Niederamt

Besuche im Altersheim sollen möglich bleiben – ausser bei Quarantäne

Im Altersheim Mühlefeld in Erlinsbach müssen Besuche angemeldet werden. Zwei Angehörige dürfen pro Tag für 90 Minuten vorbeikommen.

Im Altersheim Mühlefeld in Erlinsbach müssen Besuche angemeldet werden. Zwei Angehörige dürfen pro Tag für 90 Minuten vorbeikommen.

Niederämter Altersheime wollen Besuchsverbote vermeiden. Der Kanton hat indes strenge Auflagen verhängt.

Was bedeuten die verschärften Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus für die Bewohnerinnen und Bewohner von Alterszentren und deren Angehörigen? Auf die Frage, ob Besuche in Altersheimen und Spitälern weiterhin möglich bleiben, sagte Alain Berset an der Medienkonferenz vom Mittwoch: «Die Besuche in Altersheimen zu regeln, ist wirklich Sache der Kantone.»

Der Bundesrat empfiehlt aber keine Schliessungen. Es gebe vielleicht Gründe in einzelnen Kantonen oder Regionen für gewisse Begrenzungen und Regelungen. Eine Ansteckung in einem Altersheim könne sich sehr stark verbreiten. Berset dazu: «Ich erinnere hier, eine Ansteckung bei über 80-Jährigen führt in 15 Prozent der Fälle zum Tod.» Man müsse aufpassen, doch der Bund spreche hier– wie auch im März – keine Regelung aus.

Bewohner vom Brüggli in Dulliken in Quarantäne

Bei einem Anruf im Alters- und Pflegeheim Brüggli in Dulliken stellt sich heraus: Alle Bewohnerinnen und Bewohner befinden sich unter Quarantäne und in ihren Zimmern. Der Institutionsleiter Pascal Storck sagt: «Eine Person wurde positiv auf das Coronavirus getestet und befindet sich nun im Spital.» Alle Bewohner würden jetzt in ihren Zimmern versorgt, voraussichtlich während zehn Tagen. Die Besuche sind vorläufig ausgesetzt. Personen, bei denen ein Verdacht auf eine Ansteckung bestehe, werde man testen. «Wir testen jetzt aber nicht einfach alle Bewohner und Mitarbeiterinnen.» Aufgrund der Inkubationszeit von mehreren Tagen wäre das nicht zielführend, sagt Storck.

Auch die Mahlzeiten nehmen die Bewohnerinnen in ihren Zimmern ein. Alle Mitarbeitenden seien entsprechend informiert und geschult. Auch würde das Team der Aktivierung und Alltagsgestaltung alle Bewohner täglich in ihren Zimmern besuchen. «Wir hatten bereits im Frühling Fälle bei uns im Haus. In der aktuellen Phase ist das aber der erste Fall.» Bis vor kurzem seien angemeldete und zeitlich beschränkte Besuche möglich gewesen. Man müsse jetzt abwarten und schauen, wie sich die Situation entwickle. Storck sagt, man prüfe auch den Einsatz von speziellen Gesprächsboxen, um Besuche wieder zu ermöglichen.

Zudem stehen Kontakte mit Angehörigen im Freien, getrennt durch einen Zaun, zur Debatte. Grundsätzlich sei man gegen flächendeckende Besuchsverbote. Storck dazu: «Wir hoffen, dass Besuche unter Berücksichtigung der erarbeiteten Schutzkonzepte weiterhin möglich bleiben.»

Strenge Besuchsauflagen im Alterszentrum Mühlefeld

Mirko Rauch ist Geschäftsleiter vom Alterszentrum Mühlefeld in Erlinsbach. Auch hier gelten für alle Mitarbeitenden und Besucherinnen strikte Schutzvorkehrungen. «Besuche müssen angemeldet werden, es können maximal zwei Angehörige pro Tag und Bewohner während 90 Minuten vorbeikommen.» Weiter erklärt Rauch: «Weil bei uns und auch in anderen Institutionen bereits länger strengere Regeln gelten als anderswo, betreffen uns die neuen Verschärfungen des Bundes nicht direkt.»

Man nehme sie aber zur Kenntnis. Rauch ist froh, wenn es nicht wieder zu Schliessungen kommt. Eine Situation wie im Frühling wolle man unbedingt vermeiden. Die Bewohnerinnen hätten unter den verordneten Kontaktverboten damals sehr gelitten. Rauch sagt: «Es entstehen nicht nur Schäden bei einer Infektion. Die Bewohner sind hier zu Hause. Stellen Sie sich vor, jemand verbietet Ihnen zu Hause Besuche.»

Direkter Kontakt ist wichtig

Der direkte Kontakt mit vertrauten Personen sei speziell für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wichtig. «Wenn diese Begegnungen wegfallen, machen diese Menschen zu und bauen schnell weiter ab. Das erlebten wir im Frühling. Wir hoffen, dass es nicht wieder so weit kommt.»

Ein durch den Kanton verordnetes Kontaktverbot, wie es der Kanton Luzern kenne, würde Rauch Sorgen bereiten: «Wir alle konnten in den letzten Monaten Erfahrungen sammeln und uns auf die Situation einstellen.» Er glaubt, dass die geltenden Schutzmassnahmen genügen.

Kanton möchte Besuche weiterhin ermöglichen

Der Kanton Solothurn setzt punktuell zwar noch strengere Massnahmen um als der Bund. Wie die Staatskanzlei an einer Medienkonferenz bekanntgibt, sollen Besuche in Spitälern sowie Alters- und Pflegeheimen aber weiterhin möglich bleiben. Allerdings seien dazu weitere Schutzmass­nahmen nötig. Das Amt für Soziale Sicherheit hat zusammen mit der GSA, der Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime, folgende Punkte festgelegt: Ab sofort sind keine Angehörigenbesuche auf den Zimmern mehr möglich. Besuche können nur noch in definierten Sektoren und unter Anwendung strenger Schutzmassnahmen stattfinden.

Bistros und Cafés von Alters- und Pflegeheimen sind für Externe ausnahmslos zu schliessen. Zudem seien die Bewegungen von Bewohnenden ausserhalb der Institutionen möglichst stark einzuschränken und auf Arztbesuche oder Ähnliches zu beschränken.

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