Lostorf

Der Bio-Setzlingsmarkt im Buechehof ruft zum Fest der Sinne

«Black Cherry, Datterino oder Peruanische Wildtomate?» Die Auswahl am Tomatenstand im Buechehof löst Diskussionen aus.

«Black Cherry, Datterino oder Peruanische Wildtomate?» Die Auswahl am Tomatenstand im Buechehof löst Diskussionen aus.

Tomaten, Gemüse, Kräuter und Blumen: Über 1'000 Personen besuchen am Samstag den Bio-Setzlingsmarkt in der sozialtherapeutischen Einrichtung Buechehof in Lostorf.

«Gärtner sind Frühaufsteher»: Andreas Schmid, Heimleiter des Buechehofs, weiss es aus Erfahrung. «Von 8 Uhr an stehen die Leute da.» Schmid ist am Samstag an einer der zwei Kassen im Einsatz. Gegen halb elf am Vormittag ist die erste Beige von 250 Bezugsscheinen aufgebraucht, am Schluss des Markts um 15 Uhr werden es um die 400 sein.

Oft kaufen Familien und kleine Gruppen gemeinsam ein, sodass am Samstag wohl über 1000 Personen den Markt der sozialtherapeutischen Einrichtung in Lostorf besucht haben. Und beim Hofladen sind Setzlinge auch noch am Abend, am Sonntag und unter der Woche zu haben.

Weitherum bekannt

Seit der ersten Durchführung im Jahr 2010 hat sich der Bio-Setzlingsmarkt am zweiten Mai-Wochenende zu einem Renner entwickelt. Dieses Jahr animierte auch das Wetter zum Ausflug in den Buechehof: Nicht fifty Shades of Grey, sondern siebenundsiebzig Schattierungen Grün locken jetzt in die ländliche Umgebung am Fuss des Dottenbergs zwischen Lostorf und Mahren. Wobei der Buechehof-Leiter die Rolle des Sonnenscheins relativiert: «Die Gärtner sind wetterresistent. Wir hatten auch schon strömenden Regen, und sie sind trotzdem gekommen.»

Ein guter Teil der Setzlingsmarkt-Besucher komme aus Lostorf, meint Andreas Schmid, aber der Kundenkreis gehe wohl über Aarau und Olten hinaus. Das ist untertrieben: Die Autos, die zum geordneten Parkieren an der Mahrenstrasse eingewiesen werden, tragen Schilder mit den Buchstaben SO, AG, BL und BE.

Lieber als im Grossverteiler

Was sie alle im Buechehof suchen? «Tomaten, Thai-Basilikum», antwortet Corinne Spring aus Lostorf. «Und Rosmarin, denn der ist bei mir kaputtgegangen. Aber nur, weil ich ihn im Winter vergessen habe», betont sie. Dazu bringt sie noch eine Prunkwinde nach Hause, eine Kletterpflanze: «Die ist einjährig, das ist praktisch.»

Corinne Spring deckt sich im Buechehof ein, weil es hier Bio- und Demeter-Setzlinge gibt. Aber auch, weil sie die Institution toll findet: «Ich gebe mein Geld lieber hier aus als im Grossverteiler.»

Während im Hintergrund die Buechehof-Kühe beim Grasfressen schnaufen und ein Dreikäsehoch fasziniert ein spitzes Kuhhorn zu fassen versucht, wählt Riet Callebert aus Olten am Tomatenstand aus, was bald an ihrer Hausmauer wachsen soll: In den Einkaufskorb kommen die Sorten Ochsenherz, St-Pierre, Cherry-Zuckertraube, Berner Rose. Damit ist Tochter Tine (6) noch nicht zufrieden, sie wünscht sich «Froschkönigs Goldkugel»: Damit wird das violett-rote Farbenspektrum durch eine gelbe Sorte erweitert.

Beratung für den Bio-Gärtner

Gesprächsfetzen und prüfende Blicke lassen darauf schliessen, dass hier viele Garten-Experten anzutreffen sind. Anfängern bietet der Markt Beratung: Renato Bonetti aus Winznau gibt als Vertreter des Vereins Bioterra Ratschläge für einen naturnahen, biologischen Gartenbau.

«Damit nicht nur der Mensch, sondern auch andere etwas davon haben, zum Beispiel die Wildbienen», erklärt er. Wobei: Salat, Kohl und Tomaten würden die Leute schon gern selber ernten und nicht den Schnecken überlassen.

Was tun, ohne auf Gift zurückgreifen zu müssen? «Nicht am Abend giessen, sondern früh am Morgen», empfiehlt Bonetti. Überhaupt: Nicht jeden Tag giessen, sondern nur wenns nötig ist. Auch lockeren Boden haben die Schnecken nicht gern. Gesunde, robuste Setzlinge wählen, denn die Schnecken stürzen sich auf die schwachen.

Für Einzelpflanzen hat der Bioterra-Mann Schutzbarrieren im Angebot, auch eine Schneckenzange, um die Mitesser einzeln aus dem Beet hinauszukomplimentieren. Ganz machtlos sind also auch jene nicht, die auf Bio im eigenen Garten Wert legen. Aber Bonetti gibt zu: «Das Wunderrezept gibt es nicht.»

Farben, Duft und Klang

«Die Leute füllen hier ihren Gemüsegarten und nehmen nebenbei noch Blumen mit», analysiert Heimleiter Andreas Schmid ein typisches Einkaufsverhalten. Dieses Jahr seien mehr Blumen als früher gekauft worden, berichtet er am Abend: «Es hat sich herumgesprochen, dass wir ein grosses Angebot an Blumen haben.»

Im Setzlingsstadium hält sich die Farbenpracht noch in Grenzen. Als Ersatz muss in diesem Bericht der Klang von ein paar Gemüse-, Kräuter- und Blumennamen genügen: Melothria, Babura, Tomatillo, Andenbeere, Forellensalat, Hopi-Popi, Abend-Levkoje, Goldmohn, Mandelröschen. Wer die Spanische Jungfer näher kennenlernen oder in den Venusspiegel blicken möchte: Nächsten Mai ist wieder Bio-Setzlingsmarkt im Buechehof.

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