Bucheggberg

Szenarien für den Wald stimmen ängstlich – die Förster sind trotzdem zuversichtlich

Das rote «K» heisst Käferbefall und der Baum wird gefällt.

Das rote «K» heisst Käferbefall und der Baum wird gefällt.

Kreisförsterin Daniela Gurtner referierte an der Generalversammlung des Waldwirtschaftverbandes Bucheggberg über den Klimawandel und dessen Folgen für den Wald.

«Palmen im Bucheggberg?» Unter diesen provokativen Titel stellte Kreisförsterin Daniela Gurtner ihr Referat. Sie ging dabei vor allem auf den Klimawandel und die Folgen für den Wald ein. «Unsere Vorfahren haben viel in den Wald investiert und Fichten angepflanzt. Ein Baum, mit dem man lange Zeit viel Geld verdienen konnte.»

Heute sind die Fichten oft von Käfern befallen und müssen gefällt werden. «Darum fragen wir uns heute, was ist das Richtige für den Wald?» Auch die nächste Generation solle sich noch am Wald freuen können.
Tabellen würden klar aufzeigen, dass die Jahresmitteltemperatur mit Beginn der Industrialisierung angestiegen ist. Schon wenige Grad hätten erhebliche Folgen.

Gurtner zeigte dies mit zwei Bildern aus dem Historischen Museum in Luzern. Das eine zeigt Luzern vor 20'000 Jahren, damals war es rund 2,5 Grad wärmer als heute, und es wuchsen Palmen. Vor 12'000 Jahren war es 2,5 Grad kälter als heute und Luzern war von einer Eisschicht bedeckt. Der Wald reagiert aber nicht nur auf die Temperaturen.

Zusätzlich muss er auch mit der Trockenheit zurechtkommen. Viele der Buchen hätten dies laut Gurtner nicht geschafft. «Sie haben zwar im letzten Herbst frühzeitig das Laub abgeworfen, blieben aber auch dieses Jahr dürr.» Vermehrt sei zudem Schleimfluss an den Bäumen zu beobachtet worden: Das zeuge ebenfalls von Stress.

Borkenkäfer mögen es durchaus warm

Bäume, die bereits durch die Trockenheit gestresst seien, könnten sich weniger gut gegen den Borkenkäfer wehren. Und dieser vermehre sich wegen der höheren Temperaturen stärker als früher. Der Wald der Zukunft müsse vielfältiger und sortenreicher werden.

Aus diesem Grund gebe es in der ganzen Schweiz Testpflanzungen. «Wir versuchen herauszufinden, welche Baumsorten die ansteigenden Temperaturen am besten ertragen.» Auch die Struktur und die Altersdurchmischung müsse verbessert werden. «Das bedeutet auch, dass die Bäume weniger lange stehen bleiben.»

Daniela Gurtner zeigte sich froh, dass es im Bucheggberger Wald noch keine Palmen hat. «Im Tessin sind sie aus den Privatgärten in den Wald eingewandert und fast nicht mehr wegzubringen.» Sie ist zudem überzeugt, dass der Waldwirtschaftsverband die Situation meistern wird. Ein innovativer Forstbetrieb sei das Wichtigste dafür und das habe der Bucheggberg.

18 dramatische Monate für den Wald

Im anschliessenden offiziellen Teil informierte Mark Hunninghaus (Betriebsleiter Forstbetrieb Bucheggberg) die Waldbesitzer über den Zustand ihres Waldes. «Wir haben 18 dramatische Monate hinter uns», meinte er.

Der Wald erlebte das dritte Trockenjahr in Folge. In den Bäumen wüteten zum Teil gleich drei Generationen von Käfern und dann hat auch Burglind dem Wald zugesetzt. «Wir haben ununterbrochen Holz produziert.» Und das in einer Zeit, in der die Holzpreise in den Keller gesunken sind.

Beängstigend war für Hunninghaus auch eine neue Erfahrung: Ein Ahorn wurde von der Russrindenkrankheit befallen. Diese Krankheit ist auch gefährlich für den Menschen. Die Sporen, die der Pilz produziert, können zu Beeinträchtigungen der Atemwege führen. «Wir mussten Schutzkleidung tragen.»

Hunninghaus appellierte weiter an die Waldbesitzer, ihre Bäume zu inspizieren und bei Verdacht auf Käferbefall schnell zu reagieren. «Wir müssen den Borkenkäfer in den Griff bekommen.» Ansonsten hofft er, dass der Forstbetrieb im nächsten Jahr wieder zur Normalnutzung übergehen kann. «Die Szenarien sind zwar teilweise beängstigend, aber wir blicken zuversichtlich in die Zukunft.»

Obwohl offiziell kein Wahljahr war, musste ein neues Vorstandsmitglied gewählt werden. Nach 14 Jahren hat Gerhard Arni (Lüterswil) als Aktuar des Waldwirtschaftsverbandes demissioniert. Er wurde von der Versammlung zum Ehrenmitglied ernannt. Als neues Vorstandsmitglied wurde Res Ramser (Schnottwil) gewählt

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