Dürrezeit vorbei?

Dank dem Regen der vergangenen Tage atmen Niederämter Bauern auf

André Erni aus Stüsslingen hat seine Obstbäume über Vernebler bewässert. Besonders Jungbäume hätten sonst im regenarmen Juli einen schweren Stand gehabt.

André Erni aus Stüsslingen hat seine Obstbäume über Vernebler bewässert. Besonders Jungbäume hätten sonst im regenarmen Juli einen schweren Stand gehabt.

Mit der Klimaerwärmung ist Trockenheit ein Dauerthema. Die jüngsten Niederschläge kühlen die Lage in der Region provisorisch ab.

Der Regen hat Martin Peiers Feld aus Lostorf gerettet. In der Nacht des ersten Augustes geriet nämlich sein Stoppelfeld am unmittelbaren Dorfrand in Flammen. Zwar reagierte die Feuerwehr unverzüglich, nach stündigem Einsatz konnte sie die Schläuche wieder zusammenrollen. Aber Kommandant Manuel Guldimann erklärte, dass vor allem der Regen verhinderte, dass sich der Einsatz erschwerte und der Brand verheerende Schaden anrichtete. Wegen der im Juli anhaltenden Trockenheit hätte die Lage düsterer aussehen können.

Doch die Niederschläge der vergangenen Tage haben nicht nur Martin Peiers Feld vor dem gänzlichen Abbrennen bewahrt: Sie haben die gesamte Region entlastet. Der Kanton hat am 4. August den fünf Tage zuvor ausgesprochenen Feuerverbot aufgehoben. Mit dem Regen atmen die Niederämter Bauern auf.

Die jüngste Trockenheit ist nicht lange her

Anfang Juli waren sie noch froh um den blauen Himmel und die trockene Wetterlage: Dadurch konnten sie ungestört das Getreide dreschen. Die Ernte war gut. Die Trockenheit hielt aber an. Eine weitere, die Jüngste ist erst im April her, als der abgetrocknete Sihlsee im Kanton Schwyz einer Wüstenlandschaft ähnelte und die Fricktaler Obstbäume verdorrten. Das Amt für Umwelt des Kantons Solothurns gab an, dass es im April so gut wie nicht regnete. Die hiesigen Bauern machten sich Sorgen um ihre Produktion, wie etwa Toni Bucher aus Stüsslingen. Damals hatte sich die Lage «auf den letzten Drücker» entspannt.

Sein Fachkollege André Erni, Präsident des landwirtschaftlichen Vereines Niederamt und Obstbauer im selben Dorf, hat in den vergangenen Wochen die Trockenheit gespürt. «Wir haben gesehen, wie unsere Jurasüdhänge immer brauner wurden.» Beim Gemüsebau etwa war Neupflanzen nur mit Bewässern möglich. Aber am schwierigsten hatten es jene Bauern, die nach der Getreideernte Gras sähen zur Futterproduktion für die Viehzucht: «Landwirte mussten entweder warten mit sähen oder zusehen, wie nichts wuchs. Ich kann mir vorstellen, dass einige ins Schwitzen geraten sind.» Martin Peier in Lostorf bestätigt, dass es bis vor kurzem an der Futterproduktion haderte.

Langsam keimt der angesäte Gras nach der gelungenen Getreideernte.

Langsam keimt der angesäte Gras nach der gelungenen Getreideernte.

Willkommene Gewitter am Nationalfeiertag

Am 1. August platzten die ersten Gewitterwolken und der Regen kühlte die Luft und die Gemüter. Gemäss André Erni sind 40 Liter pro Quadratmeter gefallen. «Es gab keinen Sturm, dafür länger andauernde Niederschläge.» Das ermöglichte dem Boden, das Wasser aufzunehmen. Auch Urs Kilchenmann vom Amt für Landwirtschaft erklärt, dass der Regen vor allem den Wiesen, dem neu angesäten Gras und Zwischenkulturen half. Allerdings sei es schwierig, eine Aussage über den ganzen Kanton zu machen, da die Niederschläge lokal sehr unterschiedlich ausfielen. «Auf den Sömmerungsweiden im Jura und auf den übrigen Weiden wurde das Gras sicher langsam knapp.

Insgesamt fielen die bisherigen Futtererträge aber gut aus, so dass sich dieses Jahr kein trockenheitsbedingter Mangel abzeichnet». Doch die Erlösung bleibt fragil. Die nächsten Tagen werden heiss und trocken sein. Gegen Dürrezeiten müssen sich Bauern immer mehr wappnen: «Seit Jahren haben wir immer wieder extreme Temperaturen. Wir müssen uns anpassen», sagt Erni. Zum Beispiel durch Bewässerungsanlagen. Der Schweiss wird jedoch den Bauern im wörtlichen und im übertragenen Sinne klimabedingt noch lange nicht versiegen.

André Herni, Präsident des landwirtschaftlichen Vereins Niederamt und Obstbauer in Stüsslingen.

André Herni, Präsident des landwirtschaftlichen Vereins Niederamt und Obstbauer in Stüsslingen.

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