Obergerlafingen

Wie stark soll der Zuwachs sein, und findet er statt?

Aktuell wohnen in Obergerlafingen rund 1250 Personen.

Aktuell wohnen in Obergerlafingen rund 1250 Personen.

Der Gemeinderat will die Ortsplanung von Obergerlafingen vertiefter betrachten.

Weniger Gewerbe, dafür mehr Wohnen – so sieht es die momentane Ortsplanungsrevision in Obergerlafingen vor. Denn das traditionelle Kleingewerbe ist auf dem Rückzug. Somit sollen die meisten noch vorhandenen Gewerbezonen entweder in eine Mischform mit Wohnen oder gleich gänzlich in Wohnzonen umgezont werden.

Neben der bisher bestehenden 2-geschossigen Wohnzone gibt es neu die 3-geschossige Wohnzone, um den Vorgaben der Verdichtung nach innen nachzukommen. So sollen die wenig bebaute Fläche zwischen der Hauptstrasse und dem Grüttbach sowie eine Fläche im Gebiet Steinacker von einer Gewerbezone mit Wohnen in die Wohnzone 3-geschossig umgezont werden. Ausserdem ist die grossflächige, unbebaute Parzelle südlich des Taubenweges für eine Aufzonung von W2 in W3 vorgesehen.

Wie dem theoretischen Fassungsvermögen zu entnehmen ist, hat Obergerlafingen zwar noch beinahe genügend unbebaute Bauzonen, wird aber dennoch innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes verdichten müssen. Mit der Schaffung der W3-Zone werde diesem Wunsch nachgekommen. Nicht erwünscht in der neuen Zone sind hingegen Attikawohnungen. «4-stöckige Gebäude, welche baurechtlich dreigeschossig sind, werden nicht erlaubt», erklärt Thomas Niggli von BSB+ Partner.

Spezialfall bei der Sportanlage Kirchacker

Einen Spezialfall gibt es zudem bei der Sportanlage Kirchacker im Norden der Gemeinde. Auf einer Parzelle Obergerlafingens steht ein Teil eines Gebäudes, das sich grossmehrheitlich auf Gerlafinger Boden befindet. Ursprüngliche Diskussionen über Gemeindegrenzkorrekturen seien mittlerweile vom Tisch. Stattdessen wurde für beide Gemeinden die Sonderzone W3b geschaffen.

Damit wird sichergestellt, dass für das bestehende Gebäude einheitliche Zonenvorschriften geschaffen werden. Die nördlich davon liegende Parzelle wird im Sinne einer angemessenen Einbettung in die Umgebung und einer einheitlichen Zonierung ebenfalls der W3b zugeführt.

Fassungsvermögen wird stark ausgeweitet

Aktuell verfügt Obergerlafingen über eine Einwohnerzahl von rund 1250. Gemäss dem Räumlichen Leitbild strebt die Gemeinde bis ins Jahr 2035 ein Wachstum auf 1384 Personen an, was einem jährlichen Zuwachs von rund 1.1 Prozent entspricht. Die kantonale Prognose hingegen ging von einer leich-ten Bevölkerungsabnahme aus. Nach heutiger Zonierung haben 1275 Menschen in der Gemeinde Platz. Wird die Zonierung gemäss kantonalen Vorgaben nachverdichtet, sind es bereits 1537 Personen. Wenn auch noch die Neuzonierung mit den W3-Zonen berücksichtigt wird, verfügt Obergerlafingen über ein Fassungsvermögen von 1667 Menschen.

Zu beachten sei aber, dass die Nachverdichtungen aktuell noch einen theoretischen Wert darstellen. Denn: «Welcher Privateigentümer ist bereit, auf seinem Grundstück eine zweite Wohnung zu bauen?», so Niggli. Der diplomierte Geograf geht davon aus, dass diese Entwicklung erst in den nächsten 30 bis 70 Jahren einsetzen wird.

Wo soll die Gemeinde in Zukunft hinsteuern?

Der Gemeinderat zeigte sich dennoch skeptisch. Stefan Zumbrunn fragte sich, woher der Zustrom an Menschen nach Obergerlafingen kommen soll. «Das Wachstum im Kanton Solothurn findet nicht im Wasseramt, sondern im Gäu und der Region Olten statt», erklärt der Vize- gemeindepräsident. Andere Voten äusserten Bedenken, dass Obergerlafingen beginne, den Nachbargemeinden Biberist und Gerlafingen Konkurrenz zu machen. Man müsse sich daher ernsthafte Gedanken darüber machen, wo die Gemeinde in Zukunft hinsteuern wolle.

Die Diskussion zeigte letztlich, dass noch viele offene Fragen bestehen. Aus diesem Grund wird sich der Gemeinderat, nach der ersten Vorstellung an der Sitzung am vergangenen Mittwoch, in absehbarer Zukunft nochmals vertieft und kritisch mit der Materie Ortsplanung in Obergerlafingen aus-
einandersetzen.

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