeisterschaft im Kunstturnen. Pfaff ist auch heute noch in der Männerriege aktiv: «Turnen fördert den Körper und die Gemeinschaft».

Herausforderung: Engagement

Der TVD besteht heute aus der Jugendabteilung, der Aktivriege, den Geräteturnern und dem Teamaerobic. Als Unterriegen mit eigener Kasse, Vorstand und Statuten fungieren die Männer- und die Frauenriege. Zusammen zählen die Riegen 270 Mitglieder.

Seit 2006 ist Christian Hug der oberste Dulliker Turner. Vor 13 Jahren hat er das Präsidium übernommen. Damals befand sich der Verein in einer Krise, gar eine Auflösung wurde diskutiert. Als grösste Herausforderung bezeichnet der 37-Jährige das Akquirieren von engagierten Personen: «Motivierte Leute halten den Motor eines Vereins am Laufen.» Ernst Pfaff erinnert sich: «Früher erhielten die Leiter als Lohn höchstens einen Geschenkkorb an der GV. Das ist heute anders.»

Eine dieser «jungen Wilden» ist die 22-jährige Katja Fölmi. «Ich bin ins Turnen hineingeboren», sagt sie. Ihre Eltern sind seit vielen Jahren aktive Turner. Nachdem sie alle Jugendriegen durchlaufen hat, ist sie seit 2011 als Aktivmitglied registriert. Seit 2017 ist sie zudem als Aktuarin im Vorstand, demnächst wird sie den Posten der TK-Chefin übernehmen. «Mir gefallen die polysportiven Aktivitäten und der gesellige Faktor des Vereinslebens», meint sie. Auch als Leiterin ist sie tätig. Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie die Jugendriege wieder aufgebaut. «Früher waren 70, 80 Mädchen in der Mädchenriege», bemerkt Ernst Pfaff. Als die Jugendriege im neuen Jahrtausend kurzzeitig eingestellt wurde, waren es noch vier Kinder.

Mittlerweile sind es wieder deutlich mehr. Christian Hug: «Die Schulen fördern das Turnen weniger.» So erklärt er sich das mangelnde Interesse von vielen Kindern. Ausserdem sei zudem das Angebot an Freizeitaktivitäten viel grösser geworden. «Wer in ein Fitnesscenter geht, zahlt zwar einen viel höheren Mitgliederbeitrag, muss sich aber nicht engagieren.» Viele Mitglieder würden dem Verein auch abspringen, wenn ein Wechsel in eine nächst höhere Riege ansteht. So bekunden verschiedene Riegen Mühe, junge Mitglieder zu finden.
Anlässlich des 75- und des 100-Jahr-Jubiläums wurde jeweils eine Vereinschronik erstellt. «Früher mussten die Turner eine Strafgebühr bezahlen, wenn sie nicht im Training erschienen», liest der Präsident amüsiert vor.

Egal ob jung oder alt, bei der Frage, was sie als Highlights des Turnerdaseins bezeichnen würden, nennen sie alle einstimmig die Turnfeste. Ernst Pfaff: «Am Eidgenössischen Turnfest 1978 in Genf musste ich als Oberturner einspringen. Das war vielleicht eine verrückte Zeit.» Beim Kantonalen Turnfest 2018 in Gösgen wirkte der TVD als einer der Mitorganisatoren. «Eine lässige Sache war das », ist Christian Hug überzeugt.

Beim Turnen, so sind sich die drei Athleten einig, geht es denn auch nicht nur um den Sport an sich: «Wir sind auch Netzwerker.»