Von den Silos ausserhalb der Werkhallen gelangt das Polyethylen in Granulatform über Rohrleitungen und Trichter in die Bearbeitungszentren, wird aufgeheizt und verflüssigt und unter hohem Druck in die Formenwerkzeuge gespritzt. Zuvor beladen Roboter die riesige Spritzgussanlage mit diesen Werkzeugen und jonglieren die produzierten Fertigteile millimetergenau in die richtige Position, bevor sie auf dem Fliessband landen, in Plastikfolie versandfertig verpackt und komplett mit Barcode und allen nötigen Informationen angeschrieben werden. Die gesamte Fertigung erinnert an eine faszinierende Tanzperformance, anstelle von Tänzern sind allerdings Roboter im Einsatz.

Im Vierschichtbetrieb

Wir befinden uns in der Werkhalle der GF Wavin AG in Subingen. Im Wasserämter Produktionswerk des Weltkonzerns Georg Fischer (GF) werden Verbindungselemente mit 45- oder 90-Gradwinkel oder T-Stücke vorab für Wasser- und Gasrohrleitungen gefertigt. Werkleiter Andreas Pauli spricht sichtlich stolz von «einer vollautomatischen Hightech-Produktion». Ein Anlageführer betreue gleichzeitig drei dieser Fertigungszellen. Sie liefen je nach Auftragslage im Vierschichtbetrieb rund um die Uhr, die Verfügbarkeit der Anlagen liege bei 92 bis 96 Prozent, der Stillstand für die Wartung und Einrichtung bei 4 bis 8 Prozent. «Nur so ist heute eine rentable Massenproduktion auf dem vergleichsweise teuren Werkplatz Schweiz überhaupt möglich», hält Pauli fest. So liege der Lohnkostenanteil pro gefertigtes Element nur bei sieben bis zwölf Prozent. Die höchsten Anteile entfielen auf die Energie und das Rohmaterial. Zudem fertige man in Subingen auch Spezialitäten, wie etwa vorisolierte Verbindungselemente. Das bringe für die Installateure eine deutliche Zeitersparnis und damit tiefere Kosten.

Der Output pro Mitarbeiter sei heute deutlich höher als etwa vor zehn Jahren. Die Effizienzsteigerungen mittels Automation seien der richtige Weg, um den Standort Subingen erfolgreich betreiben zu können. Es sei gelungen, dies ohne einen Personalabbau durchführen zu müssen. Allerdings bedinge dies eine hohe Flexibilität der Mitarbeitenden, damit sie für unterschiedliche Aufgabengebiete eingesetzt werden können sowie den Willen zur stetigen internen oder externen Weiterbildung. Die tiefe Fluktuationsrate zeige, dass sich das Personal mit GF identifiziere. Ziel sei auch immer, die Lernenden nach ihrer Berufsausbildung im Betrieb zu behalten. Derzeit zählt GF Wavin Subingen 88 feste Mitarbeitende und zu Spitzenzeiten rund 15 Temporärangestellte. Tendenziell steige der Personalbestand, so seien derzeit fünf Stellen ausgeschrieben, vom Kunststofftechnologen bis hin zum Ingenieur. Damit ist GF Wavin ein bedeutender industrieller Arbeitgeber im Wasseramt, und doch in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. «Alle hier produzierten Teile sind nach deren Einsatz nicht mehr sichtbar. Sie werden für die im Boden verlegten Gas- und Wasserrohrleitungen eingesetzt», sagt Pauli lachend.

Millionen investiert

Die GF Wavin AG Subingen gehört zur Division GF Piping Systems des Konzerns Georg Fischer (siehe Kasten). Deshalb werden die Entscheide – auch für Subingen – am Hauptsitz in Schaffhausen gefällt. Andreas Pauli ist seit 18 Jahren für GF Wavin tätig, seit 6,5 Jahren leitet er das Subinger Werk. Der 46-Jährige ist Maschineningenieur und «fasziniert von technologischen Innovationen im Fertigungsbereich». So ist er offensichtlich ein guter Fürsprecher für das Werk im Wasseramt.

Das Mutterhaus habe in den vergangenen Jahren viele, viele Millionen in den Maschinenpark investiert, aktuell bestehend aus 36 Spritzgussanlagen, davon 11 vollautomatische Fertigungszellen. Man sei auf dem neusten Stand der Technik und die neueste Generation würden 40 Prozent weniger Strom als bestehende Anlagen verbrauchen. Auch in die Bauinfrastruktur wird investiert. So werde im laufenden Jahr das für Fabrikhallen typische Scheddach komplett erneuert; Kostenpunkt rund 4 Millionen Franken. Jährlich werden im Subinger Werk rund 4200 Tonnen Polyethylen in Rohrverbindungselemente wie Muffen und Stutzen-Fittings verarbeitet. Zusammen mit dem Schwesterwerk am Hauptsitz in Schaffhausen sind es jährlich gegen 15 Millionen Stück. Täglich transportieren mehrere Lastwagen die Teile von Subingen nach Schaffhausen in das Logistikzentrum von GF Wavin. Von dort aus geht es an Handelsfirmen und Endkunden in die ganze Welt, der Exportanteil liegt bei rund 90 Prozent.

Guter Geschäftsverlauf

Umsatzzahlen für das Werk Subingen werden nicht bekannt gegeben. Nur so viel: Die Kapazitäten seien voll ausgelastet. Andreas Pauli begründet dies unter anderem mit der vorerst noch anhaltend guten Baukonjunktur sowie dem weltweiten Trend hin zu Investitionen in sauberes Trunkwasser. Auch für die nähere Zukunft sehe es gut aus, erklärt er, obschon die Zeiten rasch ändern könnten.