Gretzenbach

Das «Tröchni-Huus» bleibt für immer kalt – vorrätige Produkte gibts noch bis Ende Jahr

Freunde von getrocknetem Obst, gedörrten Kräutern, Früchten und Gemüse müssen sich in dieser Saison selbst organisieren. Das «Tröchni-Huus» in Gretzenbach produziert nicht mehr. Bis Ende Jahr werden die noch vorrätigen Artikel verkauft.

Seit 1987 hat das Ehepaar Rita und Daniel Windisch in Gretzenbach – zuerst noch an der Bielackerstrasse und ab 1993 an der Sängetelstrasse 35 – für sich selbst und Kundschaft von weitherum Früchte, Kräuter, Gemüse und Obst getrocknet. Die verschiedenen Öfen im Laufe der Jahrzehnte liefen zusammen weit über 100'000 Stunden und trockneten jedes Jahr zwischen 20 bis 25 Tonnen an überzähliger Ernte aus Haus und Hof, die für die nächsten Monate und gar Jahre mittels althergebrachtem Trocknungsverfahren für lange Zeit haltbar gemacht werden sollte.

Bereits im Jahre 2007 hängte die Niederämterin ihren Job als Handarbeitslehrerin an den Nagel und widmete sich vollumfänglich den Arbeiten im Tröchni-Huus. Denn die Saison begann jeweils im Mai mit ersten Kräutern. Bald schon folgten die Erdbeeren. Und nach kurzer Pause folgten Aprikosen, Bohnen, Tomaten, Zwetschgen, Äpfel und Birnen und viele andere Trockengüter auf dem Trocknungsprogramm bis gegen Weihnachten.

Aus dem Hobby entstand Beruf und Existenz

Ferien waren so kaum möglich und auch vom Haus kam das Paar, das von vielen befreundeten und langjährigen Helfern unterstützt wurde, in dieser Zeit kaum weg. Auf der von Daniel Windisch zusammen mit dem Kältetechniker Beat Pulver aus Gümligen entwickelten Anlage entstand aus dem ursprünglichen Hobby zusammen mit Ehefrau Rita fast ein Beruf und eine Existenz, denn der Bedarf war gross und die nötige Kundschaft vorhanden.

Rita und Daniel Windisch im Jahr 2015

Rita und Daniel Windisch im Jahr 2015

Im Jahr 1997, nachdem der erste Trocknungsofen nach rund 47'000 Stunden und aller Arbeit im Nebenamt den Geist aufgegeben hatte, wagte das Paar den Schritt, in eine neue Anlage zu investieren. Technisch gesehen handelte es sich um eine Trocknungsanlage, die mit einem modifizierten Luftentfeuchter arbeitete, wie er etwa beim Wäschetrocknen gebraucht wird. Im Jahr 2015 musste dieser einige Anpassungen über sich ergehen lassen, weil das damalige Kältemittel ab dann nicht mehr erlaubt war.

Ein «Vorzeigebetrieb» für den Anlagebauer

Bereits damals war klar, dass dies die letzten grossen Modifikationen für das Gerät sein werden, ehe es für die Betreiber Richtung Ruhestand gehen würde. Das Tröchni-Huus war für den Anlageerbauer Beat Pulver stets ein Vorzeigebetrieb für seine Geräte. So fanden sich auf dem Betrieb auch Besucher aus Frankreich oder Italien genauso wie von Ghana oder Burkina Faso ein, für die Probetrocknungen auch von exotischen Früchten wie Mango, Ananas oder Bananen durchgeführt wurden. Aber auch namhafte Schweizer Firmen liessen sich hier die Technik vorführen, wie aus dem Trocknungsgut langhaltbare Lebensmittel entstehen können, die gleichermassen den guten Duft wie auch ursprüngliche Farbe bewahren.

Jedes Jahr wurden hier mittels dem Trocknungsverfahren bei einer Temperatur von zumeist 40 Grad Celsius und viel Lufteinsatz auf den über 40 grossen Gitterblechen bis zu 25 Tonnen an Gaben der Natur getrocknet. Dabei wird dem Trockengut so viel Feuchtigkeit entzogen, dass aus etwa einem Kilogramm an Früchten nach mindestens drei Tagen Trocknungszeit noch rund 100 Gramm getrocknete und lange haltbare Delikatessen übrig bleiben.

Nach dem Tode ihres Mannes Ende 2017 hat Rita Windisch mit ihrem Helferteam den Betrieb pausenlos weitergeführt, aber bereits 2018 am Gretzenbacher Dorfmäret verkündet, dass sie den Betrieb langsam weiterzugeben gedenke. Mit ihren 67 Jahren befindet sich Rita Windisch bereits über dem üblichen Pensionsalter. Denn nebst aller Arbeit des Trocknens gesellte sich stets auch das Vorbereiten der angelieferten oder eigenen Waren und das Abfüllen der getrockneten Leckereien. Zudem wollten die vielen verschiedenen Produkte – teils auch von Gemüse- und Obstbauern in der Region zugekauft – auch an Märkten in der näheren und weiteren Region, über die Vermarktungsorganisation so.natürlich und im eigenen Hofladen verkauft sein. Auch standen immer wieder Besucher-Führungen und die Pflege des eigenen Kräutergartens auf dem Programm.

Anlage wurde nach Solothurn verkauft

Bereits in diesem Frühjahr konnte nun für die professionelle Trocknungsanlage eine Lösung innerhalb des Kantons gefunden werden. Die grosse Anlage wurde ausgebaut und im Juni an ihrem neuen Standort in der Gärtnerei der Stiftung Solodaris in Solothurn bereits wieder in Betrieb genommen.

Bis Ende Jahr läuft der Verkauf der vorrätigen Tröchni-Huus-Artikel noch weiter. So viel wie möglich der weit über 50 verschiedenen getrockneten Produkte sollen an Märkten und im Hofladen, der jeweils dienstags und freitags von 18 bis 20 Uhr geöffnet hat, über den Ladentisch gehen.

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