Amazon, Radbag, Geschenkidee: Onlineshops, die Geschenkartikel anbieten, gibt es wie Sand am Meer. Mit Gadget Baron kam im Dezember 2017 ein Neuer dazu. Das Spezielle: Das Start-up-Unternehmen bietet nur Artikel für Männer an.

Die Idee kam Mitgründer Manuel Blattner, als er auf der Suche nach einem Geschenk für einen Freund war. «Ich konnte nichts finden», berichtet der Automechaniker. Seit mittlerweile drei Jahren führt er mit Automechatroniker Lukas Büchli die Autowerkstatt Meilenweit in Wöschnau. Inzwischen beschäftigt die Werkstatt fünf Mitarbeiter. Vor einem Jahr hätten sie ihr Erspartes, das sie mit der Garage verdient hatten, in die Gründung von Gadget Baron investiert.

Gadget Baron – das sind drei junge Männer und ein kleiner Lagerraum im Hinterzimmer der Autowerkstatt. Seit diesem Sommer ist Bruno Flütsch neben den beiden 27-Jährigen der Dritte im Bunde. In einer Preisspannweite von drei bis 3000 Franken verkaufen sei Artikel für «echte Männer» und «Gentlemen». «Zu Mann, um zahm zu sein», lautet ihr Slogan. Die Bedeutung dahinter: «Wir möchten wild und frei sein, aber gleichzeitig auch Verantwortung übernehmen und einem Ziel, einer Vision nachgehen», berichten Flütsch und Blattner.

Kundenbindung und Nachhaltigkeit

Viele der eingangs genannten Shops bieten verschiedene Rubriken an, darunter auch solche für Männergeschenke. Damit drängt sich die Frage auf: Braucht es wirklich einen auf Männerprodukte spezialisierten Online-Shop? Wenn man den jungen Unternehmern Glauben schenkt, lautet die Antwort Ja: «Wir haben erlesene, stilvolle und qualitativ hochwertige Produkte im Angebot, die dem Kunden lange Freude bereiten sollen.» Bei Gadget Baron gäbe es nur Gegenstände zu kaufen, hinter denen die Betreiber voll und ganz stehen können: «Wir vertreiben fair und regional hergestellte Ware.»

Ausserdem wird bei Gadget Baron laut den Betreibern die persönliche Bindung zum Kunden und Nachhaltigkeit grossgeschrieben. «Wir legen jeder Bestellung ein handgeschriebenes Dankeskärtchen bei. Es ist uns wichtig, dass man uns bei Unstimmigkeiten persönlich kontaktieren kann», sagt Flütsch. Dies im Gegenteil zu den grossen Online-Händlern, die Ware aus China anböten und zentral organisiert seien. «Wir möchten die Kunden mit unseren Artikeln berühren und ihnen ein Stück von uns weitergeben.» Die Philosophie von «Gadget Baron» steht, geht über die Geschenkartikel hinaus: «Viele Männer wissen nicht mehr, wer sie sind oder sehen den Sinn in ihrem Tun nicht», berichtet Manuel Blattner. Kollege Flütsch ergänzt: «Viele fühlen sich missverstanden. Unsere Vorlieben sind nicht einfach nur Bier und Sex.» Aus diesem Grund seien Geschenke, die sich sexistischen oder alkoholischen Themen widmen, unpassend.

Klischees und Stereotype wollen sie mit ihren Artikeln nicht bedienen. Mit Flachmännern, Fliegen oder Bartpflegeprodukten verkaufen sie aber trotzdem typische Männerprodukte. «Von den Klischees kommt man nicht los. Aber man soll sie nicht missverstehen», räumt Blattner ein. «Ich bin zum Beispiel nicht so der Autotyp», ergänzt Flütsch, der Betriebswirtschaft studiert. Ob sie denn wüssten, was Männer wollen? Blattner lächelt, verneint die Frage zuerst, um dann anzufügen: «Männer wollen verstanden werden, Anerkennung für Erreichtes erhalten und Abenteuer erleben.» Und genau für solche Abenteuer seien ihre Gadgets als Hilfsmittel gedacht. «Uns beschäftigt auch die Frage, was das Mann-Sein im Jahr 2018 bedeutet», erklärt der Automechaniker und schiebt Begriffe wie Treue, Authentizität oder Verantwortung nach.

Auf sozialen Medien sehr aktiv

Die Jungs von Gadget Baron versuchen sich nicht nur in ihrem Online-Shop, sondern auch als Motivatoren: Einmal wöchentlich lädt der 22-jährige Flütsch unter dem Spitznamen «Brauni» kurze Videos auf die sozialen Medien hoch. «Monday Police» heisst das Format und soll «die Zuschauer wie eine Montagspolizei daran erinnern, dass es sich lohnt, zu leben und wir den Montag, nur weil es der Tag nach dem Wochenende ist, nicht einfach verschwenden sollen», erläutert Blattner. Regelmässig berichten die beiden Geschäftspartner auch in ihrem Blog über ihre Erfahrungen. Die Einträge handeln von überwundener Angst, gescheiterten Beziehungen und verlorener Lebenfreude.

Von Gadget Baron leben kann das Trio allerdings nicht. Blattner und Büchli arbeiten zu je 100 Prozent in der Autowerkstatt, Flütsch geht seinem Studium nach. Mittlerweile verdienen sie mit dem Online-Shop aber genug, um zehn Prozent der Einnahmen der Organisation «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind» zu spenden. Flütsch: «Wir wollen nicht nur reden, sondern auch etwas bewirken.»