Peter Bolliger, der sich selber als Ur-Oltner bezeichnet, hat gestern die Dreharbeiten zu seinem neusten Film «Vom Leben verrückt» abgeschlossen. Der Film spielt in der Region Olten – so wie alle seine Produktionen. Dies hatte zunächst einen praktischen Grund, denn Bolliger war nicht immer Vollzeit-Filmemacher. Als er noch angestellter Logistiker war, konnte er nur in der Region filmen. Auch heute noch ist es für ihn wichtig, dass er einen Bezug zu den Drehorten hat.

«Die Geschichten entspringen meiner Fantasie und sind grundsätzlich nicht ortsgebunden, sie können mir aber beim Spinnen einer Geschichte helfen», so Bolliger, der seine Drehbücher selber schreibt. Als er das Skript für diesen neuen Film geschrieben hatte, hat er sich auch von Orten in der Region inspirieren lassen.

Bauernhof wurde zum Zuhause des Protagonisten

Er wusste beispielsweise, schon bevor das Drehbuch fertig war, dass ein zentraler Teil des Films auf dem Bauernhof in Starrkirch-Wil an der Kohliweidstrasse spielen wird. Denn vor dem verwunschenen Hof stehen Zirkuswagen, in denen das Künstler-Duo Comedia Zap wohnt. «Beim Schreiben hatte ich die Wagen im Kopf und wusste, dass sie Teil des Films werden. Ich brauche solche Orte, um meine Geschichten zu entwickeln.»

Diesen Bauernhof hat Bolliger zum Wohnhaus des dementen Jakob gemacht. Schlussendlich hat seine Filmcrew sechs Drehtage an diesem Ort verbracht. Dabei konnten sie auch vom Künstlerwissen der Anwohner profitieren.

Unterstützung macht die Produktion möglich

Produktionen wie die seinen, hätten keine grossen finanziellen Reserven, sagt Bolliger. Der Film werde durch Sponsoren und die kantonale Kulturförderung finanziert. Ausserdem seien die sogenannten Eigenleistungen des Teams wichtig. Das seien Arbeiten, für die sie kein Geld verlangen. «Wir können uns halt nicht mit Hollywood vergleichen», sagt er lachend.

Er war sehr dankbar, als ihm in Dulliken zwei Privathäuser für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt wurden. «Wir sind von solchen Angeboten abhängig», meint er ernst. Dass ihm diese Häuser angeboten wurden, sei nicht selbstverständlich. Denn sein Team könne je nach Drehtag bis zu zehn Personen zählen. «Stellen Sie sich vor, da kommen zehn Leute in ihr Haus, die man eigentlich gar nicht kennt, und das vier Tage lang», sagt er und lacht. Glücklicherweise stehen diese Häuser nebeneinander. Das passt zur Geschichte. Denn im Film wird eine Nachbarschaftssituation erzählt, mit all den stereotypischen Reibereien.

«An der Aare haben wir intensive Drehtage erlebt»

Die Schlüsselszenen seiner neusten Produktion spielen unter freiem Himmel. Nämlich an der Aare in der Region Dulliken und Obergösgen, beim Sandstrand und wo die alten Weiden stehen. «Dort haben wir intensive Drehtage erlebt, die auch beim Zuschauer an die Substanz gehen werden», ist Bolliger überzeugt.

Er habe für diese Szenen einen Ort gesucht, der das Leben abbildet und das Aare-Ufer habe sich schon fast angeboten. Denn die Aare selbst stelle durch ihren Fluss die Vergänglichkeit dar. Auch die alten Weiden hätten gut gepasst. «In solchen Szenen arbeite ich eng mit der Natur zusammen.»

«So wie das halt im Leben ist»

In diesem Kinofilm ginge es im Kern um das Leben. Und dieses versucht Bolliger, so authentisch wie möglich aufzuzeigen. So sei es für ihn wichtig, dass er die Umgebung so belässt, wie sie ist. Das würde auch für das Wetter gelten. Er nimmt es, so wie es ist. Klar spiele es auch eine Rolle, aber es sei halt nicht programmierbar.

Die Schauspieler hingegen schon. Aber auch bei ihnen legt er Wert auf Natürlichkeit. So findet er es immer gekünstelt, wenn sie einen anderen Dialekt für eine Rolle annehmen würden. In seinem Film sprechen darum die Schauspieler mit unterschiedlichen Dialekten. «So wie das halt im Leben ist», sagt Bolliger.