Biberist
Visionen für die Zukunft sind gesucht: Deshalb wird ein Zukunftsforscher eingeladen

Impulse für Biberist – die CVP beschäftigt sich mit der Zukunft der Gemeinde und hat einen Zukunftsforscher eingeladen.

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Vier der fünf Podiumsteilnehmer (von links): Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann, Gemeinderat SVP Peter Burki, Diskussionsleiter Reto Schoch und Gemeinderat SP Beat Affolter.

Vier der fünf Podiumsteilnehmer (von links): Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann, Gemeinderat SVP Peter Burki, Diskussionsleiter Reto Schoch und Gemeinderat SP Beat Affolter.

zvg

Roger Spindler ist neben seinem Hauptberuf an der Schule für Gestaltung Bern und Biel auch Referent am Zukunftsinstitut Frankfurt am Main. Er nahm rund 60 Zuhörer mit auf einen rund stündigen Ausflug ins Jahr 2030. In einem Referat, das zum Nachdenken anregte, sprach er über die Matrix des Wandels und von den Herausforderungen, die vor allem auch die digitale Zukunft mit sich bringt.

Das Internet werde immer stärker von einigen Wenigen dominiert: Google, Apple, Facebook und Amazon seien die grössten Player, Fake News an der Tagesordnung. Daten seien heute gleich wertvoll, wie noch vor wenigen Jahren Öl. Spindler zeigte zudem auf, dass das Smartphone die wohl grösste Veränderung für den Alltag der Menschheit mitgebracht habe. «Man kann fast sagen, es gibt ein Leben vor der Erfindung des Smartphones und eines danach.» Schon fast gespenstisch mutete die These an, dass sich bis ins Jahr 2035 das Hirn mit Google vernetzen kann und es auf der Welt mehr Roboter als Menschen geben wird.

Alles wird schneller

Im zweiten Teil ging es dann etwas konkreter zu. Die Frage war: «Wie sieht Biberist im Jahr 2030 aus?» Schnell zeigte sich aber, dass die Podiumsteilnehmer diese Frage nur beschränkt beantworten konnten. Zukunftspotenzial hat sicher die Industriebrache, die die «Papieri» hinterlassen hat und die die Verantwortlichen der Gemeinde gemeinsam mit der heutigen Besitzerin des Areals entwickeln. «200 Einwohner könnten dort dereinst wohnen, 30 Firmen sich ansiedeln und rund 500 Arbeitsplätze entstehen», träumte Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann (SP).

Diskussionsleiter Reto Schoch wollte daraufhin wissen, ob denn ein Gemeinwesen nicht fast zu träge sei, um schnell auf neue Gegebenheiten zu reagieren. Wie man eine solche Trägheit denn vermeiden könne? «Was uns in der Vergangenheit starkgemacht hat, reicht heute nicht mehr aus. Wir müssen immer schneller werden und unseren Mitbewerbern voraus sein», erklärte Hans Yamamori (Parteipräsident CVP). Er sprach dabei aber nicht nur die Gemeinde, sondern auch die Privatwirtschaft an.

Beat Affolter (Gemeinderat SP) bestätigte dies. «Wir müssen flexibler werden, unsere Strukturen in der Gemeinde sind veraltet», meinte er. Peter Burki (Gemeinderat SVP) war sich sicher, dass es auch von der Grösse einer Organisation abhängt, mit welcher Geschwindigkeit Entscheidungen gefällt werden. Je kürzer die Wege, desto schneller gehe es. Zudem brauche es wieder Leute, die gewillt sind, Entscheide zu treffen. Diese dürften ruhig auch einmal falsch sein.

Einfluss von aussen ist gross

Im Verlauf der Diskussion zeigte sich, dass die Gemeinde ihre eigene Entwicklung nur bedingt beeinflussen kann. Ein wichtiger Faktor seien beispielsweise auch Grundstücksbesitzer und Investoren. Ausserdem dürfe man nicht nur «in Beton» investieren. Wichtig sei es, dass man möglichst viele gute Köpfe mit guten Ideen zusammenbringe und auch einmal unkonventionell und innovativ entscheide. «Und man muss, gerade auch in einem Gemeinderat, am selben Strick ziehen», so Hug-Portmann. Das wiederum, so Yamamori, bedinge, dass die Gemeinde vorgängig eine Strategie entwickle und weiss, wohin sie will. Gerade dies komme oft zu kurz, so Beat Affolter, weil man im Gemeinderat zu häufig vor allem das Tagesgeschäft bearbeiten müsse. «Wir sind als Gemeinde in der heutigen Welt vermehrt gefordert», erklärte Hug-Portmann abschliessend. (mgt)