Im Umkreis von Wallfahrtsorten – wie es Oberdorf war – sind entlang der historischen Verkehrswege viele Zeichen der früheren katholischen Volksfrömmigkeit zu finden. Jede Reise wurde so unter den Schutz Gottes gestellt. Es sind vor allem Kreuzsteine, Wegkreuze und Bildstöcke, die entlang der Wege zu finden sind. Sie markierten Abzweigungen und Kreuzungen, sowie teilweise auch Grenzen. Im Verlauf der Reformation wurden in den protestantischen Gebieten viele dieser religiösen Wegmarken beseitigt. In den katholischen Gegenden sind sie zu Bestandteilen der Kulturlandschaft geworden, die oft bis heute sichtbar sind. Waren die Wegkreuze früher noch aus Holz, wurden sie im Lauf der Jahre meist durch steinerne Kreuze ersetzt. Der grösste Teil der heutigen Wegkreuze stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Kirchweg von Lommiswil her

Von Oberdorf aus sind die alten Kirchwege teilweise dank Wegkreuzen heute noch sichtbar. Ein gutes Beispiel ist der alte Kirchweg von Lommiswil her, der über die Busleten führte. Er ist in Plänen aus dem 18. Jahrhundert ausdrücklich als «Lomiswyller Kirch weeg» bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen mit Juramergel geschotterten Weg. Laut Inventar der historischen Verkehrswege (IVS) müssten zwei religiöse Wegbegleiter anzutreffen sein. Auffindbar ist aber nur noch der Bildstock nahe des Busletenhofes. Dieser stammt aus dem Jahr 1607. Er ist aus Findlingsgranit und besitzt eine grosse und ungewöhnlich flache Bildnische, die ursprünglich wohl vergittert war, wie einige Löcher zeigen. In Lommiswil selbst steht nahe der heutigen Haupt und Dorfstrasse ein Kalksteinkreuz mit der Inschrift «C.L. 1834».

Kreuze entlang der Hauptstrasse

Über das Bäriswil geht es in Richtung Selzach. Die Wegverbindung zwischen Selzach und Lommiswil wird um 1450 zum ersten Mal erwähnt. Im Bäriswil findet sich ein Wegkreuz, das nicht datiert ist. Im IVS sind die Angaben dazu widersprüchlich. Einmal ist die Rede davon, dass es «einige hundert Jahre alt ist» und bis 1926 etwas weiter nördlich, in der Weggabelung der Strassen Richtung Chänelmoos und Lommiswil stand. Die zweite Beschreibung, die zu finden ist, sagt, dass das Wegkreuz aufgrund der grobkantig ausgeführten Voluten, welche die Flanken seines Sockels bilden, aus dem späteren 17. oder dem 18. Jahrhundert stammen dürfte.

Im Dorf selbst stehen innerhalb von wenigen Metern gleich drei Wegkreuze. Eines von Bellach herkommend am Dorfeingang auf der rechten Strassenseite (Solothurnstrasse). Es dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Mehr ist im IVS nicht zu erfahren. Ein weiteres Wegkreuz findet sich auf der alten Leberbergstrasse (Bellacherstrasse) von Bellach herkommend beim östlichen Dorfeingang. Dieses ist bereits in Plänen aus den Jahren 1821/22 aufgeführt. Es dürfte sich dabei um ein Bruderschaftskreuz handeln, das einige hundert Jahre alt ist. Auf der Bettlacherstrasse am westlichen Dorfausgang ist ein Brunnen aus dem Jahr 1629 zu finden, der ein Kreuz als Brunnenstock trägt. Der Brunnen stand bis 1911 in Solothurn. Das Wegkreuz ist eine Kopie aus dem Jahr 1948 eines Kreuzes das ursprünglich bei der Schulbrücke stand. Weiter findet sich südöstlich der Kirche von Selzach ein Bildstock aus Kalkstein. Er ist mit 1605 datiert und wurde wohl an seinen heutigen Platz versetzt. Die Bildnische wurde erneuert und zeigt ein Brustbild Christi aus Bronze. Auch in Altreu steht ein Wegkreuz und zwar bei der Kapelle. Es trägt die Inschrift «Gemeing Altrevw 1743».

Pestkreuz im Heimlisbergwald

Mitten in Bellach steht, nahe bei der Dreifaltigkeitskapelle, entlang der alten Verbindung zwischen Solothurn und Biel ein Steinkreuz von 1895 mit einem bronzenen Kruzifix. Seit 1514 diente die Fusswegverbindung von Bellach nach Oberdorf auch als Kirchweg. Sie führte in zwei Ästen von Ober- und Niederbellach auf den Hubel und von dort in einem Weg vereinigt durch den Heimlisbergwald. Das Wegkreuz westlich des Hubels ist nicht mehr aufzufinden. Hingegen steht auf der Höhe des Geisslochs ein renovierter Bildstock. Er wurde in der Pestzeit um 1613 erstellt und 1981 renoviert. In den drei Bildnischen stehen Darstellungen des heiligen Rochus, des Schutzheiligen gegen die Pest, die von Cäsar Spiegel (Bildhauer aus Kestenholz, 1998 verstorben) ausgeführt wurden. Nach dem Neubau der Kirche in Oberdorf (1604) wurden auf dem dortigen Friedhof auch die Toten aus Bellach bestattet. Aus desem Grund dürfte der Kirchweg mit den beiden steilen Steigungen aufgegeben und weiter nach Osten über Gärisch verlegt worden sein. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Bildstock südlich des Stalenhofes aufgestellt.

Ungewöhnliche Häufung

Seit 1375 diente ein Fussweg als Kirchweg zwischen Langendorf und Oberdorf. Dieser führte in etwa dem heutigen Sagackerweg nach. Deshalb sind dort auch mehrere Wegkreuze und Bildstöcke zu finden. Als Erstes ist ein barocker Bildstock aus weissem Kalkstein mit geschweiftem Stamm und vergitterter Bildnische mit verblassendem Muttergottesbild zu finden. Er ist mit einem Kreuz gekrönt und auf 1773 datiert. Vermutlich aus dem späten 19. Jahrhundert stammt der Bildstock kurz vor dem Ortsrand. Er ist aus Kalkstein. Auf seinem Hals steht eine grosse, vergitterte und mit einem Kreuz gekrönte Bildnische mit dem verblassenden Bild eines kreuztragenden Christus. Am Ortstrand von Oberdorf findet sich ein Bildhäuschen auf einem achteckigen Sockel, dessen steinernes Halbwalmdach mit einem Kreuz gekrönt ist. Seine vergitterte Bildnische enthält an der Rückwand ein verblassendes Marienbild. Nicht weit davon entfernt steht talwärts ein Bildstock mit grosser, vergitterter, mit einem Kreuz gekrönter Bildnische mit einem völlig verblassten Bild. Beim Eingang zum Pfarr- und Kirchhof von Oberdorf steht ein weiterer Bildstock. Seine vergitterte rechteckige Bildnische enthält ein Bild der Heiligen Urs und Viktor aus dem 18. Jahrhundert und ist mit einem kleinen Kreuz gekrönt.

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