Archäologie und Denkmalpflege
Steinkreuz, Fassaden und Dächer: Diese Sanierungen in der Region werden vom Kanton begleitet

Das Amt für Archäologie und Denkmalpflege begleitete mehrere Gebäudesanierungen in Lohn-Ammannsegg, Nennigkofen und Luterbach.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Alte Schmitte mit Steinkreuz: Prägende Baute im Zentrum von Lohn-Ammannsegg.

Alte Schmitte mit Steinkreuz: Prägende Baute im Zentrum von Lohn-Ammannsegg.

Hanspeter Bärtschi

Im Jahrbuch des kantonalen Amtes Archäologie und Denkmalpflege werden neben den grösseren abgeschlossenen Projekten auch die weniger spektakulären erwähnt. In Kurzberichten beschreiben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die von ihnen begleiteten Projekte. Im Jahrbuch 2020 sind zwei Objekte im Wasseramt und ein Objekt im Bucheggberg aufgeführt.

Unscheinbar steht neben der Alten Schmitte in Lohn-Ammannsegg ein Steinkreuz. Gemäss den 1972 von Elisabeth Pfluger herausgegebenen «Solothurner Sagen» wurde das Kreuz gestiftet, nachdem ein Zimmermann beim Bau der Schmitte vom Dach zu Tode gestürzt sei. Der Zimmermeister und die Angehörigen des Verstorbenen hätten daraufhin das Kreuz im Gedenken an den Verunglückten errichtet. Das Medaillon des Steinkreuzes fehlte seit vielen Jahren.

Die Christlichdemokratische Volkspartei spendete das heutige Medaillon 1994 anlässlich der Fusion der Gemeinden Lohn und Ammannsegg. Der Künstler Urs Fuss aus Rüttenen schuf ein Relief aus Beton, welches die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft darstellt. Im Zuge des Neuanstrichs der Fassade der Alten Schmitte 2 wurde auch das Kreuz auf Schäden untersucht. Eine alte Eisenklammer, welche das Kreuz in die dahinterliegende Mauer verankerte, war stark verrostet und hatte Risse verursacht. Sie wurde ersetzt.

Fachwerk- und Schindelfassade erneuert

Hauptarbeit in denkmalpflegerischer Hinsicht war die Erneuerung der Fassade. Prägnant steht die Gebäudegruppe der Alten Schmitte an der Strasse in Lohn-Ammannsegg. Sie markiert den ehemaligen Dorfplatz von Lohn. Das stattliche Hauptgebäude wurde 1790 als Bauernhaus errichtet. Im Jahr 1802 baute der Wirt Johann Strausack nordseitig an das Haus eine Hufschmiede an. 1840 erfolgte die Ergänzung im Südwesten mit einem Wohnstock, 1892 die Verlängerung des Bauernhauses gegen Westen; beide Anbauten wurden allerdings 1985 durch einen Neubau ersetzt.

Die aufgrund der ehemaligen Schmiedefunktion im Anbau als Alte Schmitte bezeichnete Gebäudegruppe wurde unter diesem Namen 1989 vom Regierungsrat unter kantonalen Schutz gestellt. Nun galt es, die ansprechend gestaltete Fassade mit dem sichtbaren Fachwerk und den Schindelmantel des vorspringenden Anbaus einer Pflege zu unterziehen. Dabei war das Holzwerk anzuschleifen und mit Ölfarbe neu zu streichen sowie der Schindelmantel abzubürsten und mit einer Öllasur zu versehen. Die Putzflächen der Ausfachungen wurden mit mineralischer Farbe überarbeitet.

Dach von Speicher in Nennigkofen renoviert

Drei Kilometer nordwestlich, auf der anderen Seite des Oberwaldes in Lüsslingen-Nennigkofen, wurde der Speicher an der Ringstrasse 3 in Nennigkofen restauriert. Nennigkofen wird im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung als Ackerbauerndorf mit mächtigen und reichen Bohlenständer- und Riegbauten beschrieben. Am südwestlichen Dorfeingang steht in der Bachmulde am Dorfbach hinter dem dazugehörenden Bauernhaus der Speicher Ringstrasse 3. Das Dorf bildet hier ein haufendorfähnliches Ensemble.

Im Inventar der schützenswerten Ortsbilder wird festgehalten, dass sich vergleichbare räumliche Qualitäten und eine ähnliche Ursprünglichkeit im Kanton Solothurn kein zweites Mal finden. Wohl als Ersatz für die wegen des nahen Dorfbachs fehlende Unterkellerung des Bauernhauses befinden sich unter dem Speicher zwei gewölbte Keller. Der Speicher wurde 1835 errichtet. Die Datierung ist mit schwarz gefassten Zahlen und rotem Rahmen auf dem Türsturz im Erdgeschoss angebracht. Die Dachhaut sowie die Freibünde, mit Abhänglingen und Knäufen in der Hauptfront, waren in einem schlechten Zustand und mussten erneuert werden, während der durch das grosse Vordach geschützte Kernbau keine grossen Schäden aufwies.

Bestandsicherung des Turbinenhaues Schoeller

In Luterbach wurde das ehemalige Turbinenhaus Schoeller instandgestellt. Der Emmenkanal ist einer der Brennpunkte der industriegeschichtlichen Vergangenheit im Kanton. Entsprechend stark hat die im 19. Jahrhundert beginnende industrielle Entwicklung die Kulturlandschaft geprägt. Das 1903 errichtete Turbinenhaus auf dem früheren Schoeller-Areal ist ein Puzzlestück im industriegeschichtlichen Baubestand, welcher seit den 1990er-Jahren auf dem vom Solothurner Heimatschutz initiierten Industrielehrpfad erlebt werden kann.

Anfänglich wurde die in der Kammgarnspinnerei Derendingen benötigte Energie über ein Schwungrad und Transmissionsriemen vom Kraftwerk direkt in die Spinnereisäle übertragen. Die Umwandlung in Strom erfolgte erst ab Anfang der 1920er-Jahre. Das Schwungrad und auch der Generatorraum mit seiner Ausstattung, unter anderem mit einem originalen Terrazzoboden und dem Generator der Maschinenfabrik Oerlikon, sind erhalten geblieben, obschon das Kraftwerk mit der Erneuerung des Kraftwerks Luterbach I gleich nebenan 2001 stillgelegt wurde.

Im Zusammenhang mit der Realisierung des Verteilzentrums auf dem ehemaligen Schoeller-Areal konnte die Gemeinde Luterbach das alte Turbinenhaus übernehmen. In einer ersten Etappe wurde nun mit der Erneuerung von Fenster und Türen sowie einer Dachsanierung der Bestand gesichert. Für die Nutzung des Gebäudes folge hoffentlich bald eine weitere Instandstellungsetappe inklusive Sicherstellung des Zugangs, so der Autor im Jahrbuch.