Selzach

Turm ermöglicht ganz neuen Blick auf die Naturschutzinseln bei Altreu

Der Holzturm, Attraktion an der HESO-Sonderschau 2018 «Kraftort Wald», wurde am Donnerstag als Beobachtungsturm am Selzacher Aareufer aufgestellt. Ende Oktober wird er offiziell eingeweiht.

Zwei Jahre lang war der Holzturm im Bargetzi-Steinbruch oberhalb Solothurn eingelagert. Vor zwei Wochen wurde er zu Späti Holzbau gebracht, wo man ihn mit einer Rundumverkleidung versah. Am Donnerstagmorgen holte ihn Markus Dietschi, der Präsident des Vereins «für üsi Witi» und Mitglied der Interessengemeinschaft «Kraftort Wald in die Witi Selzach», bei der Bellacher Firma ab, um ihn an seinen endgültigen Bestimmungsort zu bringen.

Es sei nicht ganz einfach gewesen, das Monstrum auf einem Anhänger bis ans Aareufer östlich der beiden vor etwa 15 Jahren aufgeschütteten und mittlerweile komplett überwachsenen Inseln zu bringen: Mit 5m20 Höhe passte der Turm auch liegend nicht unter den Lichtsignalanlagen hindurch und durch die Gassen von Altreu sei es mancherorts äusserst eng gewesen. Aber schliesslich gelang die Übung. Mit einem Lastwagenkran wurde die 7,2 Tonnen schwere Holzkonstruktion zuerst auf der Seite liegend vom Anhänger gehoben, dann aufgestellt, damit die restlichen Teile der Verschalung angebracht werden konnten.

Der Holzturm, Attraktion an der Heso-Sonderschau 2018, wurde in Selzach aufgestellt.

Der Holzturm, Attraktion an der Heso-Sonderschau 2018, wurde in Selzach aufgestellt.

Kurze Reportage über das Aufstellen des Turms am Aareufer.

Am Ufer waren die Fundamente bereits vorbereitet: Mit Jurasteinen hatte die Firma Markwalder eine Art Plattform gebaut und aufgefüllt, in der die Betonfundationen eingelassen wurden. Nach rund zweieinhalb Stunden war es soweit: Der 6 Meter hohe Turm mit einer innenliegenden Doppelwendeltreppe wurde zum Ufer gehoben und sanft auf den Millimeter genau auf das Fundament gesetzt und befestigt. Die Fachleute der Holzbaufirma Späti befestigten als letzte Elemente die Dachplatten, welche ein Dachdecker noch wind- und wetterfest verkleiden wird.

Wie kam Selzach zu diesem Turm? Mit Beharrlichkeit.

Der aus lokalem Sturmholz in der Region erbaute Holzturm – «Burglind» lieferte das Material der Grundkonstruktion – war im September 2018 Mittelpunkt der HESO-Sonderschau «Kraftort Wald».

..

Mit im OK der damaligen Sonderschau war auch Thomas Leimer, der Bauverwalter Selzachs, der zusammen mit Geri Kaufmann und Markus Dietschi die IG «Kraftort Wald in die Witi Selzach» gründete und dafür sorgte, dass der Turm nach Selzach kam. Die IG setzte sich dabei gegen etliche andere Interessenten durch, die den Turm ebenfalls gerne für sich beansprucht hätten.

Ursprünglich war angedacht, ihn bei der Storchensiedlung aufzustellen. Doch Nachbarn monierten, dass man ihnen in die Gärten sehen könne und sie sich dadurch gestört fühlen würden. Also suchte man zusammen mit dem Kanton einen neuen Standort. Östlich der Aareinseln wurde man fündig.

Aussergewöhnlicher Bau an aussergewöhnlicher Lage

Allerdings war der Kanton nicht einfach so bereit, diesen Bau ausserhalb der Bauzone und erst noch in der Uferschutzzone zu bewilligen. Das Gesuch musste nachgebessert werden, denn die Initianten hatten den Fokus zu wenig klar formuliert. Erst als der Aspekt «Bildung» stärker gewichtet wurde, erteilten die diversen Ämter eine Bewilligung, befristet auf die Lebensdauer des Turms. Konkret kann man also keinen neuen Turm aufstellen, sollte dieser einmal «das Zeitliche segnen». Allerdings besteht der Turm aus sehr widerstandsfähigem Douglasienholz und dürfte einige Jahrzehnte alt werden.

Der Holzturm soll als Aussenposten des Infozentrums Witi dienen und das Bildungsangebot des Zentrums mit konkreten Beobachtungsmöglichkeiten erweitern. Vom erhöhten Beobachtungs- und Erkundungsposten aus können in aller Ruhe wildlebende Störche, Hasen sowie viele andere Tiere und Vögel auf den Naturschutzinseln und auf dem offenen Feld der Witi beobachtet werden. Zu diesem Zweck wurde der Turm mit einer Verkleidung versehen, der verhindert, dass die Tiere gestört werden. Dieses Holz stammt übrigens aus dem Bettlacher Wald.

Sicht auf kleine Lagune

Sowohl die Einwohnergemeinde Selzach als Hauptsponsor, als auch die Bürgergemeinde Selzach, die Gemeinde Bettlach, der Kanton, diverse Stiftungen, Firmen und Private beteiligten sich am Kauf und der Installation des Turms, von dem man tatsächlich eine Aussicht über die Aare westwärts, die Inseln und in Richtung Jura über die Witi geniessen kann, die so bis jetzt nicht möglich war.

Kaum jemand weiss beispielsweise, dass es mitten auf der Insel eine kleine Lagune gibt. Vom Ufer aus ist sie nicht zu sehen, von den 8 Metern Höhe über Wasser aus aber schon. Nicht nur die anwesenden Mitglieder der IG sondern auch mehr oder weniger zufällig vorbeispazierende Passanten benutzten die Gelegenheit, den Turm zu besteigen und zu staunen.

Die offizielle Eröffnung des Turms findet am 23. Oktober im Beisein von Frau Landammann Brigit Wyss statt.

Meistgesehen

Artboard 1