Selzach

Strategie zur Bekämpfung von Neophyten: Störer werden konsequent geplagt

Bauverwalter Thomas Leimer und Werkhofchef Bruno Meister sind besorgt: Hier frisst der Knöterich die Blocksteine der Bachverbauung weg.

Bauverwalter Thomas Leimer und Werkhofchef Bruno Meister sind besorgt: Hier frisst der Knöterich die Blocksteine der Bachverbauung weg.

In Selzach ist vor allem der Japanische Knöterich ein Problem. Bauverwaltung und Werkhof bekämpfen diesen konsequent. Dabei hilft ihnen Praxishilfe von der Repla und Unterstützung von Asylbewerbern.

Seit rund fünf Jahren bekämpfen die Mitarbeiter des Selzacher Werkhofes die Neophyten im Dorf gezielt. «In erster Linie geht es bei uns um den Japanischen Knöterich», so Bruno Meister (Werkhofchef). Ambrosia gibt es in Selzach nicht. Meister kann sich nur an eine einzige Pflanze erinnern, die in den letzten Jahren gemeldet wurde. Die Kanadische Goldrute und das Drüsige Springkraut seien ebenfalls vorhanden, machen aber weniger Probleme.

Endlich praktische Unterstützung

Bauverwalter Thomas Leimer und Bruno Meister haben sich in den letzten Jahren selbst eine Strategie zur Bekämpfung der invasiven Neophyten zurechtgelegt. Der Kurs, den die Repla im Juni dieses Jahres angeboten hat, war für Meister Gold wert. «Es war das erste Mal, dass wir Praxishilfe erhalten haben. Die Merkblätter und theoretischen Ratgeber sind zwar nützlich, aber damit wird keine einzige Pflanze ausgerissen.» Jeder Neophyt habe andere Eigenschaften. Mit Leuten zu diskutieren, die viel darüber wissen, und praktische Tipps zu bekommen sei wichtig.

So hat sich bestätigt, was Meister schon lang vermutete. Der Japanische Knöterich hat nicht gerne Schatten. Er habe auch über andere Neophyten viel gelernt. «Das Wichtigste ist, die Pflanzen dann zu bekämpfen, wenn sie am schwächsten sind.» So reiche es aus, das Drüsige Springkraut während der Blüte zu mähen. «Die Pflanze darf nicht absamen. Weil sie einjährig ist, ist sie damit weg.» Der Umgang mit dem Knöterich sei da wesentlich schwieriger. Ein kleines Wurzelstück reiche aus, damit die Pflanze wieder wachse. Mache man es falsch, dann vermehre sich die Pflanze noch stärker.

«Wir begnügen uns an den meisten Standorten damit, den Knöterich immer wieder zu mähen. Wir transportieren die Pflanzen ab und lassen sie in der Kebag verbrennen.» Die Taktik wirke, so Meister. «Dort, wo wir den Knöterich konsequent plagen, wird er weniger.»

Ein gutes Beispiel sei auch der Wannengraben. Dieser wurde renaturiert und eine Fläche von 20 mal 20 Metern komplett vom Knöterich befreit. Jetzt würden die nachwachsenden Pflanzen in Zusammenarbeit mit Asylbewerbern konsequent ausgerissen.

Im Zusammenhang mit den invasiven Neophyten wird oft von Biodiversität gesprochen. Dies ist auch für Leimer und Meister wichtig. «Wir haben immer weniger Pflanzen, die unsere Schmetterlinge ernähren.» Es gebe aber auch ganz andere Folgen. So wächst Knöterich entlang des Lochbachs nahe der Gemeindeverwaltung. Weil der Knöterich alle anderen Pflanzen verdrängt, ist das Bachbord nicht mehr bewachsen. Die Folge: Im Winter rutscht der Hang langsam ab. In Altreu zeigt sich ein anderes Bild: Dort zerstört der Knöterich die Bachverbauung aus Blocksteinen, indem die Wurzeln die Steine aufsprengen.

Leute sind gedankenlos

Schon seit mehr als 20 Jahren wächst Japanischer Knöterich weit oberhalb des Lindlidammes. Die Pflanze war früher beliebt bei Floristinnen, die die grünen Blätter gerne zum Dekorieren eines Blumenstrausses verwendeten. «Irgendwann wurde der Strauss kompostiert und der Gartenabfall im Wald deponiert.» Die Gedankenlosigkeit der Menschen macht dem Werkhofchef zu schaffen. Schade findet er auch, dass heute immer noch Kirschlorbeer, Sommerflieder oder der Seidige Hornstrauch in den Gärten angepflanzt werde. Dabei gebe es einheimische Alternativen.

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