Flumenthal

Über 2000 Kostüme haben ihr Atelier verlassen: «Etwas Spezielles zu nähen macht schon sehr Freude»

Lotti Tschumi sitzt auch heute noch gerne an der Nähmaschine. Im Hintergrund eines der ersten Kostüme, das sie genäht hat.

Lotti Tschumi sitzt auch heute noch gerne an der Nähmaschine. Im Hintergrund eines der ersten Kostüme, das sie genäht hat.

Seit vielen Jahren näht Lotti Tschumi Kostüme. Zurzeit hat sie Hochsaison, weil die Fasnacht vor der Türe steht.

Aus einem Stück Stoff ein Kostüm zu schneidern, das ist für Lotti Tschumi etwas vom Schönsten das es gibt. «Ich bin mit Leib und Seele Schneiderin», meint sie. Nach der Schule hat Lotti Tschumi eine Lehre als Damenschneiderin absolviert. Sie hat jung geheiratet und mit 21 das erste von drei Kindern bekommen. Zur Hochzeit hat sie sich ihre erste Nähmaschine gekauft und danach immer genäht. Zuerst Zuhause, später dann in ihrem Atelier an der Greibengasse in Solothurn. Ihre Leidenschaft für das Nähen von Kostümen hat sie entdeckt, als sie als Mitglied des Kirchenchores Flumenthal-Hubersdorf angefragt wurde, ob sie die Kostüme für ein Singspiel nähen könnte. «Das hat mir Spass gemacht und so bin ich in dieses Metier hineingerutscht», erinnert sich Lotti Tschumi heute.

Auch Kostüme fürs Stadttheater genäht

Im Laufe ihres Arbeitslebens hat Lotti Tschumi im Stadttheater in Solothurn als Schneiderin gearbeitet. Zudem hat sie einige Jahre die Kostüme für die Sommeroper Selzach genäht. Ein grosser Auftrag war das Anfertigen der Kostüme für das Freilichttheater «die grüne Fee», das 2013 in Deitingen aufgeführt wurde.

Daneben kennt man Lotti Tschumi in der Region vor allem als Schneiderin für Fasnachtskostüme. Viele Jahre hat sie für die Narrenzunft Honolulu und die Hudibras-Chutze genäht. Aber auch die Kostüme der Hüslisänger, der Konfettistampfer oder der Chräbszunft Kriegstetten sind durch ihre Hände gegangen. «Dazu kommen immer wieder einzelne Leuten aus Gruppen, für die ich Kostüme nähe.» Stammkunden sind Mitglieder der Guggeschränzer oder der Gassefäger.

Lotti Tschumi hat die Fasnacht buchstäblich im Blut: Ihre Mutter war eine Baslerin. Einige Jahre hat sie aktiv bei den Schilfrohrsängern, einer Schnitzelbankgruppe, die in Flumenthal gegründet wurde, aber auch in Solothurn auftritt, mitgesungen. Natürlich hat sie in ihrer Aktivzeit auch die Kostüme für die Gruppe entworfen und genäht. «Heute bin ich nicht mehr so häufig an der Fasnacht unterwegs. Aber wenn, dann bin ich natürlich immer verkleidet.» Immer noch ist ihr Fundus gross. Ein ganzer Kellerraum ist gefüllt mit allen möglichen Kostümen, Kostümteilen und Zubehör wie Hüten, Schuhen und anderen Accesoires.

Acht Stunden für ein unkompliziertes Kostüm

Für ein durchschnittliches Kostüm rechnet Lotti Tschumi mit acht bis zehn Stunden Arbeit. Für die aufwendigeren Kostüme sind es dann schon bis zu 20 Stunden. Dieses Jahr durfte sie zudem ein ganz spezielles Kostüm, eine Einzelanfertigung mit vielen Dekorationselementen anfertigen. «Etwas Spezielles zu nähen macht dann schon sehr Freude.»

Lotti Tschumi näht nicht nur auf Bestellung. Für gewisse Gruppen durfte sie die Kostüme selbst entwerfen. Bei anderen hat sie auch beim Zuschneiden geholfen. «Reich wird man durch diese Arbeit nicht», lacht sie. Die Fasnachtsgruppen stünden alle unter Spardruck. Das merke man auch den Stoffen für die Kostüme an. Diese seien, verglichen mit früher, teilweise doch sehr «hüdelig». «Oft unterlege ich die Stoffe, damit das Kostüm besser hält.» Je mehr Erfahrung man habe, desto leichter falle es einem ein Kostüm zu nähen. «Ich kenne in der Zwischenzeit jede Menge Tricks, die mir die Arbeit erleichtern.»

Weniger Gruppen, Kostümverleih auslaufen lassen

Lotti Tschumi hat ihr Atelier in Solothurn in der Zwischenzeit aufgegeben und arbeitet nur noch zuhause. Weil sie auch noch sechs Enkelkinder hat und im Rahmen von «Senioren im Schulzimmer» an zwei Tagen im Werkunterricht in Derendingen mithilft, hat sie ihr Engagement heruntergefahren. Vor rund einem Jahr hat sie einen grossen Teil der Kostüme aus ihrem Verleih verkauft. «Ich will eigentlich aufhören, aber so ganz geht das noch nicht», lacht sie.

Zumindest hat sie in der Zwischenzeit die Arbeit für die grossen Fasnachtsgruppen aufgegeben. Bisher konnte sie das guten Gewissens tun, weil sie für alle eine Nachfolge gefunden hat, die ihre Arbeit übernommen hat. «Aber das wird immer schwieriger.»

Trotzdem wird sie auch dieses Jahr bis zum schmutzigen Donnerstag rund 40 Kostüme nähen. Gerechnet über all die Jahre, die sie für alle möglichen Fasnächtler gearbeitet hat, haben mindestens 2000 Kostüme ihr Atelier verlassen. Manchmal sieht sie selbst erst am Fasnachtsumzug in Solothurn, wie viele Kostüme sie tatsächlich genäht hat.

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