Wieslaw Reglinski

Der fliegende Pfarrer von Gretzenbach verabschiedet sich

Pfarrer Wieslaw Reglinski steht vor einem Sportflugzeug auf dem Flughafen Samedan.

Sechs Jahre hat Wieslaw Reglinski in Gretzenbach als Pfarrer gearbeitet. Jetzt zieht der Sportpilot und Geistliche weiter.

Pfarrer Wieslaw Reglinski steht vor dem Pfarrhaus in Gretzenbach und schaut in den Himmel: «Diese Wolken liegen auf 3500 Fuss. Ich fliege meistens 500 Fuss höher. Es wäre leider kein guter Tag zum Fliegen.» Er lacht schelmisch und lässt sich noch von einer App bestätigen, dass heute die Flugbedingungen nicht ideal sind. «Als Sportpilot kann ich nur Sichtflüge machen und darf deshalb nicht durch die Wolken fliegen.»

Der 52-jährige Pfarrer wollte ursprünglich Pilot werden. Aber in den 1980er-Jahren in Polen, wo er aufgewachsen ist, hätte er zuerst eine militärische Ausbildung absolvieren müssen, bevor er Pilot in der zivilen Luftfahrt geworden wäre. «Eine militärische Laufbahn unter dem kommunistischen Regime bedeutete, dass ich meinen Glauben und die katholische Kirche hätte aufgeben müssen», sagt Reglinski. Dies stand ausser Frage.

Die katholische Kirche hatte im kommunistischen Polen die Regimegegner unterstützt. Viele Priester wurden deswegen von der Regierung bedroht und manche ermordet. «Mich hat den Mord an Jerzy Popiełuszko 1984 stark geprägt», erinnert sich Reglinski. Dieses Verbrechen hatte ihn dazu bewogen, Priester zu werden. «Sanguis martyrum semen christianorum est – das Blut der Märtyrer ist der Samen für neue Christen», meint der Theologe.

Gelebte Ökumene in Weissrussland

Reglinski besuchte in Warschau das Priesterseminar. Während dieser Zeit drückte er nicht nur die Schulbank, sondern absolvierte ein Sozialpraktikum in einem Altersheim. 1993 arbeitete er als Seminarist in der Stadt Mahiljou in Weissrussland. An diese Zeit denkt er noch heute oft zurück: «Es war sehr beeindruckend, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten, die einen regelrechten Durst nach religiösen Erlebnissen hatten.» Unter dem kommunistischen Regime durfte man den Glauben nicht offen leben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 war das Interesse an den Kirchen gross.

Dieser Aufenthalt hat ihm auch die Stärken der ökumenischen Zusammenarbeit gezeigt. «In Mahiljou gab es nicht genügend Bibeln in russischer Sprache. Schwedische Protestanten haben diese schliesslich der katholischen Kirche gespendet.» Auch die religiösen Feiertage wurden mit anderen Konfessionen begangen. Noch heute spielt die Ökumene eine wichtige Rolle in seinem Wirken: «Mir war es auch hier im Niederamt wichtig, dass die Ökumene und der interreligiöse Dialog gelebt werden.»

Nach seiner Ausbildung zum Priester arbeitete Reglinski für zwei Jahre als Kaplan in Warschau und begann im Anschluss sein Studium in Kirchen- und Zivilrecht in Rom. Um sich das Studium finanzieren zu können, arbeitete er in den Semesterferien jeweils als Aushilfspriester in Kanada und in der Schweiz. In Kanada machte er schliesslich auch sein Pilotenbrevet.

Der erste Kontakt mit der Schweiz entstand, als er in Huttwil im Kanton Bern als Sommeraushilfe arbeitete. 2013 trat er dann seine Stelle im Niederamt an. Jetzt, nach genau sechs Jahren als Gemeindeseelsorger und Pastoralraumleiter, wird er die Stelle verlassen. Das bedauert er: «Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt.» Er habe die Zusammenarbeit in seinem Team sehr geschätzt. Das Taizé-Treffen 2017, bei dem viele Niederämter Personen Jugendliche aus ganz Europa bei sich aufgenommen haben, bleibt ihm besonders in Erinnerung.

In Zukunft wird er am Kirchengericht in Solothurn arbeiten. Da er die Arbeit als Seelsorger sehr schätzt, wird er in einem Teilzeitpensum zusätzlich leitender Priester in Bettlach und Grenchen sein. In dieser Funktion darf er die Menschen eng begleiten, sei es bei einer Taufe oder einem Todesfall. «Es ist ein Beruf, der nahe am Leben ist und verschiedene Facetten beinhaltet. Generalist zu sein, ist sehr schön.»

Bald wird er in Bettlach in das Pfarrhaus ziehen. «Es ist im Stil des Brutalismus gebaut. Das ist etwas Neues für mich», sagt er und lacht. Reglinski mag das Neue. Auch in der katholischen Kirche: «Die Kirche muss mit den Entwicklungen in der Gesellschaft mitgehen.» Die Erneuerungen dürften aber nicht aus einer Angst heraus entstehen, dass man sonst keine Mitglieder mehr habe. «Die Veränderungen müssen aus Überzeugung passieren. Die Fragen sollen lauten: Was würde Jesus in der heutigen Welt machen? Was ist der Wille Gottes?»

Wenn er sich nicht gerade um seine Pfarrei kümmert, ist er in der Luft. Manchmal nimmt er auch Freunde auf einen Rundflug mit. Ob er in Zukunft vom Flughafen Grenchen aus starten wird?

Der Abschiedsgottesdienst findet am Sonntag, 1. September, um 10.15 Uhr in der Kirche in Gretzenbach statt.

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Autorin

Judith Frei

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