Kritischer Zustand

Borkenkäfer, Trockenheit und Sturmschäden: Der Niederämter Wald leidet

Die Baumkronen im Niederämter Wald haben sich bereits verfärbt. Viele Buchen werfen schon jetzt ihr Laub ab.

Der regionale Forstbetrieb hat den Zustand des Waldes im Niederamt analysiert. Und warnt Spaziergänger vor dem Betreten der Wälder.

Der Wald im Niederamt ist in kritischem Zustand. Die Bäume sind stark geschwächt. Zu diesem Schluss kommt die Analyse der Forstbetriebe Niederamt. Die beiden Revierförster der Forstbetriebe Niederamt, Daniel Kleger und Markus Lüdi, beantworten die drängendsten Fragen:

Wie schlecht geht es den Wäldern im Niederamt?

«Der Wald stirbt nicht von heute auf morgen. Aber wir haben ein enormes Problem», sagt Markus Lüdi. Seit einigen Wochen würden etwa die Buchen vorzeitig ihr Laub abwerfen. In den Baumkronen seien bereits vertrocknete Äste zu sehen. Seit vergangenem Herbst analysieren die Forstbetriebe darum alle zwei Wochen die Situation im Niederamt.

Ist der Sturm Burglind Schuld am schlechten Zustand?

Die Schäden durch den Wintersturm Burglind und die Nachfolgestürme waren laut Daniel Kleger zwar schlimm. Schliesslich fielen im Forstrevier Niederamt rund 12 000 Kubikmeter Schadholz an. Doch der Sturm alleine sei nicht der Grund: «Die Kombination mehrerer Faktoren bringt das Fass nun zum Überlaufen», sagt Kleger. Dazu gehöre die ausgeprägte Trockenheit, die nach dem extremen Sommer von 2018 nun erneut herrsche.

«Ausserdem leiden die Fichten und Tannen in unseren Wäldern unter einem starken Befall an verschiedenen Borkenkäfern», sagt Kleger. Die Buchdrucker, Kupferstecher, Krummzähnigen Tannenborkenkäfer und Waldgärtner würden sich aufgrund der Dürre ausserordentlich vermehren.

Welche Massnahmen können ergriffen werden?

«Anfang August würden wir eigentlich mit dem Fällen von befallenen Bäumen anfangen», so Kleger. Diese müssten sie dann entrinden. Anschliessend würden die Rinde-Stücke verbrannt, um der Borkenkäfer-Population entgegenwirken zu können. Doch die Arbeit muss warten: «Wir stecken in einer Zwickmühle. Einerseits müssen wir den Wald schützen, andererseits können wir das Holz nicht verkaufen.» Der Grund: In Mitteleuropa leiden fast alle Regionen an Waldschäden durch Trockenheit und Käferbefall.

Die Marktsituation sei dementsprechend angespannt: «Die Lager der Sägewerke sind übervoll», erklärt Lüdi. Ohne Holzverkauf würden die finanziellen Mittel für die Aufforstung der gerodeten Flächen im Wald fehlen. Die Forstbetriebe der einzelnen Regionen hätten sich darum schon mehrmals zu Sitzungen getroffen. «Bei allen ist eine gewisse Ratlosigkeit da», sagt Kleger. Die finanzielle Belastung für die Forstbetriebe und Waldeigentümer sei gross. Zusammen mit anderen Gemeinschaften sei man nun auf der Suche nach praktikablen Lösungen.

Worauf müssen Spaziergänger achten, die im Wald unterwegs sind?

Bisher mussten die Niederämter Forstbetriebe noch keine Waldabschnitte sperren. Lüdi appelliert aber an die Spaziergänger: «Jeder muss Eigenverantwortung übernehmen.» Darum sei es nicht ratsam, sich bei starkem Wind im Wald aufzuhalten. Schliesslich würden verdorrte Äste gerade entlang öffentlicher Wege und Strassen ein Sicherheitsrisiko darstellen. Lüdi ergänzt: «Noch ist die Entwicklung aber nicht abgeschlossen und wir können das ganze Ausmass der Schäden noch nicht abschätzen.»

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